Miteinander
Klosterforum deutsch-sprachiger
katholischer Gemeinden im Ausland
|
|
Wellness
hinter Klostermauern
Arenberger
Dominikanerinnen setzen auf Massage und Meditation
Von KNA-Mitarbeiter
Christian Wölfel
|

|
Koblenz
(KNA) Petra Otto hat eine rote Sportmatte auf dem Boden
ausgebreitet. Die 36-jährige Apothekerin
möchte etwas für ihren Rücken tun und
macht Stretchübungen. Doch sie trainiert nicht
in einem ganz gewöhnlichen Fitnesscenter irgendwo
in Deutschland, sondern im Kloster. Wellness hinter
Klostermauern, das
gibt es seit Juli in Arenberg bei Koblenz. Die dortigen
Dominikanerinnen haben ihre Pforten für nach körperlicher
und seelischer Entspannung Suchende geöffnet.
Massage und Meditation, Entspannungsübungen und
Eucharistie sind in dem ehemaligen KneippSanatorium
keine Gegensätze.
Auch Otto suchte: "ich wollte etwas für meinen
Körper und für meine Seele tun". Im Internet
hat sie "Kloster + Urlaub" eingegeben.
|
 |
|
"Ich bin hier schneller
zur Ruhe gekommen als in einem Urlaub auf den Kanaren",
so ihr erstes Fazit. Neben der Apothekerin sitzt Kurt
Waidosch auf dem Hometrainer und strampelt. Durch Lamellenrollos
schimmert das Blau des Swimmingpools in den Fitnessraum.
Der 40-jährige Pastoralreferent hat sich Urlaub im
Wellness-Kloster zum Geburtstag geschenkt. Eine Woche
hat er gebucht, "Mit Kneipp in den Winter",
heißt das Wohlfühlprogramm für Körper
und Geist. "Der Blitzguss heute Vormittag etwa, also
der war gigantisch", schwärmt Waidosch.
|
Während der Pastoralreferent
noch im Fitnessraum schwitzt, sitzt Schwester Scholastika
auf der Terrasse vor sich einen Latte Macchiato und blinzelt
in die Sonne. "Nicht einfach durchkneten, Schluss.
Der Nächste bitte, sondern auch Zeit haben für
den Gast und ganz da sein", so ihr Wellness-Credo.
Sie ist zusammen mit dem Theologen Martin Hofmeir für
die spirituellen Angebote zuständig. "Wir wollten
noch einmal einen neuen Schritt wagen", beschreibt
sie den ordensintern nicht unumstrittenen Weg zum Wellness-Kloster.
Völlig überaltert seien die Einrichtung und die
Gäste des Kneipp-Sanatoriums gewesen. Bis 2000 haben
die mehr als 60 Arenberger Dominikanerinnen es betrieben.
Dann kam der Entschluss zum Umbau. 15 Millionen Euro hat
er gekostet. Drei Gästehäuser mussten saniert,
ein neuer Zwischentrakt gebaut, die Außenanlagen hergerichtet
werden. Mehr als fünf Hektar groß ist das Gelände.
Die Nachfrage hat die Erwartungen bei weitem übertroffen:
Stolz berichten die Verantwortlichen von 90 Prozent Auslastung.
Natürlich habe es Diskussionen gegeben, sagt Schwester
Scholastika. Auch Kompromisse waren nötig. So ist etwa
die Sauna in Arenberg nach Geschlechtern getrennt. Trotzdem
bietet das Vitalzentrum all das, was ein gutes Welleness-Hotel
zu bieten hat: Fangopackungen, Aquafitness, Fußpflege,
Rückenschule oder eine Fußreflexzonenmassage.
Schwester Scholastika kommt es jedoch auf andere Dinge an:
"Wellness heißt wohlfühlen, und dann wird
es unser Anliegen: Leib und Seele finden wieder zusammen." |
 |
75 säkulare Mitarbeiter sorgen für das Wohl der Gäste.
Acht Klosterschwestern unterstützen sie, etwa am Empfang,
beim Zimmerservice. Sie betreiben den Klosterladen und den Kräutergarten.
Verwaltungsdirektor Bernhard Grunau ist für die "weltlichen"
Beschäftigten zuständig. "Wir wollen nicht als
Hotel angesehen werden", auch wenn man in Sachen Komfort
den Standard erfülle. Das Menschliche stehe im Mittelpunkt,
so der Betriebswirt, der einst Kompaniechef bei der Bundeswehr
war und seit 1999 für das Kloster arbeitet. "Es kommen
nicht alle mit einem religiösen Motiv hierher." Die
Mund-zu Mund-Propaganda spiele eine wichtige Rolle. Auch Elisabeth
Augustin will das Kloster weiterempfehlen: "ich bin Gott
dankbar, dass ich hierher gekommen bin", sagt die 78-Jährige.
Schon öfters war sie in Welleness-Hotels, doch die hätten
meist eine unpersönliche Atmosphäre. Nicht so in Kloster
Arenberg, auch wenn die Empfangshalle doch sehr an ein gewöhnliches
Hotel erinnert. Die Lautsprecher dudeln eine Instrumentalversion
des Michael-Jackson-Hits "I'm bad". Schwester Stephana,
Ratsschwester der Dominikanerinnen von Arenberg, blättert
im Gästebuch: "Es hat uns gut getan" oder "Mir
gefällt das Wellness-Kloster sehr gut". Die Schwester
blättert weiter. Sie hat auch über die Investition mitentschieden:
"Das hier bestätigt mich, dass wir die richtige Entscheidung
getroffen haben."
|