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IMPULS FÜR DEN MONAT JUNI 2011

Mitten am Tag und mitten im Garten

01.06.2011

Seit Wochen gibt es in Koblenz vor allem andern besonders ein Thema: Die Bundesgartenschau. In unserem näheren und weiteren Umfeld löst sie Staunen und Faszination aus. Sie vermag es, die Stimmung einer ganzen Stadt zu prägen und unzählige Menschen aus Nah und Fern anzuziehen. Es scheint so, als verbreite sie eine ansteckende Freude und vermag es, Menschen zu begeistern, mich selbst eingeschlossen. Überrascht nehme ich wahr, wie friedvoll Menschen an diesem Ort miteinander umgehen, die Schönheit der Natur und ihre Ruhe genießen. Wird sie hier sichtbar, die Sehnsucht
des Menschen nach dem Paradies?

Im Buch Genesis im Alten Testament heißt es:

„Dann legte Gott,
der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin
den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus
dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen
und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den
Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und
Böse“ Gen 2,9

In der Mitte, d.h. dort, wo das Herzstück ist, stehen der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis. In der Mitte dieses ersten Gartens steht das, was uns Menschen ausmacht, unsere
Lebendigkeit und unsere Freiheit. Diesen ursprünglichen Garten musste der Mensch verlassen, um seine Freiheit zu leben. Die Sehnsucht nach diesem geschützten Ort der Fruchtbarkeit und
des Lebens hat den Menschen wohl nie verlassen. Die Gärten aller Zeiten und Kulturen sind der Versuch, etwas von diesem himmlischen Ort auf die Erde zu holen.

Mitten am Tag und mitten im Garten darf ich innehalten und mich geborgen und geschützt an einen stillen Ort zurückziehen.

Mitten am Tag und mitten im Garten kann eine innere Haltung beschreiben, wenn wir z.B. beim Gärtnern des eigenen Gartens „aufgehen“, oder uns das Herz aufgeht beim betrachten all der schöpferischen Vielfalt, dann, wenn wir uns in unserer Mitte fühlen.

In der Mitte des Gartens, so heißt es in der Schöpfungserzählung, setzte Gott den Baum des Lebens. Die Mitte oder das Herz des Gartens ist auch in uns selbst verborgen. Das Herz des Gartens sind die unsichtbaren Antriebskräfte.

Mitten im Garten können wir das gedeihliche Zusammenwirken von Erde und Himmel erfahren, in unserem Herzen entdecken.

Mitten im Garten bedeutet mitten im Leben, mitten in der Liebe und der Leidenschaft für das Leben. Die Mitte eines Gartens ist nicht die Arbeit, sondern die Lust und die Freude.

Das Innehalten in der Tagesmitte kann Orientierung ermöglichen. Was brauche ich in der Mitte meiner Tage, was brauche ich als Mitte meines Lebens? Was nährt mich, was belebt mich, was gibt mir geistigen und körperlichen Antrieb für die Aufgaben, die anstehen? In der Mitte des Tages kann ich
wie durch einen Garten gehen und schauen, was hinter mir liegt und was ich als lohnenswert vor mir
sehe ...

Ich werde still.
Gott meines Lebens,
ich finde mich vor dir ein mitten am Tag.
Mit meinem Leib, mit meinem Atem,
mit meinem Denken und Fühlen,
so wie ich jetzt bin.
Mit jedem Ein–und Ausatmen möchte ich stiller
und hörender werden.
Ich möchte mich von dir einladen lassen, innezuhalten.

Ich bin gefüllt mit allem,
was der Tag bis jetzt gebracht hat.
Ich lasse diesen Vormittag noch einmal
an mir vorüber ziehen, Stunde um Stunde,
Ort für Ort, Begegnung für Begegnung.
Ich lasse Geschehnisse, Gedanken und Gefühle
noch einmal aufsteigen.

Ich will dich loben mit allem,
was den Glanz deiner Gegenwart hat.
Ich will dir danken für alles,
was ich tun konnte und was mir gelungen ist.

Ein Abend auf dem Gelände der Festung Ehrenbreitstein brachte mich auf den Gedanken, dass wir Koblenzer derzeit einen großen gemeinsamen GARTEN haben, da wir hier kaum ein paar Schritte gehen können, ohne dass wir Bekannte treffen, mit denen wir unsere Freude und
Begeisterung teilen.

So mag es dereinst im Paradies sein, wenn wir immer wieder unsere Freude miteinander teilen und uns an der Herrlichkeit Gottes nicht satt sehen können.

Sr. M. Josefa op



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