Es hat sich bereits herumgesprochen, dass Jesus „alles Gebrechen heil macht und alle Behinderungen im Volk“ (Mt 4,23). Kein Wunder also, dass sie scharenweise hinter ihm her sind und sehen und hören wollen, was er tut und sagt. Was mögen sie erwartet haben, als er auf einen Berg steigt, damit sie ihn besser sehen und hören können? Was würde ich erwarten? Sicher nicht die folgenden Worte:
„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz
seinen Witz verliert, womit soll gesalzen werden?
Zu nichts taugt es mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zerstampft zu werden. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die hoch auf dem Berg liegt, kann sich nicht verstecken. Man zündet
auch keine Leuchte an und stellt sie unter den Krug, sondern auf den Leuchter: Dann strahlt sie allen im Haus. So erstrahle euer Licht vor den Menschen, auf dass sie sehen eure guten Taten und
verherrlichen euren Vater – den in den Himmeln.“ (Mt 5,13-16)
(Übersetzung von Friedolin Stier)
Neben unsere menschliche Erfahrung von mancherlei Gebrechen und allen möglichen Behinderungen stellt Jesus Worte der Zusage: "Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt"! Jesus sagt nicht: "Ihr sollt Salz und Licht sein", sondern: "Ihr seid… " . Er stellt das, was wir sind, nicht zur
Diskussion und er sagt auch nicht: „Plagt euch, damit ihr Salz und Licht werdet". Jesus sortiert auch nicht aus und sagt nicht, der eine ist Salz und Licht, der andere nicht. Sein Wort gilt allen, die ihn hören.
Diesen Worten der sogenannten Bergpredigt geht voraus, dass Jesus erstmals in die Öffentlichkeit tritt und verkündet:
"Kehrt um! Denn genaht ist das Königtum der Himmel!"
Immer wieder stelle ich erstaunt fest, wie sehr Jesu Worte meine tiefste Sehnsucht berühren. Was ich in diesen Worten höre ist der Aufruf: Hört auf, euer Ego in den Mittelpunkt zu stellen. Seht den ganzen Menschen und Gottes Wirklichkeit in Euch. In unseren christlichen Kirchen vermisse ich so sehr diesen Blick auf das "Königtum der Himmel", den Blick auf Gottes Wirklichkeit in uns. Ich habe den Eindruck, wir machen viel; aber nehmen wir das wirkliche Leben in uns wahr? Es sind nicht die großen Taten, sondern die guten Taten, von denen Jesus spricht und die dazu führen, dass der Vater, der Schöpfer alles Guten, gepriesen wird. Die guten Taten mögen so unscheinbar sein, wie Salzkörner in der Suppe, sie sind aber für den Wohlgeschmack des Lebens ebenso unentbehrlich.
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Wir sind „nur“ das Licht. Das Licht selbst ist nicht zu sehen, sondern es macht sichtbar, was da ist. Es zeigt die ganze Farbpalette des Guten
und Unguten.
So kommt Gott ins Spiel, seine Liebe, seine Menschlichkeit, seine
Freude an uns Menschen …
Sr. M. Josefa op |
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