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Frage:
Was ist der Grund, dass das Gästehaus im "Kloster Arenberg"
umgestaltet und umgebaut wird?
Schw. M. Agnes:
Wir standen vor der Frage, das Kneipp-Sanatorium mit Gästehaus
aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten zu schließen oder
generell einen Neuanfang zu wagen. Unser Generalkapitel hat
sich mit dieser Frage eingehend befasst und sich für Zukunft
entschieden. Unser Neuaufbruch ist verankert in unserem nie
alt werdenden Sendungsauftrag, DA zu sein für Gott und den Menschen
HEUTE.
Bernhard Grunau:
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten
Jahren verändert. Wir müssen auf der Grundlage unserer Aufgabenstellung
eine neue Positionierung finden. Zusätzlich zwingen uns die
Reformen des Gesundheitssystems zum Umdenken.
Außerdem stehen dringende Sanierungsmaßnahmen an. Vor allem
im Bereich der Haustechnik, der Heizung und der Sanitäranlagen.
Das Schwimmbad hatte beispielsweise eine derartig schlechte
Energiebilanz, dass wir es sogar ganz geschlossen haben.
Darüber hinaus haben wir in den vergangenen Jahren immer schwächere
Belegzahlen gehabt. Uns ist es nicht gelungen, ausreichend neue
Gäste hinzuzugewinnen, weil unsere Ausstattung, die Zimmer und
die Physikalische Therapie nicht mehr zeitgemäß sind und weil
wir zu wenig die Möglichkeiten eines modernen Marketings genutzt
haben. Das soll jetzt anders werden.
Frage:
Sind denn die Gäste mit dem Angebot unzufrieden gewesen ...?
Schw. M. Agnes:
Nein. Ganz im Gegenteil. Wir haben erst vor wenigen Wochen eine
umfangreiche Gästebefragung durchgeführt und dafür auch viele
der älteren Gäste und unsere langjährigen Stammgäste angeschrieben.
Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Wenn es nach den alten
Gästen ginge, brauchten wir gar nicht umzubauen und zu modernisieren.
Mit der erforderlichen Sanierung wollen wir eine Modernisierung
verbinden, um auch neue Gäste erreichen zu können.
Frage:
Wie würden Sie Ihre Aufgabe und Ihre Neukonzeptionierung umschreiben?
Schw.
M. Agnes:
Von
seinem Grundsatz her versteht sich der Gästebetrieb von Kloster
Arenberg als ein Ort, an dem es in einem ganzheitlichen Sinne
gilt, die körperliche Gesundheit und das Wohlbefinden für Leib
und Seele zu fördern oder wiederzuerlangen. Daneben soll dem
Menschen geholfen werden, seine Wirklichkeit besser zu verstehen,
das eigene Leben zu ordnen und die aktuellen Probleme zu klären.
Wir sprechen hier von Kern-Gesundheit.
Gesundheit ist eben mehr als ein Freisein von Krankheit. Gesundheit
meint im umfassenden Sinn das gelungene Zusammenspiel aller
menschlichen Kräfte und Lebensvollzüge, meint jene Kern-Gesundheit,
die einen selbst mitten in Krankheit und Konfliktsituationen
Ganzheit erfahren lässt.
Es geht um Entfaltung und Stärkung aller vitalen (Widerstands-)Kräfte,
der Seele, des Geistes und des Körpers und um die Begleitung
auf der Suche nach Orientierung, Lebenssinn und Lebenshilfe.
Und es geht letztlich um die Möglichkeit, bei uns im Kloster
gesunde und heilende Spiritualität kennen zu lernen, sich darin
einzuüben, und um das Angebot einer christlichen Lebensgestaltung.
Bernhard Grunau:
Obwohl das im eigentlichen Sinne keine neuen Zielvorstellungen
beschreibt, haben wir das ganze Projekt als eine Neukonzeptionierung
verstanden. Wir haben uns in einer Projektgruppe über ein Jahr
lang damit auseinander gesetzt und dabei unsere Aufgaben auf
die heutige Zeit umformuliert. Insofern wird auch deutlich,
dass wir das Projekt auch als einen wirklichen Neuanfang betrachten.
Der Neuanfang artikuliert sich in der baulichen Veränderung
und nicht zuletzt im neuen Namen und unserem neuen Logo.
Frage:
Der Name ist aber doch in Wirklichkeit gar nicht neu?
Bernhard
Grunau:
So wie Sie ihn jetzt sehen und lesen, doch! Bisher kamen unsere
Gäste ins Kneipp-Sanatorium oder ins Gästehaus II. Diese Differenzierung
von Sanatorium und Gästehaus geben wir jetzt auf und berufen
uns zugleich auf unsere Wurzeln und unsere Tradition. Der Name
enthält ja, vor allem durch die Unterzeile, eine klare Aussage
und Ausrichtung: erholen begegnen heilen.
Schw. M. Scholastika:
Die vier Symbole, die Sie in unserem neuen Logo sehen, verweisen
auf die Traditionen und die Leitlinien des Hauses: das Wappen
der Dominikaner als Zeichen der lebendigen Verbundenheit mit
dem Mutterhaus der Dominikanerinnen und deren Grundauftrag,
der Fisch als das Ursymbol christlichen Lebens, das Feuer als
Ausdruck der heilenden Gegenwart GOTTES in der Welt, das Verbindung
schafft zur großen Heiligen unseres Ordens: Katharina von Siena
- und schließlich das Wasser als der Hinweis auf die wahren
Quellen des Heils und der inneren Gesundheit, die Unterstützung
findet durch die von Sebastian Kneipp wiederbelebte Gesundheitslehre
auf der Basis der Naturheilkunde.
Frage:
Sie werden also auch weiterhin Kneipp-Anwendungen anbieten?
Bernhard
Grunau:
Wir bauen unsere Physikalische Therapie weiter aus. Es wird
ein modernes Bewegungsbad geben, einen Wellness-Bereich mit
Sauna und Solarium, und wir werden auch weiterhin klassische
Kneipp-Anwendungen im Angebot haben.
Allerdings haben wir ein neues Verständnis entwickelt. Auf dem
Hintergrund der Ganzheitlichkeit von Körper - Geist - Seele,
die in Arenberg durch die Erfahrung von Gemeinschaft, die Spiritualität
und nicht zuletzt durch die Kategorie des Herzens erweitert
wird, soll die Kneippsche Therapie im Kloster Arenberg eine
Weiterentwicklung erfahren.
Heute wird mit dem Begriff der Kneipp-Therapie häufig nur die
Wassertherapie verbunden. Doch neben der Wasseranwendung sind
die Verwendung von Heilpflanzen und Kräutern, ausreichende Bewegung
und Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie die Empfehlung
von Genuss einer einfachen, naturbelassenen Kost und eine gesunde
Lebensführung weitere Grundpfeiler der
Kneipp-Philosophie.
Dieser Facettenreichtum ist in den vergangenen Jahrzehnten fast
in Vergessenheit geraten. Doch Sebastian Kneipp war seiner Zeit
voraus. Er kann als Vorreiter der Naturheil- und Ganzheitsmedizin
unserer Tage angesehen werden, die sich vor allem mit den Zivilisationskrankheiten
und deren Folgen beschäftigt. Es gilt, ihn in dieser Weise wiederzuentdecken.
Schw.
M. Agnes:
Bei Kneipp gibt es beispielsweise den Begriff der Ordnungstherapie.
Darin geht es um die Strukturierung der äußeren und inneren
Lebensordnung. Das Vermeiden von Risikofaktoren, Genussgiften
und Reizüber-flutung ist dabei ebenso bedeutsam wie das Wiedererlangen
des seelischen Gleichgewichts. Wer auf diesem Weg Begleitung
wünscht, wird sie gerade hier erfahren - durch Schwestern oder
durch die Begleitung eines Pastoral-Psychologen, der zukünftig
in unserem Konzept mitarbeiten wird.
Frage:
Neuorientierung im Leben als ein Mittel, um wieder gesund zu
werden?
Bernhard Grunau:
Sehen Sie, die modernen Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck,
Herz- und Kreislaufprobleme, Gicht und Übergewicht als Zeichen
von Fehlernährung, Schlaflosigkeit und Nervosität lassen sich
mit pharmakologischen und selbst mit naturnahen Verfahren nicht
wirklich heilen. Es gilt den ganzen Menschen zu erreichen und
die Ursachen der Fehlentwicklung zu verändern.
In Kloster Arenberg widmet man sich einer bewussten, gesunden
und naturnahen Lebensführung. Aus den Wurzeln, die der Glaube
darstellt, kann der Mensch neue Kraft schöpfen, um sich mit
der Welt auseinander zu setzen, Lebensfreude und Glück zu finden.
Es handelt sich um ein Angebot, das wir dem Gast machen.
Neben christlicher Meditation, religiösen Gesprächskreisen,
geistlicher Begleitung, aber auch psychologischer Beratung,
Konflikt- und Kommunikationstraining können dann auch Entspannungstechniken,
Atemtherapie und autogenes Training zu einer Neuorientierung
im Leben der Gäste beitragen.
Frage:
Muss der Gast dann an Gottesdiensten teilnehmen?
Bernhard
Grunau:
Klare
Aussage: Nein. Wir betrachten Gottesdienste als ein Angebot.
"Kloster Arenberg" sieht seine Gäste, Besucher und Patienten
- ganz so, wie sie sich selbst verstehen wollen - als freie
und selbstverantwortliche Menschen. Jeder Gast wird daher ermutigt,
angeregt und aufgefordert, sich selbst aus der Vielfalt an Angeboten
und Programmen das auszuwählen, was ihm selbst am nächsten kommt,
ihm zusagt sowie die stärkste Unterstützung und Hilfestellung
verspricht. Wir freuen uns über jeden Gast, der am Gottesdienst
teilnimmt, aber wir verstehen das nicht als eine Voraussetzung.
Wir freuen uns aber genauso über jeden Gast, der sich bei uns
in der klösterlichen Ruhe einfach einmal erholen möchte.
Frage:
An wen richtet sich das Angebot von "Kloster Arenberg"?
Was ist Ihre Zielgruppe?
Schw.
M. Agnes:
Die Zielgruppe, der wir uns widmen wollen, leitet sich im weitesten
Sinne von einer heutigen Interpretation des Vermächtnisses unserer
Ordensgründerin Cherubine Willimann ab, nämlich die Not der
Zeit zu sehen und darauf zu antworten. Wir sehen auch die Kehrseite
der Zivilisation, denken Sie nur an die zuvor angesprochen Zivilisationskrankheiten.
Alle Menschen sind davon betroffen, vor allem Menschen in der
zweiten Lebenshälfte.
Unsere Zielgruppe haben wir aber vollkommen offen beschrieben.
Angesprochen fühlen sollen sich Menschen jeden Glaubens und
jeder Profession, jeder Gruppe und Sozialzugehörigkeit, die
in "Kloster Arenberg" Erholung oder auch Hilfe, Begleitung,
Unterstützung und Stärkung suchen. Dies bedeutet auch ein Ernstnehmen
der je eigenen Bedürfnisse: Jedem Gast wird größtmöglicher Freiraum
gewährt, in dem er seinen Aufenthalt selbst gestalten kann.
Frage:
Was bedeutet dies für die Sanierung und die geplanten Modernisierungsmaßnahmen?
Bernhard
Grunau:
Kurz auf ein paar Schlagworte gebracht: freundliche und bequeme
Gästezimmer, moderne Serviceeinrichtungen, freundliche Speise-
und Gemeinschaftsräume, funktionale Arbeitsgruppenräume, ruhige
Meditationsräume und nicht zuletzt eine vielseitig nutzbare
Therapieeinrichtung mit einem Wellness-Bereich.
Frage:
Was
verstehen Sie unter der Sanierung des Hauses?
Bernhard Grunau:
Die Haustechnik und die Heizung werden von Grund auf modernisiert
und für die Zukunft umgerüstet. In unserer Verantwortung für
die Schöpfung haben wir uns entschieden, auch regenerative Energien,
also Wärmerückgewinnung und Solarthermie zu nutzen. Vor diesem
Hintergrund haben wir auch das sanierungsbedürftige Hallenbad
geschlossen und werden es durch ein modernes Bewegungsbad ersetzen.
Frage:
Werden durch den Neubau neue Zimmer entstehen?
Bernhard
Grunau:
Dem Gästebetrieb stehen nach dem Umbau und nach der Sanierung
100 Betten zur Verfügung. Dies sind 10 Betten mehr, als wir
zum jetzigen Zeitpunkt haben. In dem fünfstöckigen Neubau, der
im Mittelpunkt errichtet wird, kommen auch ein paar Appartements
hinzu.
Frage:
Was bewegt Sie dazu, inmitten des Gebäudeensembles noch einen
Neubau zu errichten?
Bernhard
Grunau:
Der Neubau schafft Verbindung der Gebäudeteile, ermöglicht eine
gute Orientierung und gleicht zudem die unterschiedlichen Geschosshöhen
aus. Wir freuen uns, in der obersten Etage des Neubaus den geeigneten
Platz für eine neue Kapelle gefunden zu haben, die uns den Rückbau
der jetzigen kleinen Gästekapelle erlaubt.
Frage:
Wenn man sich das Modell
des Neubaus ansieht, dann fällt einem der veränderte Eingangsbereich
ins Auge ...?
Bernhard Grunau:
Auch der ist uns besonders wichtig. Alle Fachleute haben uns
dazu geraten, dem Eingangsbereich ein neues Gesicht zu geben.
Durch die neue Gestaltung des Zugangs über die offene und großzügige
Zufahrt, die Treppe rsp. den zusätzlichen Personenaufzug entsteht
- wie es unser Architekt ausdrückt - eine "neue Adresse".
Frage:
Wie lange wird der Umbau dauern und was wird er am Ende kosten?
Bernhard
Grunau:
Wir gehen von einer Bauzeit von 15 Monaten aus. Wir wollen den
Betrieb im April 2003 neu eröffnen und werden bis dahin die
Zeit nutzen, um zusammen mit Schwestern und unseren Mitarbeitern
an dem Programm zu feilen und ein modernes Marketing zu entfalten.
Die Sanierung, der Umbau, der Neubau und die komplette Neuausstattung
der Gästezimmer wird uns 12,6 Mio. Euro kosten. Das ist eine
Menge Geld. Aber wir betrachten es als eine aussichtsreiche
Investition in die Zukunft. Wir wollen ja zusätzliche Gäste
mit unserem Angebot erreichen.
Frage:
In der Zeit des Umbaus, der über ein Jahr in Anspruch nimmt,
wird der Betrieb nur eingeschränkt aufrechterhalten. Folgt daraus,
dass Sie überzähliges Personal freisetzen werden?
Schw.
M. Agnes:
Nein. Wir werden alle unsere 62 Mitarbeiter auch in dieser Zeit
weiterbeschäftigen. Die meisten Mitarbeiter werden gebraucht,
nicht zuletzt bei der inhaltlichen und technischen Vorbereitung
der Wiedereröffnung. Außerdem wird ein Teil der Mitarbeiter
diese Zeit für Weiter- und Fortbildung nutzen, damit wir im
Frühjahr wieder mit einem kompetenten Team starten können.
Frage:
Das ist für die Öffentlichkeit sicherlich eine positive Zusage,
zumal Ihr Betrieb mit seinen Mitarbeitern ja die Größenordnung
eines mittelständischen Unternehmens hat?
Schw.
M. Agnes:
Um Unsicherheiten entgegentreten zu können, haben wir auch eine
Informationsveranstaltung insbesondere für unsere Arenberger
und Immendorfer Nachbarn vorbereitet, auf der wir interessierten
Bürgern Rede und Antwort stehen wollen. Die Veranstaltung findet
am 31. Januar um 19.00 Uhr im Caritashaus in Koblenz-Arenberg
statt. Wir wollen dann auf unsere Neukonzeptionierung eingehen,
ein Modell des Umbaus und einige Baupläne vorstellen. Ich denke,
dass wir damit den Einwohnern vor Ort eine gute und umfassende
Information geben.
Frage:
Bedeutet diese Investition auch eine veränderte Kostenstruktur?
Konkret gefragt: Muss der künftige Gast für seinen Aufenthalt
tiefer in die Tasche greifen?
Bernhard
Grunau:
Ja. Aber der Gast bekommt dafür auch eine erheblich größere
Leistung. Unsere Preise werden sich nicht erhöhen, weil der
Neubau so teuer wird, sondern weil die Schwestern jahrelang
Zimmer und Unterkunft jedes Gastes mit erheblichen Beträgen
bezuschusst haben, indem sie entstandene Defizite ausgeglichen
haben. Das kann aber auf Dauer so nicht weitergehen. Daher haben
sich die Schwestern zu einer größeren Investition entschlossen,
die eine bessere Ausstattung ermöglicht und damit eine angemessenere
"Leistung" begründet.
Also noch einmal: Die Preise für die Unterkunft und Vollpension,
die zudem eine Menge an Zusatzleistungen beinhalten, werden
sich deutlich erhöhen. Aber, da wir kein profitorientiertes
Unternehmen sind, werden die Preise nach unseren tatsächlichen
Kosten kalkuliert. So gesehen unterscheiden sich unsere neuen
Preise nur minimal von den Preisen, die eigentlich auch in den
letzten Jahren hätten genommen werden müssen, um kostendeckend
zu arbeiten.
Schw.
M. Agnes:
In begründeten Ausnahmen möchten wir als Ordensgemeinschaft
uns an den Kosten für Unterkunft und Verpflegung beteiligen
und damit den entsprechenden Gästen einen Aufenthalt in "Kloster
Arenberg" ermöglichen.
(Das Gespräch mit Generalpriorin Schw. M. Agnes Fischer, Schw.
M. Scholastika Jurt und Verwaltungsdirektor Bernhard Grunau
führte Dr. Jörg Bockow)
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