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Mehr
als Sauna und Solarium
Wie
sich kirchliche Einrichtungen für die Zukunft rüsten
- am Beispiel des "Wellness-Klosters" Arenberg.
Foto
und Text: Michael Kinnen
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„Urlaub
für Körper und Seele":
Eingangsbereich und Empfang des Klosters Arenberg.
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Es
gab noch keine E-Mails, keine elektronischen Buchungen
für die Gäste, das Wort "Wellness“
war völlig fremd und die Methoden des Pfarrers
Sebastian Kneipp mit seiner Wasserkur galten vielen
noch als „Kurpfuscherei“, als Schwester
Cherubine Willimann aus der Schweiz 1868 zum Arenberg
nach Koblenz kam und dort zusammen mit zwei Mitschwestern
das Kloster der Dominikanerinnen belebte. Doch die
Zeiten haben sich geändert, und so musste auch
ein neues Konzept her, um nicht in den wirtschaftlichen
Ruin zu gehen: Heute ist das Kloster, das Kneipp,
Fitness, aber eben vor allem auch Klosterleben bietet,
als „Wellness-Kloster“ bundes-weit in
den Medien. Doch es geht um mehr als Sauna und Solarium,
mehr als Sprudelbad und schöne Haut. „Erholen
begegnen heilen“ ist das Leitbild des Klosters
überschrieben, in dem heute zehn Schwestern
"für Gott und für die Menschen da
sein“ wollen.
Die Schwestern wollen „Sauerteig sein in einer
Welt, die mehr und mehr die christliche Lebenswirklichkeit
aus den Augen verliert“.
Im Jahr 2000 hat der so genannte „Leitbildprozess“
begonnen.
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„Wir
wollten herausfinden, was unsere Gründerin, Mutter
Cherubine, heute und unter den jetzigen Bedingungen
wohl getan hätte, wenn sie das Kloster heute
neu errichtet hätte“, erklärt Bernhard
Grunau, Verwaltungsdirektor des Klosterbetriebes.
In gewisser Weise sollte es also zurück zu den
Wurzeln gehen, weil der Blick zurück den Weg
in die Zukunft ebnen könnte. Ein Motiv, das heute
viele kirchliche Einrichtungen bewegt: Wie kann man
auch in Zukunft wirtschaftlich bestehen, ohne sein
Profil aufgeben zu müssen, wenn das Geld knapper
wird und Zuschüsse gekürzt werden oder ganz
ausbleiben?
Franz-Josef König von der Gesellschaft für
Systemisches Management (GSM) mbH in Kobern-Gondorf
hat sich mit seiner Unternehmensberatung dieser Fragen
angenommen. So hat er etwa auch schon die Schönstätter
Marienschwestern in Vallendar in ihrem Leitbildprozess
begleitet.
„Zehn Kriterien zur Zukunftssicherung“
zeigen, worauf es ankommt. In Seminaren — wie
jetzt in Arenberg — vermittelt König dies
an Geschäftsführer und Leitungspersonal
kirchlicher Einrichtungen: „Werte leben“
steht an erster Stelle. So können gerade kirchliche
Einrichtungen mit Blick auf eine lange Tradition und
ihre tragenden Wurzeln schnell Werte nennen, die für
die Gründer wichtig waren und bis heute durch
alle
Krisenzeiten prägend sind. Um diese Ziele zu
erreichen, sollen Strategien entwickelt werden, die
die Qualität des jeweiligen Angebotes verbessern,
und so mit möglichst geringem Risiko innovative
Markt-Trends genutzt werden, ohne dabei den eigenen
Auftrag zu vergessen und sich nur schnelllebiges Tendenzen
hinzugeben. Natürlich kann das kein Chef ohne
sein Personal erreichen.
Nur wer sich wirklich mit dem Leitbild identifiziert,
kann auch begeisternd auf "Kunden" wirken
— und darauf kommt es letztlich an, wenn Geld
in die Kasse kommen soll. Die Mitarbeiter sollen daher
möglichst stark beteiligt und entsprechend qualifiziert
werden.
In Arenberg fragen wir uns:
Was brauchen die Menschen, die zu uns kommen?“,
sagt Bernhard Grunau. Das bedeute nicht, dass man
jeden x-beliebigen Wunsch gleich erfülle, wie
das vielleicht in einem Hotel sei. Es kommt darauf
an, was den Menschen wirklich gut tut. „Wer
hier nur ein Wellness-Hotel sucht, der wird enttäuscht
sein“, sagt der Verwaltungsdirektor. Er erlebe
es oft, dass Gäste, die nach Arenberg kommen,
sich ansprechen lassen von den geistlichen Angeboten,
der spirituellen Lebensweise der Nonnen, den Orten
der Ruhe und Besinnung - und so mehr erleben als
ein bloßes „Wohlfühlen“.
„Wenn wir von`heilen‘ sprechen, dann
soll das wirklich eine ‘Heilserfahrung‘
sein, die tiefer geht“, erläutert Grunau.
Das christliche Profil sei keine Hürde oder
Einlasskontrolle für die Gäste, sondern
ein Qualitätsstandard, der selbstverständlich
und unspektakulär garantiert werde.
Das zeigt sich dann bis in den Arbeitsalltag, wenn
etwa sonntags von den 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,
die das Kloster zu den Schwestern beschäftigt,
weniger Servicekräfte vor Ort sind, "weil
die auch zu ihren Familien gehören und wir
die Sonntagsruhe ernst nehmen“.
Hier geht der Mensch vor, nicht die wirtschaftlichere
Bilanz.
Wer
authentisch zu seinem Profil steht, der wirkt einladend
und interessant für andere. In Arenberg gibt
es derzeit 75 Prozent Auslastung für die etwa
100 Betten, eine Quote, die manche Hotels gerne
hätten. Dennoch: Das Leitbild ist nur der papierene
Anfang. Das Leben, mit dem es gefüllt wird,
misst sich an der Alltagsrealität. Die für
gemeinnützige Einrichtungen so wichtige „Schwarze
Null“, also dass die Einnahmen die Ausgaben
auffangen, ist in Arenberg noch nicht greifbar.
Zum Beispiel, weil hier noch tarifliche Löhne
bezahlt werden. "In vergleichbaren Berufsgruppen
wie etwa Hauswirtschaft Handwerk, Gartenbau oder
Hotelfach wird in der Branche außerhalb des
Caritastarifes bis zu 30 Prozent weniger bezahlt“,
sagt Bernhard Grunau. In Arenberg ist dieser Tarif
für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugesichert
— eine finanzielle Deckungslücke, die
erst einmal gefüllt werden muss.
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