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Die
Klosterkarte mit dem Magnetstreifen verschwindet
im Schlitz, dann öffnet sich die Tür zum
Schwimmbad. Warm ist das Wasser, bunt sind die Fliesen,
hell fällt das Sonnenlicht durch die große
Glasfront. Hinter der Scheibe blinken Trimmgeräte,
eine junge Frau joggt tapfer schwitzend auf dem
Laufband. In der Klosterkapelle versammeln sich
die Ordensfrauen zum Mittagsgebet, eine Hand voll
Gäste sitzt dazwischen im Chorgestühl,
eine Schwester weist ihnen mit freundlicher Hand
den Weg durch das Stundenbuch. Im Seminarraum kämpft
eine Gruppe jüngerer Menschen mit den Wahlmöglichkeiten
des Lebens: "I want it all - Impulse, um sich
besser entscheiden zu können", heißt
der Kursus mit Martin Hofmeir, dem Psychologen und
Theologen des Hauses. Durch den Park stiefelt eine
Gruppe mit Walking-Stöcken.
Ja,
wo sind wir denn hier? Das Kloster Arenberg in Koblenz,
Mutterhaus der Dominikanerinnen von Arenberg, ist
seit zwei Jahren ein Wellness-Kloster. Unter dem
Motto "erholen - begegnen - heilen" bietet
der Orden hier eine neue und bisher unbekannte Kombination
von körperlicher und spiritueller Erholung
an.
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Ein
Gästehaus mit hellen, modernen Zimmern einschließlich
Dusche, WC und klassischer Musik, mit Vitalzentrum und
Schwimmbad, Kapelle und Meditationsraum, mit Kräutergarten
und Minigolfplatz. Hier wechseln Laudes mit Luftperlmassage,
Fußpflege mit Aquafitness und Kontemplation. Da
kann man trimmen und meditative Musik hören, dann
saunen, einem spirituellen Vortrag lauschen und anschließend
ins Gebet gehen. Jede und jeder nach seinem Maß
und Verlangen.
Mit
dem Begriff "Wellness-Kloster", der dem Projekt
von Anfang an anhaftete, ist Schwester Beatrix, die Leiterin
des Gästehauses, nicht unbedingt glücklich,
"aber wir können damit leben". Denn: "Wenn
die Menschen einmal hier sind, spüren sie sofort,
dass es um mehr geht als um ein oberflächliches Körpergefühl.
Dass wir den ganzen Menschen meinen."
Die
freundliche Ruhe der Ordensfrau verrät nichts von
der Erschütterung, die durch die alten Mauern dieses
Klosters gegangen sein muss, als das Generalkapitel -
die Versammlung aller 220 Schwestern - sich im Jahr 2000
zu diesem sensationellen Konzept durchrang. Bis dahin
betrieben die Dominikanerinnen hier ein Kneippsanatorium
mit Gästehaus, das aber nur noch ein hohes Defizit
erwirtschaftete: "Wir standen an einem kreativen
Nullpunkt. Wir hatten die Wahl, den Untergang zu verwalten
oder den Neubeginn zu gestalten." Ein Projektteam
wurde gegründet, tagte insgesamt drei Monate, analysierte
Zielgruppen, formulierte die Richtung: "Was kann
der Sendungsauftrag der Gemeinschaft in der heutigen Zeit
und unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen dieses Klosters
bedeuten?" Schließlich entschloss sich der
Orden zu einem revolutionären Zwischenbau: Ein hochmodernes
Gästehaus mit Vitalzentrum für 99 Gäste,
mit viel Glas und hellem Holz, mit Fluren in lindgrün
und gelb, Meditationsraum und moderner Gästekapelle,
mit biologischer und vornehmlich vegetarischer Küche
und einem großen Salatbüfett. Beim Essen kann
man zwischen zwei Sälen wählen - einen zum geselligen
Quatschen und einen zum schweigenden Genießen. "Das
alles war schon ein richtiges Risiko", sagt Verwaltungsdirektor
Bernhard Grunau. "Niemand wusste, ob das so angenommen
wird."
Doch
der Mut des alten Ordens zu diesem bahnbrechenden Wagnis
wurde belohnt. Seit der Neueröffnung 2003 ist das
Gästehaus ständig belegt, wird die ungewohnte,
zuerst fast verrückt erscheinende Kombination von
Wellness und Religion wie eine Marktlücke angenommen
und öffentlich gepriesen.
"Wir
haben schon öfter zusammen Wellness-Urlaub gemacht",
erzählen zwei Freundinnen aus Frankfurt. "Aber
immer nur Körper und Schönheit - das war es
irgendwie auch nicht." Jetzt sitzen sie bei einem
Glas Wein im Klosterkeller, berichten von ihren ersten
Meditationsversuchen und denken über die religiösen
Erfahrungen ihrer Kindheit nach. "Damals wurden wir
ja nur unterdrückt. Aber das hier, das ist jetzt
was anderes." Weil sie hier zu nichts gezwungen werden,
können sich die beiden Frauen auch auf das spirituelle
Angebot einlassen. Nur die Saunaregelung, wonach Männer
und Frauen nur getrennt schwitzen dürfen, finden
sie etwas altmodisch. Die katholische Gemeindereferentin
aus Bottrop dagegen hat schon viele religiöse Exerzitien
gemacht. "Aber jetzt suchte ich etwas, was nicht
nur dem Geist, sondern auch dem Körper gut tut."
Zum
Beispiel die Aromamassage bei Schwester Andrea. Die Liege
ist weich, das Licht gedämpft, aus einer Schale steigt
der Geruch des Lavendels, im Hintergrund läuft leise
Musik. Mit ihren großen weichen Hände verstreicht
die Ordensfrau das Aromaöl fachkundig und sanft über
Hals und Nacken, Schulterblätter und Arme. Zuerst
mag man noch ein bisschen mit ihr sprechen wollen, dann
überwältigt die Wohltat des Riechens und Entspannens
alle Gedanken. Eingebettet in die klösterliche Atmosphäre,
in Meditation und spirituelle Impulse geht solche Behandlung
viel tiefer, als das trendige Wort Wellness auszudrücken
vermag. Manche Gäste berichten, dass sie nach der
Massage und dem Brandungsbad besser meditieren, Musik
hören oder beten konnten - oder dass ihnen später
die Tränen gekommen sind. Auch das hat hier seinen
Platz: Wer etwas Schwerwiegendes auf dem Herzen hat, kann
sich an die zwei ausgebildeten Ordensschwestern, den Priester
oder den Psychologen wenden und um ein Gespräch bitten.
"Wer da bedrängt ist", heißt es dazu
im Hausprospekt nach Reiner Kunze "der findet Mauern,
ein Dach und muss nicht beten." Die vier Seelsorger
verbringen täglich viele Stunden mit solchen Gesprächen.
Man
kann es aber auch lehrreich und lustig haben im Kloster
Arenberg. Bei Schwester Irmingard im Klostergarten sitzt
eine fröhliche Gruppe um den dicken Holzstich und
lässt sich die Wirkung von Kräutern erklären.
"Ich bin ja eher fürs Praktische", sagt
die kernige alte Frau mit dem klaren Blick und dem schwarzen
Schleier. Dann wirft sie ein paar Minzestengel und drei
Äpfel zu einem Liter Wasser in den Mixer, lässt
ihn ordentlich rotieren und reicht dann die Likörgläser
mit dem Saft herum. Grässlich giftig sieht der aus,
aber herrlich frisch und geschmackvoll läuft er den
Gaumen herunter, lecker und gesund. "Mehr Geheimnis
ist nicht drin", flachst die alte Klosterfrau: "Gehext
wird nicht."
Am
Abend läuft im Mariensaal noch ein Film mit Robert
Redford, in dem es um die schwere Entscheidung einer Frau
zwischen zwei Männern geht. Am nächsten Tag
wird im Gesprächskreis darüber diskutiert. Lebensentscheidungen
stehen in dieser Woche im Mittelpunkt und sind auch Thema
der spirituellen Impulse.
Schwester
Scholastika, eine junge zierliche Ordensfrau im vollen
Habit, referiert in einer Power-Point-Präsentation
über Berufung, Lebenswege und die Unterscheidung
der Geister. Wenn wir etwas mit Freude tun können,
sagt Scholastika, wenn es uns trotz Mühen immer wieder
mit Glück erfüllt, dann kommt es von Gott. Haben
wir dagegen immer nur Widerwillen, müssen wir uns
ständig zu etwas überwinden, dann ist es nicht
unser Weg. Bei jeder Entscheidung, so rät sie, sollen
wir uns fragen: "Führt es mich in eine größere
Lebendigkeit hinein?" Wo ich mich unfrei fühle,
wo meine Ängste wachsen, da sind Gottes Wege nicht.
"Ein
Kloster", sagt Schwester Scholastika in ihrem weichen
schweizerischen Akzent, "ist dafür da, dass
wir das Leben in Fülle haben. Wir machen das hier
nicht Gott zuliebe, sondern uns selbst zuliebe. Ein Kloster
ist ein Ort, um glücklich zu werden." Die Gäste
staunen, aber sie nehmen es ihr ab. Letzte Woche war doch
dieser Rundfunkreporter da, der hier im Kloster recherchiert
hat. Am ersten Tag war er ganz hektisch, erzählen
die Gäste, hat geredet, gegessen, gestikuliert und
Interviews geführt, alles gleichzeitig. Am nächsten
Morgen, beim Tautreten, sah er schon viel erholter aus.
Und am Ende sah man ihn still im Klosterpark sitzen, mit
geschlossenen Augen.
Eva Baumann-Lerch
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