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"Herzlich willkommen!" Scwester
Annutiata (66) und Schwester Maris-Stella
(67) laden ein zum Besuch im Konvent
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Schwester Irmingard (71) beim Kräuterlesen.
Die Pflanzen werden getrocknet, gelagert, dann
zu Teemischungen sortiert. |

Die Schwestern beim Gesang während der
Mittags-Hore. Auch Gäste sind dabei. |

Küchendienst: Schwester Ingrid (75) räumt
nach dem Mittagessen die Geschirrspülmaschine
ein. Drei Stunden hilft sie täglich. |

Schwester Albina (74,li.) und Schwester Materna
(74) beim Äpfelschälen in der Großküche. |

Hoch über Koblenz, in einem fünf Hektor
großen Park, liegt das 136 Jahre alte
Kloster Arenberg. In der Mitte das Gästehaus
mit modernem Anbau, rechts der Konvent, in dem
die Nonnen wohnen. |

Die
Gästezimmer. Fernseher gibt es nur auf
Anfrage... |

...die
Besucher sollen sich selbst entdecken. |

Das
Restaurant. In diesem Abschnitt sitzt, wer Ruhe
sucht. Im Nachbarraum finden Gäste an größeren
Tischen schnell Gesellschaft. |
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| Lichtdurchflutet
- das Foyer des Gästehauses. Hier treffen
sich die Besucher, lesen Zeitung, warten auf
Anwendungen. Im Hintergrund die Cafeteria. |
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60
Schwestern hatten eine außergewöhnliche
Idee...
Es
ist sieben Uhr morgens. Nicht nur die Vögel
sind schon wach: Im fünf Hektar
großen Park von Kloster Arenberg stapfen sechs
Frühsportlerinnen barfuss über die feuchte
Wiese. Drei bis fünf Minuten Tautreten, danach
30 Minuten Walken heißt der erste Programmpunkt
des Tages. „Noch eine Runde - dann sofort
Füße abtrocknen und warme Socken anziehen“,
kommandiert Schwester Andrea (45). Ihre Wangen sind
gerötet, die blauen Augen strahlen. Sie ist
bereits hellwach, seit fünf Uhr auf den Beinen
- der Klostertag beginnt zeitig. Um sechs Uhr mit
„Laudes“, dem gemeinsamen Singen im
Schwesternchor, um 6.30 Uhr ist Eucharistiefeier,
die Feier der Gegenwart Gottes. Danach beginnt der
„Berufsalltag“: Schwester Andrea ist
nicht nur Nonne, sondern auch gelernte Physiotherapeutin.
Und verantwortlich für das Vitalzentrum des
Klosters.
Da gibt’s zum Beispiel Gerätetraining,
Qigong, Aquagymnastik im Schwimmbad, Aromamassage,
Physiotherapie, Brandungsbad ... Was für ein
Kloster so ungewöhnlich klingt, ist in Arenberg
seit knapp zwei Jahren Programm. Hier können
sich Gäste körperlich und seelisch erholen.
Ein bisher einmaliges Konzept. Geboren aus der Not.
Ende der 90er-Jahre standen das Kloster und sein
Kneippkurheim kurz vor dem Aus. Das Durchschnittsalter
der Bewohnerinnen lag bei 73, junge Frauen wollten
sich nicht mehr auf das Leben als Nonnen einlassen.
Auch die Nachfrage nach der alten Kneipp Therapie
ging stetig zurück. Den Dominikanerinnen wurde
klar: Wenn wir unser Kloster retten wollen, müssen
wir uns etwas einfallen lassen. Neue Wege gehen.
Auf dem Generalkapitel 2000 - das ist die Versammlung
der Oberen und Bevollmächtigten eines katholischen
Ordens - beschließt die neue Ordensleitung:
Wir wagen einen Neustart, investieren nochmal kräftig.
Die Generalpriorin und acht Schwestern gründen
eine Projektgruppe.
Schwester Scholastika (39) erzählt: „Wir
überlegten gemeinsam:
Was ist unsere Aufgabe heute als Ordensgemeinschaft?
Was ist die Not unserer Zeit?“ Sie kommen
zu der Erkenntnis: Die Nöte in unserer Wohlstandsgesellschaft
sind Orientierungslosigkeit, totale Verunsicherung
in vielen Bereichen, Angst vor Arbeitslosigkeit,
vor Terrorgefahr, Ausgebranntsein und Gottvergessenheit.
„Wir fragten uns: Warum nicht körperliche
Kur mit Seelenheil verbinden?“ Die Schwestern
wissen: Wenn die Seele in Ordnung kommt, wird auch
der Körper gesund. Und beschließen:
Wir bieten zusätzlich zu den Kneipp Anwendungen
ein komplettes WeIlnessprogramm an.
Die Genehmigung durch den Generalrat ist kein Problem.
Auch aus Rom gibt es keine Einwände (Dominikanerinnen
unterstehen dem päpstlichem Recht). Widerspruch
kommt nur vereinzelt aus den eigenen Reihen. Schwester
Scholastika: „Der Begriff ‚Wellness‘
war anfangs ein rotes Tuch. Vor allem ältere
Schwestern und ältere Gäste verstanden
ihn nicht. Also haben wir ihn übersetzt: Mit
Wohlsein.“ Die Dominikanerinnen investieren
15 Millionen Euro. „Das Geld mussten wir ganz
allein auftreiben.“ Es gelingt durch Grundstücksverkäufe
und Eigenkapital, das aus gesparten Gehältern
der Nonnen stammt. Direkt neben dem Konvent, in
dem die 60 Schwestern leben, bauen sie ein neues
Gästehaus mit 99 Betten. Einen Vitalbereich
mit Schwimmbad, Sauna, Dampfbad, Wassertretbecken,
Räumen für Massage und kosmetische Anwendungen.
Hoch oben im siebten Stock, mit Blick über
den Park, entsteht eine moderne Gästekapelle.
Dann musste Personal gefunden werden. Zehn Schwestern
und 75 Angestellte (Zimmermädchen, Reinigungskräfte,
Köche, Restaurantbedienung) sorgen für
die Gäste. Das Konzept hat Erfolg.
Die Nachfrage steigt kontinuierlich, die Auslastung
liegt bei 70 Prozent.
Schon beim Einchecken spürt der Gast, dass
dies kein normales Hotel ist. Hoch über Koblenz,
im Reich der Dominikanerinnen, empfängt ihn
eine andere Welt. Umfangen ihn Geborgenheit und
Wärme. Schwester Annuntiata (66) begrüßt
die Neuankömmlinge, führt sie auf ihre
Zimmer. Keine kargen Zellen, sondern elegant eingerichtete
Einzel- oder Doppelzimmer bekommt man hier (um 80
Euro pro Person, inkl.Vollpension) . Annuntiata
hat lustige braune Augen und ein verschmitztes Lächeln.
„Die Gäste möchten Ruhe, eine religiöse
Atmosphäre“, sagt sie. Wer hier herkommt,
will nicht nur etwas für seinen Körper
tun, er sucht spirituelle Anregung, Lebenssinn,
die Zuwendung der Schwestern. Schwester Annuntiata
ist jeden Nachmittag für die Gäste da.
Geht mit ihnen spazieren, hört ihnen zu. Sie
weiß oft Rat. Egal, ob es um Eheprobleme oder
Familienstreit geht.
Bis zu ihrer Pensionierung hat sie als Krankenschwester
gearbeitet, viel Leid gesehen. Trotzdem strahlt
Schwester Annuntiata Liebe und Zuversicht aus. Woher
sie die nimmt? „Durch meine Gebete zu unserem
Herrn Jesus. Wir pflegen hier die Liebe, die er
lehrt. Erspüren: Was braucht der andere? Dann
gibt er mir diese Liebe auch zurück.“
Wer will, kann an allen Gebeten der Schwestern (Laudes,
Mittags-Hore, Rosenkranzgebet, Eucharistiefeier,
Vesper) teilnehmen. Meditationsstunden mitmachen
oder morgens um acht den „Impuls in den Tag“.
Das sind meditative Musik, Gesang und Ansprache
(z. B zum Thema: Wie gehe ich mit Enttäuschungen
um?). Sogar Vorträge (z. B zum Thema Stressbewältigung,
Ernährung), Konzerte und Filmvorführungen
werden angeboten.
Wer mag, arbeitet mit Schwester Josefa (46) im Kräutergarten.
40 bis 50 Sorten pflanzt sie an, z. B Zitronenmelisse,
verschiedene Minzen, Salbei, Thymian. Nach der Ernte
werden die Kräuter getrocknet, dann wird im
gemütlichen Kräuterhaus jedes Blättchen
vom Stiel gelöst und zu Tees sortiert. Dabei
helfen Gäste, die extra eine Kräuterwoche
gebucht haben. Sie lernen alles über Inhaltsstoffe
und welche Pflanze bei welcher Krankheit hilft.
Stellen Salben selbst her, z. B aus Ringelblumen
gegen kleine Verletzungen.
Ein weiterer wichtiger Punkt im Konzept der Nonnen:
Gesunde Ernährung. Auf dem Buffet im Restaurant
gibt es Rohkost und frisches Gemüse, Suppen,
Pasta und Obst statt süßer Puddings.
In der Küche sind zehn Angestellte mit der
Verköstigung der Gäste beschäftigt.
Und drei Nonnen. Schwester Materna (74) und Schwester
Albina (74), gelernte Hauswirtschafterinnen, schälen
kistenweise Apfel für Apfelmus. Seit 46 Jahren
arbeiten sie in der Küche, von morgens 10 Uhr
bis abends 20.30 Uhr. Nebenan räumt Schwester
Ingrid (75) Geschirr in die Maschine — drei
Stunden täglich. Pensionierung? Da lachen die
drei nur: „Uns macht das doch viel Spaß!
Wir freuen uns, dass wir gebraucht werden.“
So geht es auch Schwester Scholastika. Sie gehört
zu den Jüngsten im Kloster. War früher
Grundschullehrerin in ihrer Schweizer Heimat Rickenbach.
Heute ist sie für die Seelsorge zuständig.
Wer mag, kann sich in einem Gespräch beraten
lassen.
„Viele
Gäste sind gestresst. Manche haben Probleme
im Job, sind in Trauer oder quälen sich mit
ihrem unerfülltem Kinderwunsch“, erzählt
sie. „Immer mehr Menschen ifihlen sich überfordert.“
Die Nonnen leisten, wenn es möglich ist, seelische
Hilfe. „Hier haben unsere Gäste die große
Chance, wieder zum Wesentlichen zurückzukehren,
können sich in Ruhe selbst fragen: Wo stehe
ich eigentlich? Warum bin ich krank geworden? Investiere
ich zu viel Kraft in Dinge, die unwichtig sind?“
Schwester Scholastika weiß: „Wir leben
in einer Zeit, in der wir ständig Angst haben,
nicht alles zu schaffen, nicht gut genug zu sein.
Machen oft zu viele Dinge gleichzeitig.“ Ihr
Tipp. „Ungleichzeitigkeit ist heilsam: Mal
nur ein Musikstück hören, ohne dabei zu
lesen. Auch bewusst genießen haben wir verlernt.
Kompensieren das durch Masse. Muss ich unbedingt
eine ganze Tafel Schokolade essen? Oder reicht auch
ein Stück, wenn ich mich ganz darauf konzentriere?“
Apropos Genuss: Zur Aktivität gezwungen wird
hier niemand. Wer mag, kann auch den ganzen Tag
im Bett verbringen. Sogar zu zweit, auch Paare sind
willkommen. Nur nicht in der Sauna - die besuchen
Männer und Frauen getrennt.
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