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Es
war mal wieder eine harte Woche:
Stress, Termine, viele Stunden im Auto und ein Drehplan,
der mir und meinem Team keine freie Minute gegönnt
hatte. An diesem Abend tippte ich auf der Suche
nach
einem Ort für einen Kurzurlaub das erste Mal
"Wellness" ins Internet ein. Das Ergebnis:
Zahllose Hotels mit Sauna, Schwimmbad und Whirlpool
und - ein Kloster in KoblenzArenberg. "Erholen
- Begegnen - Heilen" lautete hier der Slogan
und neben den üblichen Wellness-Zutaten wurden
noch Meditation, Beten und ein Leben in völliger
Ruhe angeboten. |
Die Eröffnung der klösterlichen Oase sollte leider
zwar erst in einem Jahr sein, doch mein Interesse war geweckt:
Wellness im Kloster? Das wollte ich unbedingt kennen lernen
und filmisch festhalten, denn in meiner Vorstellung war
ein Kloster eher ein Relikt aus einer längst vergangenen
Zeit.
Der
erste Besuch führte mich gleich mitten rein ins Klosterleben,
von Ruhe war hier allerdings keine Spur. Denn es wurde
gerade für 15 Millionen Euro umgebaut und während
der Gebetszeiten dröhnten im Hintergrund regelmäßig
Kreissägen und Presslufthämmer. Und auch innerhalb
der Gemeinschaft herrschte Unruhe: Die 60 Nonnen hatten
sich auf ein gewaltiges Projekt eingelassen, das ihr Leben
völlig auf den Kopf stellen sollte. Im Laufe der
Monate, in denen ich dann immer eine Zeit im Kloster Arenberg
verbrachte, konnte ich dann den Umbau langsam wachsen
sehen - die Unruhe allerdings blieb. Viele Nonnen hatten
Ängste vor den kommenden Veränderungen. Dem
Menschen von heute mit seinen Nöten und Bedürfnissen
wollten die Nonnen helfen, doch war dieser Weg richtig?
Umso mehr beeindruckte mich die Haltung von Schwester
Scholastika, die die Hauptperson meines Filmes werden
sollte. Denn nach ihrer Überzeugung müssen sich
Kirche und Klöster öffnen und neu definieren,
wenn sie die Menschen in unserer hektischen Zeit erreichen
wollen.
Unsere
Dreharbeiten begannen schließlich kurz vor der Eröffnung
des neuen Gästebereiches mitten im Bau-Chaos. Bis
zur letzten Minute schufteten hier Nonnen und Bauarbeiter
gemeinsam, damit alles rechtzeitig fertig wurde. Und dann
kehrte langsam tatsächlich diese "völlige
Ruhe" ein, die Gäste aus ganz Deutschland in
das Kloster kommen lässt. Was für die Produktion
eines Filmes zunächst irritierend ist - es passierte
einfach nichts. Die Nonnen beteten oder kümmerten
sich um den Ablauf des Betriebes, die Gäste bewegten
sich immer langsamer durch die Flure, lasen stundenlang
in ihren Büchern und schwammen gemächlich durch
den Pool. Ein Kloster ist nicht der Ort für spektakuläre
Enthüllungen. Doch wer lernt, die leisen Zwischentöne
zu hören, beginnt auch, das Leben in einem Kloster
zu verstehen. Immer mehr veränderte sich damit bei
unseren Dreharbeiten auch unser Blick auf die alte Gemeinschaft
der Dominikanerinnen, die nach fast 150 Jahren in Koblenz
kurz vor dem Aussterben steht. So entdeckten wir trotz
der schwierigen Nachwuchssituation eine Aufbruchstimmung
bei den Nonnen, die in der Öffnung zur Welt eine
Chance zum Überleben sehen. Auch die Begegnung mit
den Urlaubern war oft überraschend, denn nicht wenige
von ihnen bekannten offen, dass sie eigentlich um jede
Kirche einen weiten Bogen machen.
Die
Dreharbeiten im Kloster Arenberg waren in vielen Punkten
außergewöhnlich, auch weil es viel Geduld und
Überredungskunst bedurfte, das Leben der Nonnen in
seiner Gänze zu zeigen. Denn trotz Wellness-Boom,
das Leben der Schwestern findet noch immer hinter den
dicken Mauern der "Clausur" statt, die Fremde
normalerweise nicht betreten dürfen - geschweige
denn ein Flimteam. Dass wir auch hier hineinblicken konnten,
war am Ende für mich die eigentliche Überraschung.
Die Erfahrungen im Kloster gingen am Ende auch an mir
und meinem Team, Stephan van den Bruck und Ariane Kipp,
nicht spurlos vorbei. Trotz der Anstrengungen verließen
wir Arenberg leiser und ruhiger, immer noch mit vielen
Fragen, aber auch mit dem Wunsch wieder zu kommen.
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