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Zwischen Himmel und Erde
Kloster Arenberg in Koblenz ist seit einem Jahr Wellness-Oase / Gäste schöpfen körperlich und spirituell Kraft Anwendungen

Von Kristina Hußmann

Das erste Licht bricht zaghaft durch die Wipfel der Bäume, die den Park begrenzen. Eine Gruppe Menschen schreitet still über die Wiese, streicht mit den Füßen über das feuchte Gras. Schon vor Sonnenaufgang erwacht das Leben im Kloster Arenberg in Koblenz. Nicht nur die Schwestern sind hier auf den Beinen. Auch einige der 100 Gäste nutzen das erste Angebot des Tages: Tautreten mit anschließendem Walking. Ein Physiotherapeut begleitet die Frühaufsteher.
Seit Juli vergangenen Jahres spielt sich hier mehr ab als der herkömmliche Klosterbetrieb. Investitionen von mehr als 14 Millionen Euro haben aus dem Gebäudekomplex am Rande der Stadt, hoch über dem Rhein gelegen, eine Wohlfühl-Oase geschaffen, die eine besondere Form körperlicher und geistiger Erholung bietet: Zehn Schwestern arbeiten hier zusammen mit Physiotherapeuten, Masseuren, Verwaltungsfachleuten und Servicekräften. 70 Prozent Auslastung decken die Kosten.
begegnen - heilen" einen Aulbruch gewagt, der in Deutschland derzeit einzigartig ist und sie zugleich vor dem finanziellen Ruin bewahrte.
Hoch defizitär war das Kloster seit Jahren. Immer weniger Schwestern, jetzt noch 65, immer mehr Personal. "Es ging um Leben oder Sterben", bringt es Verwaltungsdirektor Bernhard Grunau auf den Punkt. "Wir haben uns für das Leben entschieden und nach dem zeitgemäßen Auftrag des Ordens gefragt." Das Ergebnis: Physiotherapeutische Anwendungen, Aroma-Massagen, Aquagymnastik, Bädertherapie und Chi Gong, aber auch Meditation, Morgen- und Nachtimpuls in der Kapelle und Seelsorge verbinden sich zu einem Gesamtkonzept. Angelehnt an die Kneipp'schen Gedanken spielen auch Ernährung und Heilkraft von Kräutern Und Wasser eine entscheidende Rolle. Ganz bewusst wird auf kosmetische Angebote verzichtet: "Wir lehnen das nicht ab", betont der Verwaltungsdirektor. "Aber es ist nicht unser Profil."
Nach Konfession oder religiöser Ausrichtung wird im Kloster Arenberg nicht gefragt: "Das spielt für uns keine Rolle. Niemand soll hier vereinnahmt werden." Dennoch ist das christliche Fundament für viele Gäste der Grund für den Urlaub in klösterlicher Atmosphäre. Die spirituellen Angebote sind allerdings nur ein Feil des Programms:
"Manche konzentrieren sich auf das körperliche Auftanken und Kraftschöpfen", erklärt Grunau.Doch über das zur Ruhe kommen bricht oft vieles auf, und Menschen lassen sich auf die spirituellen Möglichkeiten ein."
Mit der Neuausrichtung des Klosters haben sich auch das innere und äußere Erscheinungsbild verändert. Ein großer Park mit dichten Obstbäumen umschließt die schlichten Backsteingemäuer. Sand- und Kiespfade schlängeln sich über das Gelände, führen zu versteckten Sitznischen, Bänken und Liegestühlen, die unter einer grün umrankten Laube stehen. In dem duftenden Kräutergarten gibt es ein Teehaus, in dein Schwestern und Gäste die Kräuter trocknen und sortieren. Wege, in Kreuzform angelegt, geben dem Garten seine Struktur. Dass hier bewusst ein christliches Symbol Grundlage der Gestaltung war, erklärt ein kleines Schild. Die religiöse Verbindung ist eindeutig, aber nicht aufdringlich.
Inmitten des Backsteinkomplexes ist das neue, hohe Sandsteingebäude integriert.
Gegessen wird im großen Speisesaal. Schwester Anunziata schlendert zwischen den Tischen hindurch, begrüßt die Menschen, plaudert ein bisschen und macht Witze: "Mir gefällt die Art, wie die Schwestern dazwischen sind", sagt eine 85-jährige Prau aus Hamburg. Eine Physiotherapeutin aus Münster ergänzt: "Eben die Kombination von christlicher Umgebung und Wellness macht hier die Qualität aus."
Peter und Anne Ilgen aus Meschede sitzen im Schatten auf einer Holzbank und blicken auf das begrünte Rondell vor dem Eingang: "Wir haben nach einem neuen Urlaubsstil gesucht und sind sehr zufrieden mit dem, was wir gefunden haben." Menschenfreundlich sei die Atmosphäre. Und dass die Schwestern nicht nur für den theologischen Aspekt zuständig sind, zeigt ein Erlebnis der Ilgens:
"Wir hatten Probleme mit dem warmen Wasser auf unserem Zimmer", erzählt der Pensionierte Religionslehrer:
"Wir haben um Hilfe gebeten, und ein paar Minuten später stand eine Schwester mit einer riesigen Kombizange vor unserer Tür."
Schwester Scholastika ist mit 38 Jahren verantwortlich für den Noviziatskonvent und kümmert sich im Kloster Arenberg besonders um die Seelsorge der Gäste. "Wir mussten eine neue Sprache finden, um unsere christlichen Aufgaben in diese Zeit zu übersetzen." Die Menschen in ihren Lebenssituationen ernst zu nehmen und zu begleiten, sei die entscheidende Aufgabe, fügt sie hinzu. Ob die Besucher hier dabei sehr religiös seien, alte Spuren wieder aufnähmen oder einen Abstand beibehielten, spiele keine Rolle. "Jeder Gast ist frei in dem, was er hier sucht und was er hier finden möchte", sagt die junge Frau bestimmt.
Die Besucher gestalten ihren Aufenthalt im Kloster ganz individuell. Zeitpunkt und Ort spielen eine Rolle, wenn es um Therapie, Gruppenangebote und die Mahlzeiten geht. "Unsere Gäste sollen ihren eigenen Rhythmus leben", sagt Bernhard Grunau. Und wer so auf seinen Weg durch die Gebäude oder im eigenen Zimmer nach der Zeit sucht, muss sich auf seine eigene verlassen. Denn Uhren gibt es hier nicht. Lediglich im Foyer steht ein großes, hölzernes Exemplar hinter dem Tisch, auf dem das Gästebuch liegt. Doch deren Zeiger sind stehengeblieben.

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