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Himmlisch
entspannen
KLOSTER AREN BERG
Urlaub in Gottes heiterer Enklave
von
Ricarda Lang
Foto:
Kloster Arenberg / Perta Kistler
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In Arenberg bitten Dominikanerinnen zur Fitnesskur |
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Kurz
nach sechs Uhr morgens im ehrwürdigen Schwesternchor:
Neben
den Klosterfrauen im weißen Habit sitzt ein halbes
Dutzend Frauen in bunter Freizeitkleidung und lauscht
dem Wechselgesang der Psalmen. "Herr, öffne
meine Lippen.“ Das hilflose Blättern im Gebetbuch
legt sich, die Urlauberinnen stimmen in den Wechselgesang
der Psalmen ein: „Damit mein Mund dein Lob verkünde.“
Nach der Laudes eilen die Dominikanerinnen zu ihrem
Tagwerk. ihre Gäste treibt es zum Tautreten.
Punkt sieben Uhr startet im Kloster Arenberg das morgendliche
Fitnessprogramm: Schuhe aus, Socken runter, barfuß
eine Runde über die Wiese.
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Die Füße kribbeln in den Turnschuhen, im sportlichen
Tempo marschieren die Frühaufsteher durch den Klosterpark.
Drei Runden Nordic Walking, dann kreist das Frauengrüppchen
samt Quotenmann die Schultern, dreht den Rumpf, dehnt und streckt
sich. Bewegung ohne Stress, Fitness ohne Leistungsdruck - der
Ferientag in Gottes heiterer Enklave kann beginnen.
Acht Uhr: Die Zeit reicht noch für den „Impuls in
den Tag“. Mit Musik und kurzer Besinnung beginnt der Tag
in der kleinen Gästekapelle. „Ein unfertiger Raum,
so unfertig wie wir Menschen“, sagt Schwester Scholastika
über die schlichte Kapelle aus Sichtbeton. Sie liegt zwischen
Himmel und Erde - im siebten Stock des K1osterneubaus, von der
Dachterrasse geht der Blick bis zur Eifel, das Rheintal mit
seinen Weinbergen liegt zu Füßen des Arenbergs. Der
geistige Beistand ist ein Angebot. Die Schwestern drängen
sich nicht auf. Ob katholisch oder evangelisch, ob religiös
oder nicht, ob verheiratet oder ledig -all dies interessiert
im Kloster nicht. Wer Ruhe will, wird in Ruhe gelassen. Wer
ein Gespräch sucht, findet einen Partner.
In Deutschland gibt es an die 300 Klöster, die ihre Pforten
für Ruhesuchende auf Zeit öffnen. Es gibt Exerzitien,
Kräuterwochen und Fastenkuren. Doch so weit wie die Schwestern
von Arenberg ging bislang keine Ordensgemeinschaft. Als ihr
Kneipp-Sanatorium aus den fünfziger Jahren unrentabel wurde,
die Gäste mit den Schwestern älter wurden, wagten
sie einen Neuanfang.
Gut 15 Millionen Euro, ein Großteil der Rücklagen,
flossen in die Renovierung des trutzigen Backsteinbaus und in
das neue Vitalzentrum, das im Sommer 2003 eröffnet wurde.
Mit Brandungsbad, Aromamassage, Aqua-Fitness und 1-leuwickel
ist es ausgerichtet auf den gestressten Gast mit gehobenen Ansprüchen.
„Wellness-Kloster“, den Begriff hören die Ordensschwestern
zwar nicht gern, aber er kommt an.
„Wer körperliche Schmerzen hat, kann sich nicht auf
das seelische Wohlbefinden konzentrieren“, sagt Schwester
Scholastika. mit 40 Jahren eine der Jüngsten im Mutterhaus.
Wellness übersetzt sie mit Wohlbefinden. „Bei uns
geht es nicht nur um Muskelstraffung oder äußere
Schönheit. Bei uns steht auch nicht Gesundheit an oberster
Stelle“, sagt sie. ~Bei uns dürfen Menschen auch
schwach werden.“
14 Uhr: Qigong steht auf dem Terminplan. Dieser Teil der traditionellen
chinesischen Gesundheitslehre gilt als weltanschaulich unverfänglich.
Fernöstliche Riten werden im Hotel Gottes nicht angeboten,
ihnen halten die Schwestern christliche Traditionen entgegen:
Statt Reiki und Ayurveda werden Rosenkranz und Meditation angeboten.
Ansonsten schwebt der Geist von Pfarrer Kneipp über dem
Vitalzentrum: mit Blitzgüssen, Heilkräutern und gesunder
Ernährung. Wer es softer mag, bucht eine Aromamassage oder
ein Wohlfühlbad bei Schwester Andrea. Die zupackende Mittvierzigerin
ist ausgebildete Physiotherapeutin und Masseurin. Es gibt viele
Möglichkeiten, die Reise nach innen anzutreten. „Wenn
dunkle Gedanken dich bedrücken, dann nimm ein Bad“,
wird Thomas von Aquin zitiert. Die Wahl fällt auf Milch-Honig
im Crystal-Bad.
Im Mittelalter waren Frauenklöster Schulen der Meditation.
Sich selbst entdecken, das Angebot nutzt ein Dutzend Gäste.
Die Anfänger sitzen auf gepolsterten Stühlen, die
Erfahrenen haben sich ein winziges Holzbänkchen unter den
P0 geschoben. In der Mitte des Raums brennen Teelichter auf
einem Wagenrad, „Missa Greca“, eine byzantinische
Kyrie, erfüllt den Raum. „Wir konzentrieren uns auf
die Mitte, in unsere Mitte kommt Gott“, tönt es aus
der Ferne. Wenn jetzt Gedanken von draußen kommen, schieben
wir sie weg wie Wolken.“ Wenn dies nur so einfach wäre:
Meine Gedanken schlagen Purzelbäume. 15 Minuten Schweigen
- eine Zeit, die unendlich lang erscheint und dann doch ganz
schnell vorübergeht.
Wer nur Erholung sucht, ohne zu viel über sich selbst in
Erfahrung zu bringen, geht zu Schwester Irmintraut in den Kräutergarten,
riecht an Ananassalbei und Zitronenminze oder hilft beim Blütenpflücken.
Wer einfach nur Ruhe will, zieht sich in sein komfortables Zimmer
zurück oder träumt ein wenig unterm Apfelbaum.
Im Kloster Arenberg wird nicht gedarbt: Gekocht wird mit großer
Lust und Phantasie, im Keller stehen Weine und Sekte aus der
Region zum Selbstkostenpreis bereit. Die Preise für Unterbringung
und Behandlung sind moderat. Gewinn muss und will der gemeinnützige
Betrieb
nicht erwirtschaften.
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