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IMPULS
FÜR DEN MONAT SEPTEMBER 2010
Die Schönheit der inneren Ernte
01.09.2010 |
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Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass das Älterwerden etwas Besonderes ist. In früheren Jahren konnte ich mir gar nicht vorstellen, älter zu werden oder gar eines Tages richtig alt zu sein, obwohl das nach wie vor mein Wunsch ist. Auf 95 oder gar 100 erfüllte Lebensjahre zurück zu schauen finde ich durchaus reizvoll. Heute, da ich gerade mal die Hälfte von Hundert geschafft habe, fühlt sich das Leben bereits viel runder an – versöhnter – als vor noch 20 Jahren. Wie mag das erst in ein paar Jahrzehnten sein?
In den letzten Wochen konnten wir in der Natur erleben, wie schnelllebig die heißen Sommertage waren und wie schon im August eine Altweibersommerstimmung aufkommen kann. Im Garten ist die Luft erfüllt mit dem Duft der reifen Äpfel und am frühen morgen schleicht der Nebel über die Wiesen, um der fast spätsommerlichen Sonne Platz zu machen. Warm ist sie und unbeschreiblich mild. Es ist einfach eine Wonne darin zu verweilen.
Diese Erfahrungen wecken in mir das Bild, dass es mit unseren Lebensjahren ähnlich sein könnte. Der heiße Sommer – die pralle Lebensmitte – vermag einem milden Herbst Platz zu machen. Nicht das Aufblühen ist dann zu bewundern, sondern die Früchte, die aus den kleinen Blüten hervorgegangen sind und die der Hitze und Trockenheit des Sommers stand gehalten haben: leuchtend rote Äpfel, volle Ähren, pralle Weintrauben… . Manche Frucht ist vielleicht nicht so unbeschadet davon gekommen, sie ist vielleicht vertrocknet oder wurde vorzeitig von Würmern, Schnecken u. ä. in Besitz genommen. Vielleicht war sie auch zeitig reif und ist schon abgefallen. Auch ist nicht jeder Sommer geeignet, um gesunde Früchte hervorzubringen und es braucht auch die Brachjahre, die Ruhephasen für die Bäume und die Erde, um Kraft aufzunehmen.
Wenn es aber dann so ist, das der Herbst ins Land zieht und die Früchte kraftvoll und reif sind, wie reich beschenkt fühlen wir uns da? Erntedank ist das Fest, um für diesen Reichtum zu danken.
Und wie steht es mit dem Reichtum vieler Lebensjahre? Ich kann immer wieder nur staunen über ältere und alte Menschen, mit welcher Gelassenheit, welcher Freude und Dankbarkeit sie DA sind. Sie erinnern mich an einen vollen Erntewagen, den man nach einem arbeitsreichen Jahr nach Hause fährt. Gelassenheit und Weisheit leuchten auf ihren Gesichtern. Sie haben es nicht mehr eilig, in Ruhe gehen sie durch die Tage und scheinen still vor sich hin das Leben zu genießen. |

Sr. M. Annette, Sr. M. Lidwina |
Jeden Tag umgeben mich solch weise, gelassene und betagte Menschen, meine Mitschwestern, die mich – in meinem noch heißen Sommer – lehren, wie kostbar die Zeit ist, wie voll Weisheit das Alter. Sie machen mir Lust, es ihnen gleich zu tun und darüber richtig schön alt zu werden.
Sr. M. Josefa op |
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