Ich bin einmalig

Experten sagen, gerade in schwierigen Zeiten sei es wichtig, das eigene Profil zu schärfen. „Selbstmarketing“ ist mittlerweile ein inflationär gebrauchter Begriff. Coaches, die uns zeigen, wie wir uns zur Marke machen und unsere Persönlichkeit erkennen und geplant entwickeln können, haben Hochkonjunktur.

Sendtermin 17.12.2010, 22.15 Uhr, Nachtcafé, SWR Fernsehen Bildquelle: SWR
Wie wichtig ist es in der heutigen Zeit, das eigene Profil zu schärfen? Ist das nicht ein wenig oberflächlich? Oder sind Markenzeichen, zu denen wir selbstbewusst stehen, letztendlich etwas, was uns privat und beruflich glücklicher macht?

Die Gäste:

Der Entertainer Jürgen von der Lippe kann dem Selbstmarketing wenig abgewinnen. Die Persönlichkeit eines Menschen entsteht seiner Meinung nach nur durch eine unverstellte Natürlichkeit. „Echte Stars“, so der Comedian, „sind heutzutage dünner gesät. Die Castingshows produzieren lediglich massenkompatible Medienprodukte ohne Ecken und Kanten, die wie Sternschnuppen schon nach kurzer Zeit wieder verglühen“.
Jürgen von der Lippe und Wieland Backes

Der Coach und Management-Trainer Jon Christoph Berndt trainiert andere Menschen darin, sich zu einer unverwechselbaren Marke zu machen.
Er verfährt nach dem Motto „Die stärkste Marke sind Sie selbst“ und coacht seine Kunden darin, aus der Menge herauszuragen und sich selbst so unverwechselbar zu machen wie eine Nivea-Dose.

Jon Christoph Berndt

Schwester M. Ursula hält den Selbstdarstellungswahn der Menschen für reinen Egoismus. Die studierte Pharmazeutin stand bis vor wenigen Jahren noch in ihrer heimischen Apotheke, doch die Suche nach ihrem wahren Selbst ließ sie nicht los. In einem Dominikanerorden hat die 35-Jährige nun einen Ort gefunden, an dem sie sich und ihr Leben in den Dienst einer größeren Sache stellt. Erst jetzt erfährt sie tiefe Zufriedenheit: „Wenn ich mich selbst gefunden habe, dann brauche ich auch nichts mehr aus mir zu machen.“
Schwester M. Ursula

Matthias Filbinger stand als einziger Sohn des früheren Ministerpräsidenten Hans Filbinger von klein auf im Schatten des Vaters. Ob in der Schule oder im Beruf, für alle war er „der Sohn vom Filbinger“. „Filbinger war ein Name, der überall Reaktionen hervorrief – und das trägt man lebenslänglich in sich“. Erst mit seinem Parteiaustritt aus der CDU fühlte der 54-Jährige weniger Druck: „Jetzt bin ich richtig frei!“
Matthias Filbinger

Ein Vorbild hätte sich dagegen Sofia Plich manchmal gewünscht. Als Contergan-Opfer kam sie ohne Arme auf die Welt und wurde von ihrer Mutter ins Heim abgeschoben. Obwohl sie in dem Bewusstsein aufgewachsen ist, dass Ihre Behinderung ein Makel ist, hat die 48-jährige ihr Selbstbewusstsein nie verloren. Im Gegenteil. Sofia Plich macht aus ihrer körperlichen Einzigartigkeit sogar eine Stärke und konfrontiert ihre Mitmenschen mit ihrer Andersartigkeit: Im Akt-Kalender des Regisseurs Niko von Glasow war sie das Pin-up Model des Monats Juni.
Sofia Plich

Auch Valencia Vintage fällt auf: Botox und zahlreiche Schönheits-OP’s haben aus Florian Stöhr auch äußerlich eine Frau gemacht. Schon im Kindergarten fühlte er sich anders, heute sieht er sich als einzigartige Marke. Je künstlicher umso schöner ist ihre Devise, die ihr noch mehr Medienpräsenz verschafft. Für den roten Teppich würde sie alles tun. „Ich kann eigentlich gar nichts, außer gut ausschauen und Geld ausgeben“.
Valencia Vintage

Früher hat der Punk Matthias Isecke-Vogelsang als Außenseiter unter dem Anders-Sein gelitten, heute ist er damit Schulleiter. Seinen Schülern will er Vorbild sein, mehr darüber nachzudenken, wer sie selber sind und was sie wollen. Nur so lernen sie, sich selbst zu lieben und ihre Einzigartigkeit zu entdecken. „Punk-Sein gibt Selbstbewusstsein und macht stark, weil man gegen Widerstände angeht.“
Matthias-Isecke-Vogelsang