Abtauchen im Kloster, eine Reise ins Zeitlose
Immer mehr Klöster öffnen sich Gästen und ermöglichen Reisen in die Stille. Besuch im Namen-Jesu-Kloster in Solothurn und im Wellness-Kloster Arenberg

von Katrin Hafner
Der Spagat: Wellness und Kloster

Schnitt. Kloster Arenberg in Deutschland, die Popversion von Solothurn. Am Empfang sitzt eine Schwester am Computer, 24 A-4-Seiten hängen zwischen ihrem Arbeitsplatz und dem Klostershop: das Programm. Es erstreckt sich vom Heilkräutervortrag über Eucharistiefeiern bis zum Körperzonentraining. Kein anderes Kloster hat diesen Spagat zwischen spirituellem und weltlichem Angebot geschafft, kein anderes Kloster ist so präsent in den Medien wie dieses. Journalisten nennen es gern Wellness-Kloster. Die 6o Dominikanerinnen, die im Mutterhaus leben, haben vor zweieinhalb Jahren ihr Gästehaus für 100 Personen eingeweiht und spielen nun eine Vorreiterrolle unter den sich öffnenden Glaubensgemeinschaften.
Aufenthalt im Kloster Arenberg heißt Klosterferien light - auch für Männer und garniert mit Ablenkungsmöglichkeiten wie Kirchenmusik im schlicht eingerichteten Einerzimmer oder mietbarem TV-Gerät. Mutter Schwester Luzia aus dem Namen-Jesu-Kloster Solothurn hat einen Film über das Kloster Arenberg gesehen und sich skeptisch geäußert: «Ob die Klöster wirklich das bieten sollen, was moderne Hotels auch tun?» Wenn die Schwestern es jedoch mit spiritueller Überzeugung täten, habe sie nichts dagegen. Spirituell überzeugt? Das sind die Betreiber des Klosters Arenberg. Selbst Bernhard Grunau. Der smarte Manager hat geholfen, das ehemalige Kneipp-Sanatorium der Dominikanerinnen in ein modernes Gästehaus mit Vitalzentrum umzuwandeln. Mit Schwester Beatrix leitet er den offenen Teil des Klosters und rührt die Werbetrommel - zum Beispiel mit einer knackigen Internetseite. Doch er betont: «Wir sind keine Spaß-Landschaft, wir hoffen vielmehr, die Gäste auch spirituell zu erreichen.» Das scheint zu gelingen. Das Kloster Arenberg ist fast genauso weit weg vom hektischen Alltag wie das Kloster in Solothurn. Auch hier sind die Gäste ohne jede Verpflichtung, haben Zeit für sich. Es sind 35- bis 90-Jährige, auffällig viele Frauen, teils auch Paare. Sie wollen etwas tun für Körper und Geist - die meisten auch für die Seele. So nehmen sie teil an morgendlichen Besinnungsminuten in der modernen Kapelle oder leihen in der Bibliothek Bücher mit spirituellen Anregungen aus. Wer will, meldet sich für ein vertrauliches Gespräch an; ein Theologe und zwei Ordensschwestern sind, sofern es ihre Terminkalender erlauben, für die Gäste da. Spätestens nach dem Nachtessen kehrt Stille ein im Haus.

Die Massage von Schwester Andrea

10 Schwestern und 75 Angestellte arbeiten in Arenberg für die Gäste, und die Preise sind bescheiden: Für 44 Euro knetet mir Schwester Andrea eine Stunde lang die Starre aus dem Nacken. Später sehe ich sie im Chor beten. Vom Gäste- ins Mutterhaus komme ich nur mit Fremdenführung Eine Schwester holt uns vor dem Gebet am Empfang ab und schleust uns durch mehrere Türen in den stillen Klausurbereich.
Auch wenn Arenberg mit zeitgemäßen Wellness-angeboten lockt, Schönheitsbehandlungen gibt es nicht im Kloster. Dafür Wohlfühlerfahrungen. Beim barfuss Tautreten morgens um sieben in nasskalter Erde zum Beispiel. Gleich anschließend:
Walking im Klostergarten. Die Füße warm, der Himmel weit. Wir riechen Holz und Tannennadeln, sehen in der Ferne die, Lichter von Koblenz. Still ist es. Feine Farben im Morgenlicht. Durch ein Aquarell laufen wir ruhig in den neuen Tag.

 
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