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Wellness für Leib und Seele

Kloster Arenberg bietet Klosterurlaub auf andere Art

Text und Fotos: DR. ELISABETH LEGGE

 


Vor vier Jahren haben die Arenberger Dominikanerinnen ihr altes Kneippsanatorium in ein hochmodernes Vitatzentrum mit einem wunderschönen Gästehaus umgebaut.


 

Der große Klosterpark mit seinen lauschigen Sitzplätzen lädt zum Verweilen ein.

 

 

Sie ist für die Gästebetreuung im Kloster Arenberg zuständig: Schwester Gertrud.

 

 

Eine Schwester in ihrem Element: Schwester Josefa ist die Kräuterschwester des Kloster Arenbergs und betreut den großen Kräutergarten.

 

 

Hier kann man sich wohlfühlen: Kloster Arenberg wartet mit einem tollen Vitalzentrum mit Schwimmbad, Massageräumen, Sauna und auch einem Fitnessraum auf.

 

 

Helle und moderne Zimmer erwarten die Gäste im Kloster Arenberg

„Hallo, schön dass Sie da sind. Herzlich willkommen in unserem Haus.“

Schwester Gertrud strahlt mich an. Ihre Begrüßung fällt besonders herzlich aus. Klar doch, immerhin bin ich eine Pressefrau und da wird man ohnehin nett behandelt. Aber mein dreitägiger Aufenthalt im Gästehaus von Kloster Arenberg oberhalb von Koblenz wird mich eines anderen belehren:
Freundliche Schwestern und höfliches Personal sind hier selbstverständlich. Schwester Gertrud macht sich gleich auf mit mir zu einem Streifzug durch das Gästehaus. Der Weg führt durch das lichtdurchflutete Foyer, wo Frauen und Männer auf gemütlichen Sofas in Zeitungen blättern.
Weiter geht es vorbei an den beiden Speiseräumen, der großen Bibliothek und dem Fernsehzimmer. Schwester Gertrud zeigt mir auch einige Gästezimmer. Die helle und moderne Einrichtung ist äußerst ansprechend, hier kann man sich wohlfühlen.

Dann geht es weiter in das Erdgeschoss des Hauses. „Ja, und das ist es - unser Vital-Zentrum“, sagt die sympathische Schwester, die einst Krankenschwester war und jetzt für die Gästebetreuung in Kloster Arenberg zuständig ist. Ein großer Wellnessbereich tut sich hier vor uns auf. Den Begriff Wellness mag die Ordensfrau allerdings nicht. „Wir sind keine X-beliebige Wellnessoase“, erklärt sie mir. „Wir wollen Seele, Geist und Körper in Einklang bringen.“ Wellness und Kloster passt das zusammen? Offensichtlich ja. Die Kombination von Wellnessangebot und spirituellem Angebot des Arenberger Klosters hat sich zum Erfolgsmodell entwickelt. Die 100 Gästebetten sind im Schnitt zu 75 % belegt. Die Idee hierzu ist allerdings aus der Not geboren.

Als das zum Kloster Arenberg gehörende Kneippsanatorium, das die Dominikanerinnen 50 Jahre lang betrieben hatten, in die roten Zahlen rutschte, gab es nur zwei Möglichkeiten:
aufgeben oder neue Wege wagen.
„Wir haben uns fürs Weitermachen entschieden“, erzählt Schwester Gertrud. Insgesamt 15 Mio. € haben die Arenberger Schwestern investiert und ihr unrentables Kneippsanatorium am Rande des Westerwaldes in eine Wellnessoase mit komfortablem Gästehaus umgebaut. Vorvier Jahren wurde das Gästehaus eröffnet und seitdem kümmern sich insgesamt zehn der 65 Arenberger Dominikanerinnen sowie 85 weltliche Mitarbeiter um das Wohl der Klostergäste.

Echter Wohlfühlbereich

Die Ausstattung des Vitalzentrums im Kloster Arenberg kann sich dabei sehen lassen. Von klösterlicher Askese ist hier wenig zu spüren. Im Gegenteil: Es ist ein echter Wohlfühlbereich mit einem großen Angebot.
Von Schwimmbad und finnischer Sauna bis hin zum Fitnessraum mit modernsten Geräten ist hier alles vorhanden. Kurse in Aquafitness, Wirbelsäulengymnastik und Qi Gong werden angeboten. Schwester Andrea und ihr Team verwöhnen die Gäste mit wohltuenden Massagen.
Auch die Kneippschen Anwendungen, ein Relikt aus dem ehemaligen Kneippsanatorium der Arenberger Dominikanerinnen, fehlen nicht:
Wassertreten, Teil- und Wechselgüsse stehen ebenfalls auf dem Programm für die Gäste. Wer möchte, kann den Tag morgens um 7.00 Uhr mit Tautreten und anschließender Gymnastik im Klostergarten beginnen.
Nachmittags steht Nordic Walking auf dem Programm oder eine Wanderung mit Schwester Gertrud.

Ihr und dem gesamten Arenberger Klosterteam geht es aber nicht nur um das körperliche Wohl der Gäste, sondern auch um das spirituelle. Wenn Schwester Scholastika morgens um 8.15 Uhr zum „Impuls in den Tag“ einlädt, ist die kleine Kapelle im siebten Stock des Gästehauses meist bis auf den letzten Platz besetzt. Mit ruhiger, warmer Stimme und einer Mischung aus Andacht, Besinnung und Meditation stimmt die gebürtige Schweizerin auf den Tag ein. Und dabei geht es häufig auch etwas unkonventioneller zu.
Schwester Scholastika, mit ihren 42 Jahren einer der jüngeren Klosterschwestern, begrüßt die Gäste auch schon einmal mit einem Song von Herbert Grönemeyer. Wer möchte, kann auch an den Eucharistiefeiern und Gebetsstunden der Schwestern im Mutterhaus des Klosters teilnehmen. Außerdem gibt es Gespräche zu verschiedenen Themen sowie die Möglichkeit zur Meditation. Niemand wird dabei nach seiner Religion gefragt. Jede und jeder ist willkommen und kann seinen Aufenthalt beliebig gestalten. Vier ausgebildete Seelsorger kümmern sich auf speziellen Wunsch um Sorgen und Nöte der Gäste. „Wir können keine Problemlösungen anbieten. Aber wir können die Menschen ein Stück des Weges begleiten“, meint hierzu Schwester Gertrud.

Ruhe wird groß geschrieben

Und wer nur einfach Ruhe sucht, ist in Kloster Arenberg erst recht gut aufgehoben. Ruhe wird hier groß geschrieben und Rückzugsorte gibt es zur Genüge, ob nun die Gästekappelle, das Klostercafe oder der große Klosterpark mit seinen vielen lauschigen Sitzplätzen.
Im Kräutergarten des Parks treffe ich auf Schwester Josefa. Sie ist zuständig für den Anbau und die Vermarktung von Kräutern. Aus dem Bauch heraus habe sie „ihren“ Kräutergarten entwickelt, erzählt die jetzige Gesundheitspädagogin mit Schwerpunkt Heilpflanzen, die früher als Erzieherin in einer Kindertagesstätte gearbeitet hat. Im Arenberger Kräutergarten werden rund 350 kg Tee angebaut, der den Gästen zu den Mahlzeiten serviert wird und im Klostereigenen Shop angeboten wird.

„Die Gäste sind sehr an unserem Kräutergarten interessiert“, freut sich Schwester Josefa. Sie gibt ihr Wissen über die Kräuter gerne weiter und Lädt die Klostergäste unter anderem zu Wildkräuterwanderungen ein. In dieser Woche steht die Zubereitung einer Maibowle an.
Bereits mit 22 Jahren ist die heute 49-jährige Schwester zu den Arenberger Dominikanerinnen gekommen. „Ich wollte meinen Glauben gemeinsam mit anderen stärker erleben“, erzählt sie freimütig. Nur noch selten gibt es einen Neuzugang bei den Dominikanerinnen in Arenberg. Die vielen Gäste, die jährlich hierhin kommen, bescheren dem Kloster jedenfalls keinen Nachwuchs.

Und das ist auch nicht gewollt. Die Schwestern wollen im Kloster niemanden missionieren. Sie wollen, dass sich die Gäste bei ihnen wohlfühlen. Und das tun sie. Der Blick in die Gästebücher, die im Foyer des Gästehauses ausliegen, beweist es. Ich kann mich dem positiven Urteil der Gäste nur anschließen.
Für mich steht fest, ein Aufenthalt in Arenberg lohnt sich und ich werde wiederkommen

Gott und die Welt: „Es ist mir eine Ehre ...“

Menschen engagieren sich in vielfältiger Weise ehrenamtlich. Eine Sache, ein Anliegen, ein Tun ist ihnen so wichtig und wertvoll, dass sie dafür Zeit, Energie und mitunter persönliche Finanzen einsetzen. In gesellschaftlichen wie kirchlichen Gruppen und Gruppierungen wirken sie zum Wohl der Allgemeinheit sowie einzelner Menschen. Viele Menschen wissen um den Wert des Ehrenamts, spüren jedoch auch manchmal mangelnde Wertschätzung und Anerkennung. So schreibt Wilhelm Busch in einem Gedicht zum Ehrenamt: „Wie viel Mühe, Sorgen, Plagen, wie viel Ärger musst Du tragen; gibst viel Geld aus, opferst Zeit - und der Lohn? Undankbarkeit!“

Dennoch: Ohne das Ehrenamt, ohne ein Denken und Handeln, das unentgeltlich -weil unbezahlbar - sich einsetzt, wäre unser Leben, wäre unsere Gesellschaft, wäre unsere Kirche um vieles ärmer. Gerade zu Pfingsten hören wir von Menschen, die von der Botschaft des Glaubens begeistert und angestiftet sich dem Leben verschreiben und anderen Menschen leben helfen wollen.

Mit Leidenschaft und Herzblut für das Gelingen von Leben eintreten und sich in dieser Gesinnung weder ‚unterbuttern‘ noch Kleinkriegen lassen, das ist der Anfang allen ehrenamtlichen Engagements. Unsere Welt kann nur menschlicher werden, wenn Menschen wirklich Menschen sind und sich darin täglich neu einüben. Und von innen heraus immer wieder neu sagen und zeigen: „Es ist mir eine Ehre ..“

Dank und Anerkennung Euch und Ihnen allen, die sich ehrenamtlich engagieren.

 


Pfarrer Michael Eschweiler

 


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