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Spagat: Wellness und Kloster
Schnitt. Kloster Arenberg in Deutschland, die
Popversion von Solothurn. Am Empfang sitzt eine Schwester am
Computer, 24 A-4-Seiten hängen zwischen ihrem Arbeitsplatz
und dem Klostershop: das Programm. Es erstreckt sich vom Heilkräutervortrag
über Eucharistiefeiern bis zum Körperzonentraining.
Kein anderes Kloster hat diesen Spagat zwischen spirituellem
und weltlichem Angebot geschafft, kein anderes Kloster ist so
präsent in den Medien wie dieses. Journalisten nennen es
gern Wellness-Kloster. Die 6o Dominikanerinnen, die im Mutterhaus
leben, haben vor zweieinhalb Jahren ihr Gästehaus für
100 Personen eingeweiht und spielen nun eine Vorreiterrolle
unter den sich öffnenden Glaubensgemeinschaften.
Aufenthalt im Kloster Arenberg heißt Klosterferien light
- auch für Männer und garniert mit Ablenkungsmöglichkeiten
wie Kirchenmusik im schlicht eingerichteten Einerzimmer oder
mietbarem TV-Gerät. Mutter Schwester Luzia aus dem Namen-Jesu-Kloster
Solothurn hat einen Film über das Kloster Arenberg gesehen
und sich skeptisch geäußert: «Ob die Klöster
wirklich das bieten sollen, was moderne Hotels auch tun?»
Wenn die Schwestern es jedoch mit spiritueller Überzeugung
täten, habe sie nichts dagegen. Spirituell überzeugt?
Das sind die Betreiber des Klosters Arenberg. Selbst Bernhard
Grunau. Der smarte Manager hat geholfen, das ehemalige Kneipp-Sanatorium
der Dominikanerinnen in ein modernes Gästehaus mit Vitalzentrum
umzuwandeln. Mit Schwester Beatrix leitet er den offenen Teil
des Klosters und rührt die Werbetrommel - zum Beispiel
mit einer knackigen Internetseite. Doch er betont: «Wir
sind keine Spaß-Landschaft, wir hoffen vielmehr, die Gäste
auch spirituell zu erreichen.» Das scheint zu gelingen.
Das Kloster Arenberg ist fast genauso weit weg vom hektischen
Alltag wie das Kloster in Solothurn. Auch hier sind die Gäste
ohne jede Verpflichtung, haben Zeit für sich. Es sind 35-
bis 90-Jährige, auffällig viele Frauen, teils auch
Paare. Sie wollen etwas tun für Körper und Geist -
die meisten auch für die Seele. So nehmen sie teil an morgendlichen
Besinnungsminuten in der modernen Kapelle oder leihen in der
Bibliothek Bücher mit spirituellen Anregungen aus. Wer
will, meldet sich für ein vertrauliches Gespräch an;
ein Theologe und zwei Ordensschwestern sind, sofern es ihre
Terminkalender erlauben, für die Gäste da. Spätestens
nach dem Nachtessen kehrt Stille ein im Haus.
Die Massage von Schwester Andrea
10 Schwestern
und 75 Angestellte arbeiten in Arenberg für die Gäste,
und die Preise sind bescheiden: Für 44 Euro knetet mir
Schwester Andrea eine Stunde lang die Starre aus dem Nacken.
Später sehe ich sie im Chor beten. Vom Gäste- ins
Mutterhaus komme ich nur mit Fremdenführung Eine Schwester
holt uns vor dem Gebet am Empfang ab und schleust uns durch
mehrere Türen in den stillen Klausurbereich.
Auch wenn Arenberg mit zeitgemäßen Wellness-angeboten
lockt, Schönheitsbehandlungen gibt es nicht im Kloster.
Dafür Wohlfühlerfahrungen. Beim barfuss Tautreten
morgens um sieben in nasskalter Erde zum Beispiel. Gleich anschließend:
Walking im Klostergarten. Die Füße warm, der Himmel
weit. Wir riechen Holz und Tannennadeln, sehen in der Ferne
die, Lichter von Koblenz. Still ist es. Feine Farben im Morgenlicht.
Durch ein Aquarell laufen wir ruhig in den neuen Tag.
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