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HEIL-
UND GEWÜRZPFLANZEN
Unser
Klostergarten - Heilpflanzen mit allen Sinnen erleben
Bei der Gründung seiner Gemeinschaft
legte Benedikt von Nursia großen Wert darauf, dass
die Brüder mit ihrer Hände Arbeit ihr Brot verdienten.
Ihm war daran gelegen, dass sie sich von dem ernährten,
was sie in ihrem Garten anbauten. Eine gesunde Ernährung
bestand zur Lebzeit Benedikts - 500 Jahre n. Chr. - vor
allem in vegetarischer Kost. Obst und Gemüse aus
eigenem Anbau waren angesagt.
Josefa
Bölinger
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Schwester
M. Josefa Bölinger OP mit Königskerzen |
KLOSTERGÄRTEN
- ORTE DER HEILKRAFT ERHOLUNG UND
MEDITATION, QUELLE DER VOLKSMEDIZIN
Als die ersten Mönche - ungefähr 700 Jahre n.
Chr. - über die Alpen kamen, um neue Klöster
zu gründen, hatten sie entsprechende Stecklinge und
Samen im Gepäck.
Das christliche Symbol des Kreuzes galt den Mönchen
als Einteilung für die Gartenbeete. In der Mitte
des Gartens befand sich ein Brunnen, eine lebendige Wasserquelle.
Neben Obst und Gemüse kannten die Mönche auch
würzige und heilende Kräuter.
Sie verstanden es, damit ihre Nahrung schmackhaft zu machen
und zugleich bei Krankheiten die Heilkräfte der Kräuter
zu nutzen. Der Klosterplan von St. Gallen, geschrieben
ca. 817, beschreibt Gemüse, Heilpflanzen und Bäume,
die im Klostergarten gepflanzt werden sollen. Auf der
Bodenseeinsel Reichenau wird Abt Walahfrid Strabo bekannt
als Gärtner und Poet. In wunderbaren Versen beschreibt
er die Pflanzen seines Gartens mit größter
Präzision. |
Im
12. Jahrhundert machte sich Hildegard von Bingen mit ihrer
Klostermedizin einen Namen. Mit dem Begriff der „Grünkraft“
versinnbildlichte sie Gesundheit und Heil. Für sie
war die Seele ebenso wichtig wie der Körper und in
einer gesunden, vernünftigen Lebensweise sah sie
die Grundlage der Gesundheit. Den angebauten Heilpflanzen
im Klostergarten gab sie den Vorzug gegenüber den
wild wachsenden Kräutern.
Eine andere Bedeutung des Klostergartens lernen wir beim
Dominikanermönch Albertus Magnus kennen. In seinen
Schriften aus dem 13. Jahrhundert lesen wir von Fruchtfolge
und Brachejahr, von Gründüngung und Bodenbearbeitung,
Schädlingsbekämpfung und der Veredelung von
Obstbäumen. Neben seinem wissenschaftlichen Werk
über Pflanzen und Gartenbau beschreibt er den Garten
als Ziergarten. Für ihn ist der Garten auch ein Ort
der Erholung, der Wonne und Freude.
Der Rasen, als Einfassung des Gartens,
sollte die Vielfalt der aromatischen Kräuter und
die Pracht der Blumen besonders zur Geltung bringen.
Transportable Gartenmöbel waren ihm noch unbekannt,
aber die Idee der Rasenbank diente dem gleichen Zweck.
Die klösterlichen Kreuzgänge mit ihren Innenhöfen,
ebenfalls ein Teil des Gartens, waren und sind noch
heute Orte des Gebetes und der Meditation. Auch die
klösterlichen Friedhöfe dürfen als solche
angesehen werden.
Was die Klostergärten für die Mönche,
das waren die Bauerngärten für das einfache
Volk. Die Bauern lernten von den Mönchen, bauten
die heilsamen Kräuter an oder sammelten sie in
der freien Natur. Kundige und erfahrene Frauen stellten.
Salben, Tinkturen und Öle her und kannten gegen
vielerlei Beschwerden ein pflanzliches Heilmittel. So
entstand die Volksmedizin.
Nachdem mit zunehmender Industrialisierung die Anwendung
von pflanzlichen Heilmitteln in Vergessenheit geraten
ist, gewinnt die Pflanzenheilkunde in unserer Zeit wieder
zusehends mehr Freunde, auch in den Reihen der Schulmediziner.
In den 70er Jahren wurde ein Expertenteam gegründet,
dessen Aufgabe es war, volksmedizinisch bewährte
Pflanzen wissenschaftlich zu untersuchen. Eine Liste
mit über 300 Pflanzen gibt Auskunft darüber,
welche Heilpflanzen tatsächlich eine heilende Wirkung
haben.
DIE WORTLOSE SPRACHE DES KLOSTERGARTENS
Der Garten von Kloster Arenberg reiht sich ein in die
lange Geschichte und Tradition der Klostergärten.
Ein großer Garten mit über
300 Obstbäumen, meditative Innenhöfe, die
zum Verweilen und Beten einladen und ein Kräutergarten
mit über 30 Heilpflanzen dienen den Gästen
des Klosters zur Anschauung und Erholung. Auch in unserer
Gartenanlage befinden sich Wegekreuze - durchkreuzte
Wege - die unseren christlichen Weg symbolisieren, runde
Beete als Zeichen für die Ewigkeit und quadratische
als Symbol für das Vergängliche.
Den Garten mit allen Sinnen erleben bedeutet für
mich sehen, was das Auge aufnehmen kann, die Formen
und Farben, die Gestaltung der Anlage, die Weite und
Großzügigkeit.
Es bedeutet auch, den Duft und den Geschmack der Pflanzen
wahrzunehmen und zu verkosten, ihre unterschiedlichen
Gerüche, den bitteren wie den süßen
Geschmack. Können Sie einen Garten auch hören?
Ich finde, er spricht in einer wortlosen Sprache. Die
Sprache der Schönheit, der Fülle, des schöpferischen
Reichtums. Es ist aber auch eine Sprache, die uns lehrt,
wie vergänglich diese Welt ist, zeitlich begrenzt.
Ich höre die Botschaft vom Wachsen und Gedeihen,
vom Frucht bringen und Vergehen. Für mich ist es
die Botschaft der Liebe Gottes zu seinem Geschöpf.
Welche Pflanzen wachsen in einem Klostergarten?
Sie finden bei uns Heilpflanzen, die auch im St. Gallener
Klosterplan erwähnt werden, wie Salbei, Pfefferminze,
Fenchel, Liebstöckel, Rosmarin, Krauseminze und
Rosen, ebenso Petersilie, Kerbel, Koriander, Knoblauch
und Zwiebeln. Aber auch solche, die Walahfrid Strabo
auf der Insel Reichenau in seinem Garten anbaute:
Wermut, Brennnesseln, Eberraute und Mariendistel. Wir
haben unseren Kräutergarten nach unterschiedlichen
Themen gegliedert. Im Apothekergarten befinden sich
16 Beete mit verschiedenen Indikationen. Er ist ein
Lehrgarten und will die Besucher darüber informieren,
welche Pflanzen bei welcher Erkrankung hilfreich sind.
So befinden sich z.B. in den beiden Beeten für
Magen - und Darmerkrankungen: Minzen, Leinsamen, Fenchel,
Estragon, Kamille und Kerbel. Im Beet, das Pflanzen
enthält, die eine beruhigende Wirkung haben, finden
sich Zitronenmelisse, Lavendel, Johanniskraut, Baldrian
und Hopfen.
Heilpflanzen, die bei Erkältungen helfen sind z.B.
Holunder, Lindenblüten, Thymian, Roter Sonnenhut,
Spitzwegerich, Königskerze, Malven, Älant,
Lungenkraut und Mädesüß.
In unserem sog. „ Duftgarten“ wachsen Pflanzen,
die viele ätherische Öle enthalten und daher
stark duften, wie z.B. verschiedene Minzen, unterschiedliche
Salbeiarten, Thymian, Melissen und etliche Küchenkräuter,
wie Oregano, Basilikum, Borretsch, Schnittknoblauch
und Zwiebel. Umrandet wird der Duftgarten von Rosen,
Lavendel, Flieder und Jasmin.
Auf einem 2000 qm großen Feld bauen wir Kräuter
an, mit denen wir unseren täglichen Teebedarf abdecken.
Einjährige, zweijährige und mehrjährige
Pflanzen wechseln miteinander ihren Standort. Auch das
Brachejahr und die Gründüngung werden berücksichtigt.
In Beetreihen von 6o m Länge blühen blaue
Malven, orange Ringelblumen, gelbe Königskerzen,
Zitronenmelissen, Johanniskraut, Salbei und Muskatellersalbei,
Schafgarbe, blauer Lavendel, Fenchel, lila blühender
Drachenkopf, Frauenmantel, Eibisch, Kamille, Spitzwegerich
und natürlich Minzen. Dazwischen befinden sich
einige Küchenkräuter wie Schnittlauch, Petersilie
und Borretsch.
Diese Kräuter werden von Juni bis September geerntet
und auf einem großen Dachboden zum Trocknen ausgelegt.
In fünf verschiedenen Teemischungen verarbeiten
wir unseren Kräutervorrat. Neben täglich frischem
Tee für unsere Gäste können diese Teesorten
auch in unserem Klosterladen erworben werden - solange
der Vorrat reicht! Für einen Versand von Kräutern
reichen die geernteten Mengen nicht aus. Neben den verschiedenen
Teesorten stellen wir auch Johanniskrautöl und
-tinktur her, sowie Ringelblumensalbe.
Für die Küche haben wir Essige und Öle
kreiert, die ebenfalls im Klosterladen erhältlich
sind. Neben den „kultivierten“ Kräutern
ernten wir in der Zeit von März bis Mai auf unseren
Wiesen auch Wildkräuter. Daraus entstehen herrliche
Salate, Salatsoßen und Pestos.
Mit unseren Angeboten möchten wir
den Gästen unseres Hauses die Freude an der Natur,
ihre unvorstellbare Vielfalt und den Reichtum, den sie
für uns Menschen bedeutet, näher bringen.
Wöchentliche Informationsangebote und die Mithilfe
bei der Pflege und Ernte werden von vielen Hausgästen
gerne genutzt, sei es, um sich Wissen über die
Heilpflanzen anzueignen, um kleine Rezepte für
den eigenen Bedarf kennen zu lernen oder auch um sich
in meditativer Weise der Natur zuzuwenden und sie z.B.
beim Pflücken von Malven zu genießen. Nicht
zuletzt ist es eine Freude und Bereicherung, Menschen
kennen zu lernen, die sich ebenfalls für Heilpflanzen
interessieren und mit ihnen Erfahrungen auszutauschen.
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