Das 4-Sterne-Kloster

Koblenzer Nonnen zwischen Sauna und Sinnsuche

SWR ‒ Sendung am 03.04.2004
WDR Fernsehen am 08.07.2005
Film: Maik Bialk und Lutz Näkel

Es war mal wieder eine harte Woche: Stress, Termine, viele Stunden im Auto und ein Drehplan, der mir und meinem Team keine freie Minute gegönnt hatte. An diesem Abend tippte ich auf der Suche nach einem Ort für einen Kurzurlaub das erste Mal "Wellness" ins Internet ein. Das Ergebnis: Zahllose Hotels mit Sauna, Schwimmbad und Whirlpool und ‒ ein Kloster in Arenberg bei Koblenz. "Erholen ‒ Begegnen ‒ Heilen" lautete hier der Slogan und neben den üblichen Wellness-Zutaten wurden noch Meditation, Beten und ein Leben in völliger Ruhe angeboten.

Die Eröffnung der klösterlichen Oase sollte leider zwar erst in einem Jahr sein, doch mein Interesse war geweckt: Wellness im Kloster? Das wollte ich unbedingt kennen lernen und filmisch festhalten, denn in meiner Vorstellung war ein Kloster eher ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit.

Der erste Besuch führte mich gleich mitten rein ins Klosterleben, von Ruhe war hier allerdings keine Spur. Denn es wurde gerade für 15 Millionen Euro umgebaut und während der Gebetszeiten dröhnten im Hintergrund regelmäßig Kreissägen und Presslufthämmer. Und auch innerhalb der Gemeinschaft herrschte Unruhe: Die 60 Nonnen hatten sich auf ein gewaltiges Projekt eingelassen, das ihr Leben völlig auf den Kopf stellen sollte. Im Laufe der Monate, in denen ich dann immer eine Zeit im Kloster Arenberg verbrachte, konnte ich dann den Umbau langsam wachsen sehen - die Unruhe allerdings blieb. Viele Nonnen hatten Ängste vor den kommenden Veränderungen. Dem Menschen von heute mit seinen Nöten und Bedürfnissen wollten die Nonnen helfen, doch war dieser Weg richtig? Umso mehr beeindruckte mich die Haltung von Schwester Scholastika, die die Hauptperson meines Filmes werden sollte. Denn nach ihrer Überzeugung müssen sich Kirche und Klöster öffnen und neu definieren, wenn sie die Menschen in unserer hektischen Zeit erreichen wollen.

Unsere Dreharbeiten begannen schließlich kurz vor der Eröffnung des neuen Gästebereiches mitten im Bau-Chaos. Bis zur letzten Minute schufteten hier Nonnen und Bauarbeiter gemeinsam, damit alles rechtzeitig fertig wurde. Und dann kehrte langsam tatsächlich diese "völlige Ruhe" ein, die Gäste aus ganz Deutschland in das Kloster kommen lässt. Was für die Produktion eines Filmes zunächst irritierend ist ‒ es passierte einfach nichts. Die Nonnen beteten oder kümmerten sich um den Ablauf des Betriebes, die Gäste bewegten sich immer langsamer durch die Flure, lasen stundenlang in ihren Büchern und schwammen gemächlich durch den Pool. Ein Kloster ist nicht der Ort für spektakuläre Enthüllungen. Doch wer lernt, die leisen Zwischentöne zu hören, beginnt auch, das Leben in einem Kloster zu verstehen. Immer mehr veränderte sich damit bei unseren Dreharbeiten auch unser Blick auf die alte Gemeinschaft der Dominikanerinnen, die nach fast 150 Jahren in Koblenz kurz vor dem Aussterben steht. So entdeckten wir trotz der schwierigen Nachwuchssituation eine Aufbruchstimmung bei den Nonnen, die in der Öffnung zur Welt eine Chance zum Überleben sehen. Auch die Begegnung mit den Urlaubern war oft überraschend, denn nicht wenige von ihnen bekannten offen, dass sie eigentlich um jede Kirche einen weiten Bogen machen.

Die Dreharbeiten im Kloster Arenberg waren in vielen Punkten außergewöhnlich, auch weil es viel Geduld und Überredungskunst bedurfte, das Leben der Nonnen in seiner Gänze zu zeigen. Denn trotz Wellness-Boom, das Leben der Schwestern findet noch immer hinter den dicken Mauern der "Klausur" statt, die Fremde normalerweise nicht betreten dürfen ‒ geschweige denn ein Flimteam. Dass wir auch hier hineinblicken konnten, war am Ende für mich die eigentliche Überraschung. Die Erfahrungen im Kloster gingen am Ende auch an mir und meinem Team, Stephan van den Bruck und Ariane Kipp, nicht spurlos vorbei. Trotz der Anstrengungen verließen wir Arenberg leiser und ruhiger, immer noch mit vielen Fragen, aber auch mit dem Wunsch wieder zu kommen.