… konnten wir am Nachmittag des 26. August etwas erahnen, als sich über Koblenz in kurzer Zeit die Wolken zusammenbrauten, verdichteten und wie aus dem Nichts ein Sturm losbrach, der beängstigend und lebensbedrohlich wirkte und von einer Frau am Rheinufer auch das Leben
forderte.
In wenigen Minuten kann sich die Welt um uns herum dermaßen verändern, dass wir nur noch sprachlos die Auswirkungen des gewaltvollen Naturereignisses anstarren.
Der Evangelist Matthäus beschreibt im 8. Kapitel, Vers 23-27, eine ähnliche Situation. Da rudern die Jünger mit Jesus über den See, ein Sturm bricht los und versetzt die Insassen in Todesängste. Jesus selbst liegt im Boot – und schläft! Ein Sturm bricht los, der alles mit sich zu reißen scheint, was nicht
tief und fest verankert ist.
Solche Ereignisse machen uns Menschen Angst. Nichts scheint mehr an seinem sicheren, geordneten Platz stehen zu bleiben. Alles gerät ins Wanken. Was bleibt? Was wird nachher sein?
Auch im übertragenen Sinn kennen wir solche Stürme: plötzlich auftretende, vielleicht unheilbare Krankheiten, zerbrochene Beziehungen, Arbeitslosigkeit, der Verlust eines geliebten Menschen… . Auch hier die quälenden Fragen:
Was wird? Wie soll ich das überstehen? Wie wird es weiter gehen?
Die Jünger in ihrer lebensbedrohenden Situation schreien zu Jesus und flehen um Rettung.
Und Jesus, was antwortet er ihnen? „Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen?“ Die Frage Jesu, ich glaube, wir alle könnten sie leicht beantworten. Wir haben Angst, weil wir nicht wissen, ob es gut ausgeht; wir haben Angst, weil wir uns vor dem Verlust fürchten; wir haben Angst, weil bisher
geglaubte Sicherheiten keine Sicherheit mehr bieten; wir fürchten uns vor dem Schmerz, er könnte uns zerbrechen.
Unsere Angst zeigt uns allerdings auch, wie weit wir uns entfernt haben vom Ur-Vertrauen, das Kinder in ihre Eltern haben. Das Leben hat uns Wunden zugefügt und wir neigen dazu, alles Schmerzliche negativ zu interpretieren.
Jesus zeigt uns, dass es anders ist. Auch er kennt Ängste, Todesängste. Er kennt abgrundtiefen Schmerz, körperlichen und sicher auch seelischen, der – scheinbar – das Leben kostet. Er hat das Leid nicht gesucht, aber er ist ihm auch nicht ausgewichen. Er hat die Situationen so genommen wie
sie waren und hat sich ihnen gestellt. Sein Tod, so glauben wir Christen, hat die Macht des Todes überwunden. Er ist aus dem Tode auf-erstanden.
Das gilt auch für uns, die wir an ihn glauben. Durch den Schmerz, durch die Angst hindurch finden wir ins Leben. Wir finden neues Leben, das keine Verlustängste mehr kennt.
Wenn wir glauben, dass Jesus alle Wege für uns gegangen ist, dürfen wir auch vertrauen, dass er alle Wege mit uns gehen wird, insbesondere die stürmischen, scheinbar
ausweglosen, schmerz – und angstvollen Wege.
Wir sind nicht allein. Er ist da, wo immer wir sind, denn ER, das LEBEN liebt alles Lebendige.
„Wie eine Adlermutter ihre Jungen
unter ihren Flügeln schart,
so ist Gott unser Schutz vor dem Sturm.
Wie hilflose Küken nicht fliegen können,
eilen wir in ihr weiches, warmes Versteck.
Der Wind zerrt an ihr,
doch unter den Federn sitzen wir geschützt.
Wir nehmen ihre Wärme und Stärke auf;
Sie ist unsere Sonne und unser Fels,
bis der Sturm vorüber ist
und wir erneut unsere Flügel erproben.“
Joyce Denham
Von Herzen wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, tiefes Vertrauen in den Herrn aller Stürme und die Erfahrung, dass er für Sie DA ist.
Sr. M. Josefa op
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