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Wassertreten und Morgenlob für Ausgebrannte


"Beim Herrn ist nichts unmöglich", sagten sich die Dominikanerinnen in Arenberg und bieten in ihrem Kloster
eine Ruhe-Oase an.

Von Ulrike Millhahn

Geht das überhaupt? In der Jogginghose frühmorgens um sechs am Morgenlob der Nonnen im ehrwürdigen Schwesternchor teilzunehmen? Und anschließend gleich zum Tautreten und zur Morgengymnastik zu starten? Für die Dominikanerinnen in ihrer knöchellangen weißen Tracht und dem schwarzen Schleier ist dies inzwischen ein gewohnter Anblick. Bereitwillig rücken sie zusammen und nehmen die Gäste freundlich in ihrer Mitte auf.
Vor einem knappen Jahr haben die 67 Ordensfrauen des Klosters Arenberg bei Koblenz nach einem 19-monatigen Umbau ihre Türen für Frauen und Männer geöffnet, die im Urlaub Leib und Seele neu in Einklang bringen und alle Sinne wieder spüren möchten. Das kann bei den traditionellen Stundengebeten sein, beim Tautreten, bei der Aqua-Fitness unter fachkundiger Anleitung oder beim eher ökumenisch gestalteten Morgen- und Abend-Impuls mit Gesang und spirituellen Anregungen. "Jeder Gast, gleich welchen Glaubens und welcher Lebenssituation, soll sich in seinem Suchen und Fragen, in seinen Hoffnungen und Ängsten verstanden, angenommen und aufgenommen fühlen" - so steht es im neuen Leitbild "Erholen. Begegnen. Heilen", um das die Nonnen lange gerungen haben. "Noch ist unser Konzept am Wachsen", sagt die 39-jährige Schwester Scholastika. Sie ist eine der treibenden Kräfte der kleinen Revolution, die sich vor vier Jahren anbahnte.
Die Zeiten, in denen sich bis zu 700 Schwestern der Gemeinschaft in 42 Niederlassungen zwischen Koblenz und Berlin um Arme, Kranke, Behinderte und verlassene Kinder kümmerten, sind längst vorbei. Heute ist ihre Zahl auf 220 geschrumpft, im Mutterhaus liegt der Altersdurchschnitt bei 73 Jahren.
Nachdem das Kneipp-Kurheim, das die Nonnen 50 Jahre lang im Mutterhaus am Arenberg unterhielten, unrentabel und marode geworden war, suchten im Jahr 2000 alle Schwestern gemeinsam nach einem zeitgemäßen Konzept: "Wir wollten unserem Haus noch mal eine Zukunft geben, und zwar für die Menschen mit ihren Nöten von heute", erzählt Schwester Scholastika. Arenberg sollte zu einem modernen "Erfahrungsort Gottes" werden. Die Nonnen steckten alle Ersparnisse, die aus ihren Gehältern als Kinder-, Kranken- und Altenpflegerinnen sowie aus dem Verkauf von Immobilien und aus Schenkungen stammten, in das neue Projekt. Für 15 Millionen Euro wurde umgebaut, ohne Hilfe der Kirche oder des Staates, dafür mit professioneller Unterstützung von Architekten und Unternehmensberatern.
Entstanden ist ein fünfstöckiger lichtdurchfluteter Neubau, der alle Gebäude harmonisch verbindet. Hoch unter dem Dach ist die neue Gästekapelle installiert, mit atemraubendem Blick ins Rheintal und in die Eifel. Ins Untergeschoss kam ein Vitalzentrum mit Schwimmbad, Sauna, Physiotherapie und Fitnesscenter. Brandungsbäder, Licht- und Aroma-Therapie runden das Angebot ab. In den freundlichen modernen Zimmern finden bis zu 100 Gäste Platz.
Arenberg scheint nicht nur für die ältere, sondern auch für die mittlere Generation zu einer Oase des Auftankens zu werden. Die 38-jährige Gisela sagt: "Hier finde ich das, was ich im Alltag so vermisse: Ruhe und vor allem Nächstenliebe. Eine andere Besucherin fasst ihre Erfahrungen im Gästebuch so zusammen: "Wo nichts passiert, geschieht sehr viel." Wer sich der Stille stellt und das Loslassen wagt, braucht oft seelsorgerliche Einzelgespräche, beobachten Schwester Scholastika und der Theologe und Psychologe Martin Hofmeir. Der 40-Jährige wurde speziell für diese Aufgabe und für die Entwicklung spiritueller Angebote eingestellt.
"Die seelische Not ist groß. Viele Menschen suchen hier nach Sinn und neuen Lebensperspektiven", ist ein erstes Fazit der beiden. Die Dominikanerinnen wollen mit ihren ganzheitlichen Angeboten für Körper, Geist und Seele eine Brücke schlagen zwischen ihrer Frömmigkeit und den Suchbewegungen der oft ausgebrannten Gäste. Deshalb haben sie mit ihren Türen auch ihre Herzen geöffnet. Dies spürt der Gast, der aufmerksam und liebevoll begleitet, aber nie bedrängt oder gar missioniert wird. Er darf allein sein und ist dabei nie einsam. Die Schwestern wissen, dass es ein Balanceakt ist, die Stille zu bewahren und dennoch als Unternehmen mit 75 fest angestellten Mitarbeitern kostendeckend zu arbeiten. Obwohl sie nur mit Selbstkostenpreisen kalkulieren, ist die nötige Auslastung von 70 Prozent noch nicht erreicht. Doch sie vertrauen auf Gott und verkünden: "Wenn auch nicht wenige Gottgeweihte heute aus Resignation lachen wie Sara, die altgewordene unfruchtbare Frau Abrahams, so müssen sie sich wie diese fragen lassen: Ist beim Herrn etwas unmöglich?"

Gut zu Fuß: Kurgäste im Kneipp-Wasserbecken. Körperliche Betätigung ist Bestandteil des Konzepts "Erholen, Begegnen, Heilen".

 

 

Am Empfang:
Schwester Gertrud weist die Gäste in die Gepflogenheiten des Hauses ein.

 

 

Im Kräutergarten:
Schwester Irmingard pflückt Kräuter für die Klosterküche.
Auch Teepflanzen werden hier angebaut.

 

INFO

Kloster Arenberg
Dominikus, der Gründer des Ordens, wurde etwa 1173 in Kastilien geboren. Er führte ein zurückgezogenes Leben und sah seine Hauptaufgabe im liturgischen Gotteslob. Vom Papst erhielt er den Auftrag, die römischen Frauenklöster zu reformieren. Im Jahr 1221 gründete Dominikus das erste Reform-Kloster für Schwestern bei San Sisto in Rom.
Die Gründerin der Arenberger Gemeinschaft, Mutter Cherubine Willimann, wurde 1842 im Schweizer Kanton Luzern geboren. In einem eher kontemplativen Frauenkloster in Schwyz wurde die Novizin nicht aufgenommen, weil sie, kurzsichtig und körperlich schwach, den Anforderungen einer Dominikanerin nicht entsprach. So verschlug es sie 1868 mit einer Handvoll Schwestern zu dem neu zu gründenden Kloster Arenberg. Cherubine, die Gottesdienst als praktische Nächstenliebe verstand, milderte die Abgeschlossenheit des strengen Klausurlebens so weit, dass ihre Schwestern den Hilfesuchenden ihrer Zeit beistehen konnten. Als sie 1914 starb, umfasste ihre Gemeinschaft
662 Ordensfrauen in 42 Niederlassungen zwischen Koblenz und Berlin. Sie sorgten für Arme, Kranke, Behinderte und verlassene Kinder.

ZITIERT
"Darum lasst uns hier oben unter dem Himmel schweigen und die Stille suchen damit Gott laut werden kann in unserer Mitte und wir unserer tiefsten Sehnsucht nahe kommen."
Inschrift in der neuen Kapelle des Klosters Arenberg

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