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Wellness
mit Gottes Segen
Massage,
Fitness und Gebet. Als vor Jahren dem Kloster Arenberg bei
Koblenz die Schließung drohte, hatten die Ordensschwestern
eine überirdische Idee:
Wellness hinter Klostermauern.
Text: Dirk Grupe
Fotos: Jardiner |
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Begleitet:
Ob beim Wassertreten oder auf der Massagebank -
die
Ordensschwestern haben stets ein offenes Ohr für
die Gäste
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Sieben
Uhr. Tautreten. Wer Leib und Seele etwas Gutes tun will,
sucht bisweilen den Schmerz. „Schuhe ausziehen, Socken
runter und dann barfuss über die feuchte Wiese“,
erklärt der freundliche Herr im Sportanzug. Ein Dutzend
Frühaufsteherinnen plus Reporter folgen der Einladung.
Nach kurzer Zeit lässt das Gras die Füße
zu Eis zapfen erkalten. Schnell abtrocknen, ab in die Turnschuhe
und drei Runden Nordic Walking zwischen Obstbaumwiesen und
Kräutergarten. Licht spenden Sichelmond und Sterne.
Willkommen im Kloster Arenberg bei Koblenz Wellnessoase
und Fluchtpunkt für gestresste Seelen.
„erholen - begegnen - heilen“: So lautet seit
zwei Jahren das Motto des altehrwürdigen Dominikaner
Klosters. Damals ließen die Ordensschwestern ihr unrentables
Kneipp-Sanatorium für 15 Millionen Euro in ein „Vier-Sterne-Refugium“
mit 99 Gästebetten, Vitalcenter und lichtdurchfluteter
Empfangshalle umbauen. Nun wandelt die Religionsgemeinschaft
traumhaft sicher auf dem Grat zwischen modernem Wellness-Tempel
und christlicher Besinnungsstätte.
8
Uhr. Morgenandacht. Der Weg zum Herren führt
per Aufzug in die siebte Etage. Hoch oben in der Kapelle
des Neubaus findet der "Impuls in den Tag“
statt. Ein Raum aus Sichtbeton und Glas mit grandiosem
Blick über das Rheintal. Sehr schlicht, sehr
modern. Seelsorger Martin Hofmeier spricht zum Thema
„Gemeinsamkeit“. Am Ende formt sich ein
Kreis: gemeinsames Beten und Singen.
„Wir fragen hier niemanden nach seiner Religion
oder seinem Glauben“, sagt der studierte Psychologe
und Theologe im Gespräch. Gottesdienste und Gesprächskreise
sind in Arenberg für alle Besucher offen und
freiwillig. Kursnamen wie „Biken und Beten“
signalisieren jedoch den Geist des Hauses: mehr Tief-
denn Müßiggang.
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Abgesetzt: Kloster Arenberg mit dem
Neubau(mitte) und Klostergarten
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10 Uhr. Aromamassage. Dass der Weg zur Seele oft über
den Köper führt, weiß kaum jemand so gut
wie Schwester Andrea. Vorsichtig tröpfelt die gelernte
Masseurin heißes Orangenöl über Nacken und
Schulter, rückt gefühlvoll den Verspannungen zu
Leib. Im Hintergrund läuft sanfte Musik, die
Liege ist weich, und der Geruch der Öle beruhigt die
Sinne. Entspannung wie im siebten Himmel.
„Die Menschen haben heute keine Zeit mehr zum Luftholen“,
sagt die Schwester, „bei uns können sie sich
für kurze Zeit auf eine Insel zurückziehen.“
Ob Fango, Brandungsbäder, Schwimmbad, Sauna oder Fitnessraum
das Vitalcenter bietet aus der Welleness-Palette viel -aber
nicht alles. „Die Anwendungen müssen in unser
christliches Grundbild passen“, betont die Schwester.
Statt Reiki und Ayurveda (Seelen-) Massage und Gebet.
12Uhr. Mittagessen. Wer in Arenberg Ruhe will, wird in Ruhe
gelassen. Wer Kontakt sucht, findet ihn. Spätestens
bei den verlockenden Mahlzeiten. „Gewöhnliche
Hotels finde ich zu anonym“, sagt Klaus Geiß
und greift beherzt zu gedünstetem Lachs, Schmorgurken,
Kartoffeln und Salat aus Klostereigenem Anbau.
Der 50-Jährige ist bereits zum dritten Mal in Arenberg
und kann sich noch gut an die Anfänge erinnern. „Ich
war damals völlig ausgebrannt“, sagt der Berufsschullehrer.
Ärger mit Vorgesetzten, ein vollgepackter Stundenplan,
dazu kam ein Todesfall in der Familie. Der• Akku war
leer. „Erst hier habe ich wieder gelernt, bedrückende
Gedanken loszulassen.“ Wie ihm das Kunststück
gelang? „Viel Ruhe, ausgedehnte Spaziergänge
und Meditation.“
16.30 Uhr. Meditation. In der Mitte des Raumes brennen Teelichter,
aus dem CD-Spie1er klingt Kirchenmusik. Die Augen schließen
sich. „Wir konzentrieren uns auf den Atem“,
rät eine Stimme.
"Lassen Gedanken kommen und gehen.“ Stille. Nichts.
15 Minuten lang. Die Gedanken rasen. Dann Ruhe. Im Außen
wie im Inneren.
Dass sich das Kloster mal zu einer Wohlfühl-Oase mit
Anspruch wandeln würde, hätten selbst die Schwestern
lange nicht geglaubt, Ende der 90-er Jahre hieß es:
„Entweder wir machen das Haus dicht - oder wagen einen
Neuanfang.“ Schließlich steckten die 66 Nonnen—
Durchschnittsalter 73 Jahre — alle Rücklagen
in ihre neue Mission. Auch wenn das Wort „Wellness“
ihnen noch immer schwer über die Lippen kommt, niemand
bereut den Schritt: „Das Haus wird angenommen“,
sagt Schwester Annutiata. 70 Prozent Auslastung sprechen
für sich, die Preise sind vergleichsweise moderat (Zimmer
ab 72 Euro, Vollpension). Gewinn muss in Gottes Namen niemand
erwirtschaften.
20 Uhr. Abendgestaltung. Meditative Musik in der Kapelle?
Ein Glas Wein (,‚Zeltinger Himmelreich“) im
Klosterkeller? Oder doch ins Schwimmbad? Die Wahl fällt
auf einen ruhigen Abend auf dem Zimmer. Schreibtisch, Telefon,
TV-Anschluss und weißer Ohrensessel - die „Kloster-Zelle“
gleich einem Auf dem bequemen Bett fallen schon bald die
Augen zu. Der Wecker steht auf 6.45 Uhr. Pünktlich
zum Tautreten. Ehrlich. |
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