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Paulinus
Kalender 2006
Nicht
nur beten und arbeiten
Text:
Marcus Schöppen
Foto: Kloster Arenberg
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Willkommen im Kloster Arenberg
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Schwester
Annunttiata im Chorgestüh |
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Schwester Scholastika mit ihrem Lieblingsbild
"Hl.Menas und Christus"
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Wellnessboom
und Fitnesskult, eine ausufernde Freizeitindustrie
und der "Freizeitkult" beherrschen vielfach
das heutige Lebensgefühl der Menschen in unserer
Gesellschaft. Ein angesehener Psychologe schrieb
kürzlich in einer Ordenszeitschrift, die Fitness
stehe im Begriff zu einer Art "Ersatzreligion"
zu werden.
Experiment
Dominikaner Kloster Arenberg
Ein wenig, so schien es mir, als ich die ersten
Presseberichte des Dominikanerinnen-Klosters von
Arenberg in Koblenz las, seien auch die Schwestern
diesem "Kult" verfallen. "Wellness
im Kloster", die "Wellnessnonnen",
"Relaxen im Refektorium" wurde da angepriesen.
Sicher stimmt es, dass sich die Angebote nach Urlaub
und Freizeit im Kloster zu einem stetig expandierenden
Dauerbrenner entwickeln. Aber ist diese "Wellness
im Kloster" nicht eine Art von Anpassung an
den Zeitgeist und dazu noch die Kopie einer Mode
Erscheinung, die eher einer Karikatur des gesellschaftlichen
"Auf-der-Höhesein" gleicht?
Nun, die ersten Eindrücke von Arenberg belehrten
mich dann eines besseren: Bernhard Grunau, Verwaltungsdirektor
und Hausleitung des Gästehauses von Kloster
Arenberg lud mich ein, mir das Ganze doch mal vor
Ort anzusehen. Und was ich nicht erwarten konnte:
Es standen auch eine Reihe von Ordensfrauen für
ausführliche und oft sehr tiefgründige
Gespräche bereit.
Schwester Scholastika (40) etwa, eine der jüngsten
Ordensfrauen in Arenberg, die es besonders ärgert,
wenn man die große Angebotspalette und Vielfalt
des Gästehauses auf die Begrifflichkeit von
Wellness und Fitness reduziert. Die aus der Schweiz
gebbürtige Ordensfrau betont daher explizit
das unterscheidende Moment zu rein körperbezogenen
Fitnessangeboten:
"Wer nur Wellness sucht, wird bei uns enttäuscht
sein."
Wichtig sind ihr und den 66 Ordensfrauen in Arenberg
die "spirituellen" Angebote, wie Meditation,
Morgen und Abendimpulse, Teilnahme an Stundengebeten,
geistliche Begleitung, die auf Wunsch wahrgenommen
werden können.
Der Not einer inneren Obdachlosigkeit begegnen
"Die meisten Menschen kommen nicht so sehr
wegen der Angebote körperlicher Gesundheit,
sondern aus der Not einer inneren Obdachlosigkeit
heraus zu uns," erläutert sie und gebraucht
dafür ein starkes Bild: "Die Seele darf
hier weinen." Den Unterschied zum gesellschaftlichen
"Credo" von den immer bestens gelaunten
und fittesten Zeitgenossen sieht sie darin, dass
"die Menschen, die hierher kommen,
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ihre körperlichen Gebrechen zeigen können und
dürfen. Auch ihre seelischen Schwächen dürfen
sie zeigen und sie wagen hier oft den ersten Schritt, sich
selbst anzunehmen oder lernen auch über ihre Schuldgefühle
zu sprechen." Sichtlich bewegt berichtet Schwester
Scholastika dabei von einem Treffen mit einer Gruppe von
fünf Frauen, von denen jede eines ihrer Kinder durch
Selbstmord verloren hatte, und die es nun zum Gespräch
mit Schwester Scholastika nach Arenberg zog.
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Gesamtansicht
Kloster Arenberg mit Neubau (helles Gebäude
in der Mitte) vom Kräutergharten aus gesehen
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Das
nun mittlerweile zwei Jahre "alte" Experiment
der Umgestaltung vom renovierungsbedürftigen
Kneipp-Sanatorium zum modern konzipierten Gästeerholungshaus
mit vielfältigen Angeboten für Körper,
Geist und Seele hat sich gelohnt. Kloster Arenberg
wird nicht nur dank der durchweg positiven Presse
sehr gelobt, auch die "Zustimmung" der vielen
Menschen, die Arenberg oft zum wiederholten Male aufsuchen,
gibt den Schwestern Recht. Bei meinem Aufenthalt traf
ich Alt-Bischof Hermann-Josef Spital und die ihn betreuende
Schwester Elisabeth im Speisesaal. Der Bischof war
voll des Lobes und begrüßte die mutige
und großzügige Initiative der Ordensgemeinschaft. |
Gastsein im Kloster
Dabei ist das Grundgerüst hinter dem neuen Konzept
von Arenberg alt, so alt beinahe wie die Menschheit selbst:
Bereits im Alten Testament kann man nachlesen, wie heilig
den Kultur-Völkern des Orients die Institution der
Gastfreundschaft war. Bei den Klöstern des Mittelalters
sollte sich daher auch der Abt selbst um das Wohlbefinden
der Gäste kümmern, ihnen wurde eine separate und
bessere Küche zugestanden.
In ihrer Entstehungszeit dienten daher die Klöster
zunächst als Hort, Schutz und Orientierung in der Not
der Völkerwanderungsepoche, als Krankenanstalten für
Arme, Bedürftige und ältere Menschen, oder gar
als Hospiz für die Sterbenden.
Die moderne Wanderbewegung der Tourismusindustrie hat diese
alte Quelle für sich neu erschlossen und erfreut sich
an den großen, aber kostengünstigen Kulturleistungen
der Klöster, die in das Programm von Tages- und Sightseeingtouren
bereitwillig aufgenommen werden.
Das neu erwachte Interesse an Religion und Spiritualität
trägt dazu bei, dass die Menschen gerne diese alten
Gebetsstätten aufsuchen. Immer mehr Menschen haben
die Klöster bereits als Sinn-Alternative zum Strandkorb
und Pauschalurlaub erkannt.
Die Nachfrage nach Klosteraufenthalten boomt und das mit
steigender Tendenz. Dabei reichen die Angebote der Klöster
vom Managertraining, über Mitarbeiterführung,
bis zur eher "beschaulichen" Meditationswanderung.
Diese Öffnung ruft begreiflicherweise nicht nur positive
Resonanz hervor, selbst dem Nachrichtenmagazin "Der
Spiegel" bereitet das oft wenig zurückgezogene
Leben mancher Mönche und Nonnen sogar schon "Sorgen",
und sieht durch seine hohen Auguren bereits die Vorzeichen
einer Trendwende nach mehr Kontemplation gekommen.
Schwester Scholastika sieht diese Kehrtwende nicht: "Die
Ordensleute haben und hatten immer den Auftrag, sich herausrufen
zu lassen."
Sicher ist die zeitgemäße Erneuerung ein Abwägen,
eine Gradwanderung von Anpassung und Bewahrung. In Arenberg
ist diese Problematik überschaubar gelöst: Klausurtrakt
und Gästetrakt sind zwei eigene Gebäude, Schwestern
und Gäste können beim Chorgebet oder beim zwanglosen
Treffen im Foyer zusammenfinden, müssen aber nicht.
Die Gästeschwestern stehen für Gespräche
bereit, drängen sich nicht auf. Schwester Scholastika
setzt sich selbst dafür ein, noch mehr gemeinsame Räume
der Begegnung mit Gästen zu schaffen.
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