Trend Urlaub im Kloster

Sendeanstalt und Sendedatum: SR, Sonntag, 2. Dezember 2007
Syrien wird gerne das Herz Arabiens genannt. Was Syrien aber von anderen arabischen Ländern unterscheidet, ist die Toleranz zwischen den Religionen. Zwar ist das Land vom Islam geprägt, zwölf Prozent seiner Bewohner sind aber Christen. Syrien hat eine uralte christliche Tradition. Dort spielen zum Beispiel die bekannten biblischen Geschichten, wie Kain seinen Bruder Abel erschlug und Saulus zum Paulus wurde. Überall im Land findet man Klöster – in einigen davon können Besucher sogar übernachten.

Das Kloster Mar Musa al-Habashi

Wir haben das Kloster Mar Musa al-Habashi besucht. Es liegt im Norden von Damaskus, rund eine Autostunde von der syrischen Hauptstadt entfernt. Fast vierhundert Stufen sind es bis zum Kloster – im wahrsten Sinne des Wortes ein steiniger Weg! Zum Glück sind es nur fünfzehn Grad – nicht vierzig, wie im Sommer. Und dennoch geht einem fast die Luft aus. Das Kloster liegt auf 1300 Meter Höhe und ist eine christliche Oase tief in der Wüste. Denn hier leben Mönche und Nonnen, ein ungewöhnlicher Ort! Aber nicht nur deshalb lohnt sich der anstrengende Aufstieg. Vom Kloster hat man eine atemberaubende Aussicht! Schon im sechsten Jahrhundert haben sich Mönche in die Schlucht zurückgezogen. Zuerst haben sie in Höhlen gewohnt und im

11. Jahrhundert dann das Kloster gebaut. Heute wird es von einem italienischen Jesuitenpater geleitet, der vor mehr als zwanzig Jahren das erste Mal nach Mar Musa kam. Damals war das Kloster eine Ruine und er hat draußen geschlafen, aus Angst ihm könnte etwas auf den Kopf fallen.

Wiederaufbau in jahrelanger Arbeit
Heute führt Paolo Dall’Oligio seine Gäste zuerst in die Kirche des Klosters. Stolz erzählt er, wie seine Anhänger und er mit finanzieller Hilfe des Vatikan, des syrischen Instituts für Denkmalpflege und der EU in jahrelanger Arbeit die Fresken darin freigelegt haben. Sie stammen aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Heute ist die Kirche wie eine Moschee mit Teppichen ausgelegt. Man merkt, dass Pater Paolo schon lange in Syrien zuhause ist. Er hat in Damaskus Islamwissenschaften studiert und erzählt seine Geschichte und die des Klosters wahlweise auf Italienisch, Arabisch, Englisch, Spanisch oder Französisch.

30 Gästezimmer und die Möglichkeit der Mitarbeit
Das Kloster hat 30 Gästezimmer. Sie liegen in einem Gebäude, das Pater Paolo extra abseits von den Bereichen der Nonnen und Mönche bauen ließ. Zur Weihnachts- und Osterzeit sollte man auf jeden Fall reservieren. Die Zimmer werden von vier bis sechs Gästen geteilt. Männer und Frauen schlafen getrennt. Im Gegensatz zum Hotel gibt es keine festen Übernachtungspreise, sondern es wird erwartet, dass man eine Spende gibt – entweder in Form von Geld oder in Form von Arbeitskraft. Die letztere ist die bessere Wahl: So helfen die Gäste beispielsweise beim Kochen oder Wäschewaschen und so lernt man das Klosterleben wirklich kennen.

Seminare für ein besseres Verstehen
Das Kloster versteht sich als Begegnungsstätte. Pater Paolo kämpft für die Toleranz von Christentum und Islam und bietet Seminare zu einem besseren Verständnis der beiden Religionen an. Neben den christlichen Tugenden Gebet und Arbeit gelten auch die arabischen Prinzipien Gastfreundschaft und Dialog. Die Nonnen und Mönche leben enthaltsam, aber nicht hinter dem Mond. Sie haben Internet und seit das Kloster in einem amerikanischen Reiseführer steht, finden immer mehr Touristen den Weg dorthin und beim Wäschewaschen oder Kartoffelschälen zu sich selbst. Adresse:

Deir Mar Musa al-Habashi
P.O. Box 178
Nebek - Syrian Arab Republic
Tel. (00963) 011 7420403
Fax. (00963) 011 7230335
www.deirmarmusa.org

Andere Klöster in Syrien
Es gibt noch einige andere Kloster in Syrien, die Gäste aufnehmen. Zum Beispiel das Mar-Thekla-Kloster in Malula, das als schönstes Dorf Syriens gilt. Weltweit einzigartig ist die Sprache seiner Bewohner: Westaramäisch, die Sprache Jesu. Im Mar-Thekla-Kloster leben nur Nonnen und so können auch nur Frauen hier übernachten. Das Kloster ist der Dorfheiligen Thekla gewidmet, die in einer Höhle lebte und als erste Märtyrerin des Christentums gilt.

Im Georgskloster dagegen leben nur Mönche, und so können nur Männer dort übernachten. Das Kloster liegt im Tal der Christen, einer christlichen Enklave nahe der syrischen Küste. Durch diese Gegend sind schon die Kreuzritter gezogen. In der Nähe liegt der Krak de Chevalier, die besterhaltene Kreuzritterburg Syriens.

Vor der Reise
Bislang gibt es in Deutschland noch kein syrisches Fremdenverkehrsamt.

Informationsmaterial verschicken:
Syrische Botschaft in Berlin
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Tel. 030/501770, Fax 030/50177311

Syrian Arab Airlines
Düsseldorfer Str. 4
60329 Frankfurt
Tel. 069/251007, Fax 069/236794).

Ein frankierter Rückumschlag sollte der Anfrage beigelegt werden. In Damaskus erteilt das Tourist Office (Tel. 00963/11 2222388, Sa.-Do. 9-19 Uhr) Auskunft.

Für die Einreise ist ein Visum erforderlich. Dieses sollte mindestens sechs Wochen im Voraus bei der syrischen Botschaft beantragt werden und kostet je nach Aufenthaltsdauer zwischen 40 und 60 Euro zuzüglich Versandkosten der Botschaft. Der Reisepass muss zum Einreisedatum noch mindestens sechs Monate gültig sein und darf keine Einreisestempel von Israel haben.

Offizielle Währung ist das syrische Pfund. Für einen Euro erhält man zurzeit rund 62 SYP. Die Wechselkurse sind vor Ort günstiger. In den meisten Hotels kann mit Kreditkarte gezahlt werden.

Zwischen Syrien und Deutschland besteht eine Stunde Zeitunterschied. Dabei ist zu beachten, dass die Daten der Zeitumstellung zwischen beiden Ländern variieren.

Anreise
Flüge nach Damaskus bieten unter anderem Syrian Arab Airlines und Austrian Airlines. Syrian Arab Airlines fliegt von Frankfurt und München nach Damaskus, Austrian Airlines ab Wien. Die Flugpreise liegen zwischen 400 und 600 Euro. Die Flugzeit von Deutschland nach Damaskus beträgt ca. vier Stunden, von Österreich ca. 3,5 Stunden.

Klosteruraub in heimischen Gefilden
Klosterurlaub in Koblenz

Wer Urlaub mit innerer Einkehr verbinden will, kann jedoch auch im Land bleiben. In den Hügeln über Koblenz, in der Nachbarschaft des Ehrenbreitstein, liegt das Kloster Arenberg. Das Kloster ist das Mutterhaus der Dominikanerinnen. Seit einem halben Jahrhundert gehört ein Sanatorium zum Kloster.

Im Rahmen einer Renovierung wurden nicht nur die alten Gebäude neu im Schwung gebracht, man entschied sich auch, das Angebot zu erweitern. Das Kloster möchte ein Ort der Ruhe und der ganzheitlichen Erholung sein ‒ Erholung für Leib und


Seele. Es gibt also ein Vitalzentrum mit „Wellness“- Angeboten und die Möglichkeit zur Meditation oder auch Teilnahme an der Liturgie der Dominikanerinnen.

Informationen zum Kloster Arenberg gibt es unter
www.kloster-arenberg.de
Tel.: 0261 6401 2090
E-Mail info@kloster-arenberg.de