Immer noch und immer wieder begleiten mich die Werke der Barmherzigkeit, die das Bistum Erfurt im Jahr der Heiligen Elisabeth 2007 für Thüringen neu formuliert hat. Im März haben wir uns in Kloster Arenberg in den Morgenimpulsen in einer Woche von diesen Werken bewegen lassen.
Im Blick auf Ostern rührt mich besonders tief an, einem Menschen zu sagen:
„Du gehörst dazu!“
Wenn ich das höre, mir zusprechen lasse und mir selbst gewähre, atme ich auf, bekomme ich Luft und Raum zum Sein. Wir sind zutiefst empfänglich für dieses „Du gehörst dazu“ oder eben „Du
gehörst nicht dazu“. Ein Geschenk, eine Gabe, eine Wohltat das eine, etwas, das uns quälen und verunsichern kann, das andere. Was tun wir nicht alles, verleugnen uns, um unsere Sehnsucht nach
Zugehörigkeit zu nähren.
Gott ist unablässig dabei uns zu sagen: „Du gehörst dazu.“ Und nicht erst, wenn wir uns in bestimmter Weise verhalten, Bedingungen erfüllen. Seine Grundgabe ist die Zugehörigkeit, die Gemeinschaft, die er uns anbietet, immer wieder…
Diese unendliche Barmherzigkeit hat der Künstler des Kapitells "Jesus trägt Judas auf seinen Schultern" wohl in seiner ganzen Reichweite in der Basilika Ste Marie-Madeleine de Vezelay zum
Ausdruck bringen wollen.
Ich meine zu sehen, wie Jesus leidet, den Tod des früheren Gefährten bedauert. Judas schätzte die Barmherzigkeit Gottes nicht so hoch ein, dass er hätte eine andere Lösung sehen können, als sich selbst auszuschließen und sich das Leben zu nehmen.
Das Kapitell könnte uns sagen wollen: Gott lässt Judas und uns in dieser Einsamkeit nicht enden, nicht verlorengehen. Er holt heim in die Geborgenheit, in seine Nähe, in seine Gemeinschaft.
Vielleicht nehmen auch Sie für den Monat April die Anregung mit, wahrzunehmen:
- wie gehe ich mit Zugehörigkeit und Ausschluss um?
- wie hoch ist der Preis, den ich manchmal bereit bin zu zahlen für mein Bedürfnis, dazu zu gehören?
- wie schließe ich mich selbst innerlich oft in Gedanken aus - gegenüber anderen und Gott…
Und werden wir uns bewusst der Barmherzigkeit Gottes, seines ständigen Bemühens, uns wieder in die Gemeinschaft mit ihm zu holen, wie er uns mit und trotz allem Würde gibt und uns ermutigt aus seiner Zusage heraus, das Leben zu gestalten:
"Ich liebe Dich. Du gehörst dazu!"
Eine gesegnete Fasten-, Kar- und Osterzeit!
Ihre Elke Lackmann
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