IMPULS FÜR DEN MONAT OKTOBER 2017

Löcher

ln den vergangenen Wochen habe ich leider mehrmals in Strickjacken und Langarmshirts kleine Löcher entdeckt. Ich weiß nicht, ob sie durch die Waschmaschine entstanden sind, durch Motten - keine Ahnung. Da ich die Kleidung noch tragen möchte, habe ich mich an das Ausbessern der Löcher begeben. Und dieses Unterfangen ist nun mein Impulsgeber!

Ich schau mir also das Loch (das blöde, das so unschön ist) genauer an und tue etwas dafür, dass das Loch nicht noch größer wird. Dann fädle ich ein Stopfgarn in möglichst passender Farbe in die Nadel ein, mache einen Anfangsknoten im Gewebe neben dem Loch und dann überbrücke ich das Loch, nutze noch vorhandene Gewebefäden, knüpfe an der gegenüberliegenden Seite an, hin und her, drunter und drüber, so lange, bis das Loch zu und wieder ein geschlossenes Gewebe ist. So ist es repariert und hält hoffentlich eine Weile oder lange. Und die Löcher im Leben? Mir fallen dazu der Verlust von Menschen durch Trennung und Missverständnis ein, Umzug, Arbeitswechsel, Älterwerden mit Beschwerden; Momente der Verunsicherung, wie es weitergeht in meinem Leben; Vorstellungen und Erwartungen, die unzureichend sind; etwas, das nicht mehr trägt, nachdem es doch eine Zeit Gültigkeit hatte...

Dieses Loch hat sich plötzlich oder fast unmerklich aufgetan und wurde - vielleicht schmerzlich - spürbar. Wir schauen dann auf das Loch und vermissen, bedauern, beklagen, was fehlt und vorher da war. Und dieser Schritt der Würdigung ist angebracht und gut.

Irgendwann bringt es dann aber nichts mehr nur auf das Loch zu starren: auf das, was alles nicht mehr ist. Und dann geht es so, wie beim Stopfen der Socken, des Versehrten Stück Stoffes: Dann arbeite ich mit dem Gewebe, das vorhanden ist. Ich fixiere nicht, was ich alles nicht weiß in dieser Situation, sondern ergründe das, wofür ich bei aller Unsicherheit der Situation eine Klarheit habe.

Was sind denn die Kräfte und Fähigkeiten, über die ich verfüge? Welche Freunde, Menschen, können beistehen und unterstützen? Was geht und funktioniert denn die ganze Zeit immer noch? Was ist da, mit dem ich arbeiten kann? Woran kann ich anknüpfen? Was ist das Verbindende, das das Getrennte überwinden hilft? Ausgehen von und arbeiten mit dem, was vorhanden ist!

Heute Abend kümmere ich mich um ein Loch in einem Wollsocken. Ich möchte warme Füße haben im Herbst und Winter!

 

 


Herzliche Grüße aus
Kloster Arenberg!
Ihre Elke Hübers





Foto: congerdesign, pixabay

 

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