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Schwester
Scholastika: „Die Einheit von Leib und
Seele ist ein uralter christlicher Gedanke“
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Kloster
Arenberg
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„Alle
Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie
Christus; denn er wird sagen: `Ich war fremd, und
ihr habt mich aufgenommen.`“
REGEL DES HEILIGEN BENEDIKT VON NURSIA,
KAPITEL
53, SATZ 1
Bruder Werner, erfreut über je den Besuch,
lugt grinsend hinter seiner Nähmaschine hervor.
„Ja, ich bin verliebt wie am ersten Tag!“,
kräht er frohgemut. Flink erhebt er sich von
seinem Schemel und streicht über den schwarzen
glatten Stoff, aus dem er für seine Glaubensbrüder
die Ordenstracht, Habit genannt, schneidert. „Da
muss man beim Bügeln aufpassen, Schwarz glänzt
schnell.“
Mönch Werner ist Schneidermeister in der Benediktiner-Abtei
Beuron im Donautal. Seine lichtdurchflutete Werkstatt
liegt im ersten Stock eines vor kurzem renovierten
Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert. Er näht
nicht nur die Mönchskutten, sondern auch die
liturgischen Gewänder für die Gottesdienste.
Einmal wurde er sogar nach Jerusalem gerufen, weil
sein Ruf als guter Schneider bis dorthin gedrungen
war.
Werner ist 72 Jahre alt - 54 davon verbrachte er
hinter Klostermauern in dem abgelegenen Ort Beuron.
Das Dorf liegt irgendwo zwischen Sigmaringen und
Tuttlingen, in einem von schroff aufragenden Kalkfelsen
umrandeten Talkessel, an einer Biegung der dort
noch junge Donau. Glücklicher hätte sein
Leben gar nicht verlaufen können, versichert
der Mönch. Deshalb ist er ja auch immer noch
„verliebt“ in seine Abtei, seinen Benediktinerorden,
seinen Glauben.
Auf Kloster Arenberg, gelegen auf einer luftigen
Anhöhe nahe Koblenz, ist Schwester Scholastika
so eine Art Managerin für alle Fälle.
Die dynamische 41-Jährige ist Teil der Ordensleitung;
gleichzeitig kümmert sie sich um den Schwesternnachwuchs,
die Novizinnen, und wirkt als sogenannte geistige
Begleiterin für Gäste. Wer ein religiöses
Gespräch sucht, kann zu ihr kommen. Und es
kommen viele.
„Immer mehr Menschen fühlen eine innere
Leere und sind auf der Suche“, sagt die frühere
Grundschullehrerin, „wir bieten kein schnelles
Glück, aber bei uns kann man spirituelle Erfahrungen
machen.“
Die Dominikanerin mit dem offenen Lachen erzählt
davon, wie bei ihr der Glaube lebendig wurde, wie
sie sich plötzlich „berührt fühlte“.
Heute weiß sie: „Gott liebt mich.“
Freundlich lächelt sie den Besucher an. Doch
die Zeit drängt, der nächste Gesprächspartner
wartet schon. Scheinbar schwerelos, die Beine unter
ihrem weißen Habit verborgen, gleitet Schwester
Scholastika über den Parkettboden der hellen
Eingangshalle davon.
Mit Schwester Scholastika und Bruder Werner könnte
jede Werbeagentur eine erfolgreiche Kampagne für
die deutschen Klöster starten. Seht her, wie
aktiv und engagiert, wie erfüllt und glücklich
unsere Ordensbrüder und Ordensschwestern sind!
Was für ein wunderbares Leben in deutschen
Klöstern - nichts wie hin!
Tatsächlich scheinen das viele Menschen zu
denken. Immer mehr stressgeplagte Großstadtneurotiker,
unter Erfolgs-Druck stehende Wirtschaftskapitäne,
sonst irgendwie Unausgeglichene und Unausgefüllte
hoffen, in monastischen Refugien Heilung für
ihre verwundeten Seelen zu finden.
In Zeiten der Krisen hat Sinnstiftung Konjunktur
- und der Fluchtpunkt ist immer häufiger ein
Kloster.
Rund 300 katholische Klöster nehmen in deutschen
Landen derzeit Besucher auf
- die schon im 8. Jahrhundert bewohnte Benediktiner-Abtei
Tholey im Saarland ebenso wie das erst 2002 errichtete
Brigittenkloster in Bremen.
Kommen kann jeder, gleich welcher Konfession, gleich
welchen Glaubens. Sogar der, der nicht glaubt.
Etwa eine Viertelmillion Gäste wurde vergangenes
Jahr in den Klöstern gezählt
- bei Einkehrtagen, beim Heilfasten oder einfach
beim Mitleben unter den gläubigen Brüdern
und Schwestern.
In unserer auf das Diesseitige fixierten Welt werden
auf die Kutten, Kapuzen und Hauben tragenden Frauen
und Männer vielfältige Sehnsüchte
projiziert. So tänzeln dickliche Mönche
frohgemut durch Bier-, Käse- oder Nudelwerbung,
lobpreisen den unverdorbenen Genuss und frühere,
bessere Zeiten. Mystikerinnen wie Hildegard von
Bingen oder Mechthild von Magdeburg scheinen den
Weg zu verborgenen Wahrheiten zu weisen.
Und in Umberto Ecos Kloster-Thriller „Der
Name der Rose“, millionenfach verkauft und
mit Staraufgebot verfilmt, kämpft ein einzelner
Mönch gegen sektiererische Fanatiker der Inquisition.
Natürlich siegt in diesem Geisteskampf in feuchten
Gemäuern - stellvertretend für den modernen
Leser und die ganze Welt - der gute Glaube gegen
das Böse der Verdammnis.
Der Kloster-Boom ist ungebrochen: Bei einer Umfrage
der Vereinigung Deutscher Ordensobern vor zwei Jahren
gaben 76 Prozent der Häuser an, dass die Nachfrage
in den vergangenen fünf Jahren gleich hoch
geblieben oder gestiegen sei. Viele Klöster
müssen heute Gäste ablehnen:
„Tut uns leid, ausgebucht!“
Doch gleichzeitig gelingt es den Orden kaum, Nachwuchs
zu gewinnen: Die Zahl der Novizen geht seit Jahrzehnten
zurück, viele Ordensgemeinschaften überaltern,
immer häufiger müssen Klöster ihre
Pforten für immer schließen.
Rund 5000 männliche Ordensmitglieder, die ein
ewiges Gelübde geleistet haben, verzeichnen
die Ordensgemeinschaften in Deutschland derzeit,
vor 30 Jahren
waren es knapp 9000. Schwestern in religiösen
Gemeinschaften gibt es zwar etwa 25000, doch ihre
Zahl sinkt noch schnel1er als die der männlichen
Diener Gottes:
Vor zehn Jahren waren es knapp 40000 Ordensschwestern,
und in zehn Jahren, so befürchten Experten,
werden es womöglich nur noch 2000 bis 3000
sein. Rund drei Viertel aller Schwestern sind heutzutage
über 65 Jahre alt - und kaum Junge kommen nach.
Es ist paradox: Besucher auf Zeit drängen immer
mehr in die Klöster, Mitglied für immer
will kaum noch jemand werden. So stellt sich für
viele Ordensgemeinschaften die Frage: Wie weit sollen
sie der säkularen Welt entgegenkommen? Oder:
Wie viel Weltlichkeit verträgt eine klösterliche
Gemeinschaft, wie viel Profanität die christliche
Spiritualität? Geraten die Orden durch zu viel
oder zu wenig 0ff-nung nach außen in Gefahr?
Das Koblenzer Mutterhaus der Arenberger Dominikanerinnen,
der Schwestern der heiligen Katharina von Siena,
so der genaue Name der Gemeinschaft, dem Schwester
Scholastika angehört, war vor sieben Jahren
akut in seiner Existenz bedroht: Die Zahl der Nonnen
sank dramatisch. Das seit den fünfziger Jahren
betriebene Kneipp-Sanatorium lief schlecht, die
Anlage war renovierungsbedürftig und unrentabel.
Die Einnahmen der Ordensschwestern gingen zurück,
die Ausgaben stiegen. Den weltlichen Gesetzen der
Buchführung folgend, drohte der Ruin. „Wollen
wir leben oder sterben?“, fragte damals die
Priorin.
Die rund 200 Schwestern der Gemeinschaft, Durchschnittsalter
74, entschlossen sich zu einem radikalen Schritt
in die Moderne, wie ihn außer ihnen kaum ein
Orden getan hat. Sie nahmen einen Großteil
ihrer Rücklagen, 15 Millionen Euro, bauten
das Kloster um, errichteten ein neues Vitalzentrum
und eröffneten einen klösterlichen Wohlfühltempel,
eine Art Wellness-Gästehaus von Gottes Gnaden:
„Kloster Arenberg - erholen, begegnen, heilen“
lautet sein Werbespruch.
Morgenmeditation und Rückenmassage, Nordic
Walking und geistliche Gespräche, Eucharistiefeier
und Aquafitness, Solarium und Rosenkranz, Kapelle
und Fitnessraum gehören hier zusammen.
Wer sich vor allem erholen will, kann morgens Schwester
Irmingard in ihrem Kräutergarten besuchen und
selbstgemachte Zwiebelbonbons lutschen, Minigolf
im Klosterpark spielen oder am Nachmittag bei der
Wirbelsäulengymnastik sein Rückgrat lockern.
Wer hingegen innerlich auf der Suche ist, auf den
wartet die „Hinführung zur christlichen
Meditation“, der lässt sich in der Vesper
um 17.30 Uhr im Schwesternchor von den rhythmischen
Gebeten der Nonnen betören oder versucht, beim
„Impuls in die Nacht“ zu sich zu finden.
„Spirituelle Animation“ nennt Schwester
Beatrix, 67, die religiösen Angebote schmunzelnd,
aber nicht abwertend.
Der Erfolg gibt den mutigen Nonnen recht: Die 79
schön renovierten Einzel- und Doppelzimmer,
ausgestattet mit Telefon und Modemanschluss, aber
ohne Fernseher, sind übers Jahr gerechnet zu
drei Viertel ausgelastet. Meist sind es Frauen,
die kommen, Männer sind deutlich in der Minderzahl.
Im Speisesaal sitzen sie alle in bunter Reihe beieinander:
eine alleinstehende Verwaltungsbeamtin, die hofft,
ihre „innere Unruhe etwas besänftigen
zu können“, Mutter und Großmutter,
die vom „täglichen Familienalltag ausgelaugt“
sind, vier Freundinnen, die es sich „einfach
gut gehen lassen, aber auch noch etwas Sinnvolles
tun“ wollen.
Das Vitalzentrum für die medizinischen Anwendungen
ist im Keller des Neubaus untergebracht, auf die
Spitze haben die Schwestern eine Kapelle platziert.
Sieben Stockwerke, direkt mit dem Aufzug von der
Erholung zur Erleuchtung. Der Gebetsraum aus Glas,
Beton und Holz ist weithin sichtbar.
In alle vier Himmelsrichtungen weist ein Kreuz aus
roten Glasbausteinen. Und unten im Tal schlängelt
sich der Rhein vorbei an Burgen und Weinbergen.
Das Deutsche Eck ist nicht weit.
Der Neuanfang auf dem Arenberg war unter den Ordensschwestern
umstritten. Für manch ältere Schwester
war die Mixtur aus Glauben und Relaxen zu weit vom
Auftrag der Gemeinschaftsgründerin Cherubine
entfernt, Armen und Kranken zu helfen. Doch Schwester
Scholastika, die das Projekt mit vorangetrieben
hat, betont: „Die Einheit von Leib und Seele
ist ein uralter christlicher Gedanke, und wir sprechen
hier Seele und Körper an.“ Nebenbei muss,
um zu überleben, natürlich auch die Kasse
stimmen.
In früheren Jahrhunderten waren die Orden in
vielen ländlichen Gebieten wichtige Arbeitgeber
und häufig einer der größten Grundbesitzer.
Die Gemeinschaften lebten gut von Spenden, Schenkungen,
Erbschaften und der unentgeltlichen Arbeit ihrer
zahlreichen Mönche und Nonnen.
Diese Einkünfte tendieren heute gegen null,
und Geld von den Kirchen oder dem Staat erhalten
die Orden nur für bestimmte Maßnahmen,
etwa Zuschüsse, um Gebäude zu renovieren.
Deshalb werden die meist gemeinnützigen Unternehmungen
der Schwestern und Brüder inzwischen nach marktwirtschaftlichen
Regeln geführt. Neben vielen Kleinbetrieben
gibt es wirtschaftliche Riesen wie die bierbrauenden
Benediktiner in Andechs mit einem Jahresumsatz von
rund 20 Millionen Euro oder die Waldbreitbracher
Franziskanerinnen, die über die Marienhaus
GmbH rund 50 Kliniken, Heime und Hospize unterhalten.
Einzelne
Mönche wie der Ex-Benediktiner Anseim Bilgri
oder der Benediktiner Anseim Grün sind in den
vergangenen zwei Jahrzehnten gar zu spirituellen
Superstars aufgestiegen: Frei nach der benediktinischen
Ordensregel „Ora et labora“ (bete und
arbeite) ließen sich scharenweise Manager
von ihnen mental auf Vordermann bringen.
In klosterinternen Seminaren zur Unternehmensführung,
in Vorträgen bei Groß-Konzernen und in
Fibeln zur effizienten Personalpolitik (,‚Menschen
führen Leben wecken“ von Anseim Grün)
verschmolzen sie unbeschwert Gewinnmaximierung mit
christlicher Nächstenliebe.
Unterfüttert mit passenden Zitaten aus der
Bibel oder des heiligen Benedikt versöhnten
sie fix Kapital und Moral und erteilten den Wirtschaftsbossen
Absolution für die offenen und versteckten
Schweinereien im Kampf um steigende Aktienkurse
und hohe Renditen. Dabei setzten Bilgri und Grün
Millionen um.
Dann jedoch kam es zwischen den beiden Ratgebern
und ihren jeweiligen Klosterbrüdern zum Streit
über das weltliche Engagement. Heute lehrt
Bilgri außerhalb des Klosters, Grün hat
seinem Orden versprechen müssen, nach außen
weniger in Erscheinung zu treten. Denn nicht nur
deren Ordensobere fanden, dass die beiden Medienstars
mit dem Ideal des nur Gott dienenden Klosterbruders
kaum noch etwas gemein hatten - und mit der Askese
der Ur-Mönche schon gar nichts.
Die
Ursprünge der christlichen Orden gehen zurück
auf das dritte Jahrhundert nach Christus. Damals
lebten im Orient, vor allem in Ägypten und
Syrien, Tausende Eremiten in Höhlen oder einfachsten
Behausungen in der Wüste.
Nur in der Abkehr von allem Irdischen glaubten sie,
Gott und Jesus nahe zu sein. Mit der Zeit bildeten
diese frühchristlichen Einsiedler kleine Gemeinden,
lose Zusammenschlüsse. Schweigen, Meditieren
und Beten bestimmten ihren Alltag.
Als Urvater aller abendländischen Mönche
gilt Benedikt von Nursia. Geboren wurde der Spross
einer bürgerlichen Familie zwischen 480 und
490, vermuten Wissenschaftler heute. Sein Studium
in Rom brach er ab, angewidert von dem in seinen
Augen sittenlosen Treiben in der Großstadt.
Er zog sich in die Einsamkeit zurück und lebte
zunächst drei Jahre in einer Felsenhöhle
- so steht es in einer Lebensbeschreibung, die Papst
Gregor der Große rund 30 Jahre nach Benedikts
Tod verfasste. 529 ließ sich der frühe
Aussteiger auf dem Monte Cassino nieder, rund 140
Kilometer südlich der Ewigen Stadt. Dort gründete
er mit einigen Anhängern ein eigenes Kloster.
Irgendwann zwischen 555 und 560 ist er gestorben.
In der Zeit auf dem Monte Cassino verfasste Benedikt
die Regula Benedicti, seine bis heute richtungweisenden
Mönchsregeln, 73 kurze Kapitel, in denen er
das Leben hinter Klostermauern ordnet. Vor allem
die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des
Gehorsams sollen die Männer aus den Fesseln
der alltäglichen Welt lösen und sie frei
machen, um ausschließlich Gott zu dienen.
In der Erzabtei Beuron im Naturpark Obere Donau
ist die Regel des heiligen
Benedikt für die Mönche heute wie vor
1500 Jahren das Fundament ihres Lebens. Der Ablauf
eines jeden klösterlichen Tages ist durch gemeinsames
Beten,
das sogenannte Chorgebet, streng vorgegeben:
Bereits um 5.00 Uhr in der Früh versammeln
sich die Mönche zu der Morgenhore, um 7.30
Uhr geht es zur Terz. Um 11.15 folgt eine Eucharistie-Feier,
gegen
12.15 dann die Mittagshore. Punkt 18.00 Uhr treffen
sie sich zur Vesper, mit der Komplet um 19.45 Uhr
klingt der Tag aus. Drei bis dreieinhalb Stunden
täglich verbringen die Ordensbrüder gemeinsam
beim Gebet - 365 Tage im Jahr.
„Das Wichtigste an unserem Leben ist das Lob
Gottes“, sagt Prior Tutilo, 41. Der Stellvertreter
des Abtes ist direkt nach dem Abitur in den Orden
eingetreten. „Ein Kloster hat vor allem eine
prophetische, eine charismatische Dimension.“
Die Mönche glauben zutiefst, dass ihr Anrufen
Gottes nicht nur notwendig, sondern auch wirksam
ist.
Die große Bedeutung des Gebets und der Eucharistie-Feier
ist typisch für kontemplative Orden wie Benediktiner,
Kartäuser, Karmeliter oder Zisterzienser. Bei
Franziskanern, Dominikanern oder Jesuiten steht
stärker das Handeln im Mittelpunkt - missionieren,
unterrichten, pflegen und heilen.
„Zu uns kommen Schüler und Studenten,
Beamte und Selbständige, Wanderer und Obdachlose“,
erzählt Pater Landelin, der sich in Beuron
lange um die Gäste gekümmert hat.
„Manche wollen in Ruhe arbeiten, manche Abstand
von einem Schicksalsschlag gewinnen, andere suchen
einfach ein Dach über dem Kopf.“
Das
Kloster bietet über das Jahr verschiedene Kurse:
„Tage für Spiritualität und Mystik“,
Priesterexerzitien oder die Beuroner Tage für
Fragen der Wirtschaftsethik, die sich dieses Jahr
etwa um das Thema „Der Manager - Mensch in
Verantwortung und Entscheidung“ drehten. Immer
steht dabei der Glaube im Mittelpunkt. Anpassung
an den Zeitgeist ist verpönt, Wellness gilt
als modischer Firlefanz.
Das Mittagessen nehmen die Mönche gemeinsam
im Refektorium ein - schweigend. In dem länglichen,
dämmerigen Raum stehen schwere Holztische,
eine Wand zieren steinerne Rundbögen mit Wandgemälden,
die Stirnseite schmückt eine Kreuzigungsszene
Jesu.
Jeder Mönch hat seinen festen Platz, der Sitz
des Abtes ist etwas erhöht. Gegessen wird erst,
wenn der Abt den ersten Bissen zum Mund führt.
Mitten im Refektorium ragt eine Kanzel in den Raum,
dort liest jeden Tag einer der Mönche etwas
vor, mal religiöse, mal laizistische Texte.
Die Lebensgeschichte eines Heiligen etwa oder einen
Reisebericht des Publizisten Peter Scholl Latour.
Die Stimme des Vorlesenden, begleitet vom Klappern
der Teller, klingt stets gleichbleibend monoton.
Das Essen ist gute Hausmannskost, getrunken wird
Apfelsaft oder Wasser. Bier gibt es für die
Mönche nur am Sonntag, für jeden genau
eine Flasche, und Wein nur dreimal im Jahr, je ein
Glas zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten.
Persönlich besitzt ein Beuroner Ordensbruder
fast nichts: kein Handy, keine Kreditkarte, kein
Fernsehgerät, kein Auto.
Wenn ein Mönch das Kloster verlassen will,
braucht er die Einwilligung des Abtes und bekommt,
wenn nötig, etwas Bargeld mit auf den Weg.
Die Zellen sind mit Bett, Tisch, Stuhl und Schrank
einfach eingerichtet. Eigene Toilette, eigenes Bad?
Fehlanzeige.
Das Wort Kloster wird vom lateinischen „claustrum“
abgeleitet, was so viel bedeutet wie „das,
was abgeschlossen ist“. Die Zeit vergeht hier
langsamer als draußen. In dieser Welt mit
ihren immergleichen Ritualen und einer seit Jahrhunderten
unveränderten Liturgie werden irgendwann selbst
die hartgesottensten Hektiker ruhiger.
Wenn in Beuron oder auf dem Arenberg nach 20 Uhr
das letzte Gebet gesprochen ist, müssen sich
auch die Gäste zur Nachtruhe begeben - in einer
kargen Klosterzelle allein mit sich und den eigenen
Gedanken.
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