Als ich neulich im Kino war - es lief der Film "The way back" -, hätte ich am Schluss beinahe eine Kniebeuge gemacht. Vermutlich weil ich so ergriffen war von der Hingabe und Versöhnungsbereitschaft des Hauptdarstellers. Oder weil ich es im Kino ähnlich handhabe wie im Gottesdienst: ich gönne mir die volle Zeit des Abspanns bzw. des abschließenden Orgelspiels, sitze manchmal noch ganz allein in der Kino- bzw. Kirchenbank und lasse das Geschehen noch eine gute Weile in mir nachwirken.
Auch wenn man oft nur wenig Zeit hat, kann es ein Segen sein, sich eine kleine Zwischenzeit zu gönnen, bevor man zum Nächsten übergeht. Eine evangelische Pfarrerin erzählte mir, es sehr zu bedauern, dass sie so wenig Zeit habe, um die vielen Begegnungen und Ereignisse verarbeiten zu können. Ist ein Termin zu Ende, kommt schon die nächste Sitzung, Schulstunde, Festvorbereitung etc. Eine gewisse Ausnahme, sagte sie, seien die Beerdigungen, weil beim anschließenden Kaffee noch manches aus- und nachklingen könne. Dabei kommen mir auch die vielen Klostergäste in den Sinn, die unseren stillen Speiseraum aufsuchen, um das Erlebte und das Essen wirklich verkosten zu können.
Eine gute Gelegenheit, um innezuhalten und nachwirken zu lassen, ist für viele die Zeit um die Jahreswende, indem man chronologisch mit Kalender und Tagebuch oder einfach spontan im Inneren aufsteigen lässt, was wesentlich war im vergangenen Jahr. Im wohlwollenden Nachsinnen und Nachspüren - auch der bitteren Erlebnisse - können sich wichtige Erfahrungen in Erinnerung bringen,
klären, vertiefen oder sogar zum Wegweiser für das neue Jahr werden.
Mein eigener Jahresrückblick hat diesmal schon Mitte Dezember auf einer längeren Zugfahrt und in einem gemütlichen Café stattgefunden. Voller Dankbarkeit durfte ich auch an viele Begegnungen und Erfahrungen hier im Kloster denken. Unter anderem wurde mir bewusst, wie wichtig für viele Gäste und
für mich selbst das freie Tanzen (Biodanza!) und das Segnen geworden sind.
So grüße ich Sie, ob bekannt oder unbekannt, mit erfülltem Herzen und wünsche Ihnen ein gesegnetes Neues Jahr. Möge GOTT Ihnen viel Gutes und auch gute Gelegenheiten zum Nachwirkenlassen und Verkosten bescheren!
Martin Hofmeir
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