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Auftanken im Kloster

Fango, Wassertreten, Meditation - die Dominikanerinnen im Kloster Arenberg in Koblenz bieten Entspannungs-Suchenden in ihrem "Vitalzentrum" eine Mischung aus Spiritualität und Wellness. Unter dem Motto "erholen -begegnen - heilen" haben sie das alte Leitmotiv des Ordens für den heutigen Menschen umgeschrieben.


Von Petra Altmann
Fotos
Petra Altmann und Kloster Arenberg

 


Der Blick auf den Rhein ist traumhaft. Allein schon aus diesem Grund lohnt sich der Weg hinauf zum Kloster Arenberg. Exponiert liegt es oberhalb von Koblenz, umgeben von einem großzügigen Park.
Die im Kloster lebenden Dominikanerinnen haben nach einem aufwändigen Umbau im Sommer 2003 ein so genanntes Vitalzentrum eröffnet. Hier sollen die Gäste rundum betreut werden:
Anwendungen für den Körper, Meditation für den Geist, Gesprächsbegleitung für die Seele.
Das Konzept war im Kloster nicht unumstritten. Lange haben die 64 Ordensfrauen diskutiert, wie es 2000 nach der Schließung des Kneipp Sanatoriums, das seit den 50er Jahren zum Kloster gehörte, weitergehen sollte. Eine Veränderung war notwendig geworden, weil Ausstattung und Angebotspalette des Sanatoriums völlig veraltet waren. Als Folge blieben die Gäste aus. Die Einrichtung war nicht mehr rentabel. Die Dominikanerinnen waren aber auf eine neue Haupteinnahmequelle angewiesen.
Viele Ideen kamen auf den Tisch, Arbeitsgruppen wurden gebildet. Einige Ordensfrauen plädierten für eine Erweiterung des Gästebereichs. Andere - vor allem die Älteren - befürchteten, dass aus dem Ort der Stille und des Gebets ein geschäftiger übernachtungsbetrieb werden könnte. Andererseits lautet das Leitmotiv der Dominikanerinnen "Heilende Liebe". Also der eindeutige Auftrag, für Menschen da zu sein.
Doch nach was suchen die Menschen, wo kann man ihnen Perspektiven bieten? Ein neues Konzept sollte schließlich auch an die oKernkompetenz der Arenberger Klosterfrauen anknüpfen. Schnell kam der trendige Begriff "Wellness" auf den Tisch, der den Schwestern allerdings heute noch nicht behagt.
"Wir wollten keiner modischen Eintagsfliege hinterher rennen", so Schwester Scholastika, mit 39 Jahren eine der Jüngeren im Kloster. Sie hat wesentlich bei der Umsetzung des neuen Konzepts mitgewirkt.
Schließlich besann man sich auf seine Erfahrungsschwerpunkte: Spiritualität, Kurbetreuung, Wasser als Heilmittel, Ernährung, Kräuterei. Auf diesen fünf Säulen, die an das Kneippsche Prinzip angelehnt sind, basiert das neue Konzept von Kloster Arenberg. Im Logo "erholen -begegnen - heilen" wird es deutlich. Damit war die Entscheidung gefallen, das Kloster grundlegend umzubauen. Denn man wollte möglichst viele Gäste unterbringen. Schließlich steht das Kloster in Konkurrenz zu anderen Wellness-Anbietern. Der Bau des neuen Hauses für 100 Gäste, mit Schwimmbad, Sauna, Räumlichkeiten für die physiotherapeutischen Anwendungen, Kirche, Speisesaal, Aufenthaltsräumen bedeutete einen enormen finanziellen Kraftakt für das Kloster.
Die Sorge um die Wirtschaftlichkeit des Projekts ist den Dominikanerinnen bis heute geblieben - auch wenn die ersten Monate nach Eröffnung sehr erfolgreich waren. Die Preise sind auf Selbstkostenbasis kalkuliert. Die Nachfrage ist sehr groß, im Schnitt sind immer mindestens 50 Prozent der Betten belegt.
Mit der Kombination aus Wellness und Spiritualität haben die Dominikanerinnen offenbar ins Schwarze getroffen. Besonders die Kräuterei ist ein Renner. Hier können die Gäste mitarbeiten und Infos bekommen. "Viele Gäste sagen uns: Genau das haben wir immer gesucht", berichtet Schwester Scholastika. "Während früher fast nur ältere Damen kamen, sind es nun mehr und mehr jüngere Menschen. Manche sind so begeistert, dass sie innerhalb der letzten Monate sogar mehrmals hier waren." Viele Gäste wollen erst
einmal nur die Wellness Angebote nutzen: Fango, Brandungsbad, Crystalbad, Heusäcke, Kneipp-Anwendungen. Wenn sie dann die Atmosphäre des Klosters spüren, nehmen viele auch die spirituellen Angebote wahr. Der täglich um acht Uhr statt findende 20-minütige "Morgenimpuls", eine Kombination aus Musik, Gebet und Stille, ist sehr gefragt. Ebenso die Meditations-Stunden.
Auffallend ist, wie sehr die Gäste das Gespräch suchen. Sowohl untereinander als auch mit den spirituellen Be treuern. Hierfür stehen Martin Hofmeir, Theologe und Psychologe, und Schwester Scholastika selbst zur Verfügung. "Die existenzielle Not ist doch sehr groß. Viele suchen nach neuen Lebensperspektiven, und da versuchen wir, Hilfestellung zu leisten", stellt sie fest. Vermehrt fragen die Gäste daher auch nach Exerzitien.
Großes Interesse zeigen viele Besucher auch an der Klostergemeinschaft selbst. Dies hat diejenigen Ordensfrauen, die dem neuen Konzept sehr skeptisch gegenüberstanden, doch sehr beruhigt. Dennoch bleibt bei manchen Schwestern die Angst, dass das Klösterliche verloren geht. Größere Gruppen, die geschlossen kommen und im Kloster ein Eigenleben führen, will man deshalb nicht mehr aufnehmen. Die Stille muss nach Wunsch der Dominikanerinnen unbedingt erhalten bleiben.
Den Schwestern geht es vor allem darum, ein ganzheitliches Angebot zu schaffen, bei dem die Menschen immer auch Spuren von Gott finden sollen.
Die Suche nach dem optimalen Weg bleibt aber nach wie vor eine Gratwanderung:
einerseits als Kloster ein Ort der Stille zu bleiben und andererseits als Unternehmen rentabel zu wirtschaften.




Hinter der historischen Fassade des Klosters Arenberg haben die Ordensfrauen umfassende bauliche Veränderungen vorgenommen, um ein ganzheitliches Angebot zu machen.


Musik, Gebet und Stille. Viele Gäste suchen neben körperlicher Erholung auch geistliche Impulse im Kloster.


Die Schwestern suchen den Einklang zwischen Wellness-Angeboten und klösterlicher Gemeinschaft.


Idyllische Parklandschaft lädt zum Spaziergang und Verweilen


Neben Fango, Crystalbad, Heusack und Kneippanwendungen kann man auch im hauseigenen FitnessRaum trainieren.


Beim Wassertreten ala Kneipp können müde Zeitgenossen ihren Kreislauf wieder richtig in Schwung bringen.


Zu den vielen Wellness-Angeboten gehört auch ein Schwimmbad des Klosters. In ihm können Stress-Geplagte neue Energie schöpfen und sich körperlich wieder fit machen.



 


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