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IMPULS FÜR DEN MONAT JUNI 2010

Auf den Strassen des Alltags

01.06.2010

Feste sind wunderbare Ereignisse in unserem Leben und unterbrechen die alltägliche Routine. Sie sind so etwas wie Auszeiten im Einerlei des Gewöhnlichen. Aber braucht nicht auch das Alltägliche unsere Aufmerksamkeit und hat es nicht auch seine Bedeutung?
Jedes Jahr, wenn wir Katholiken das Fest Fronleichnam feiern und Jesus im Brot durch unsere Strassen tragen, freue ich mich darüber, dass ER auf den alltäglichen Wegen unseres Lebens mit uns geht. Diese Prozession steht für jeden gewöhnlichen Tag, an dem wir den gleichen Weg gehen.
Er geht sozusagen in uns mit uns. In uns finden wir seine Gegenwart. In uns bewegt er sich durch die Routine der gewöhnlichen Tage und macht sie so zu etwas Besonderem, zu einmaligen Chancen, mit Ihm unterwegs zu sein. Jedoch geschehen die Begegnungen mit dem Göttlichen nicht wie von selbst, also automatisch. Es bedarf unserer Achtsamkeit, unserer geübten Sinne, um zu erlauschen, zu erblicken und zu verkosten, wie und wo wir das Göttliche in uns erspüren.

In seinen Abschiedsreden spricht Jesus mit großer Liebe und Zärtlichkeit mit dem Vater über uns. Für uns bittet er, weil er uns von Herzen liebt. Wir sind das Kostbarste, was er dem Vater anempfiehlt. Wir sind ihm so kostbar, dass er den Jüngern zusagt: „Ich bin alle Tage bei euch…“ – auch auf den Strassen des Alltags, so möchte ich die Zusage Jesu ergänzen. Gott ist mit uns unterwegs auf den Strassen des Alltags, auch dann, wenn wir dass nicht spüren können.
Das Gewöhnliche, Alltägliche ist ebenso kostbar wie Festtage. Es ist deswegen so kostbar, weil wirkliches Leben alle Höhen – und auch Tiefen – bereits in sich birgt. Leben ist bunt, kennt Freude und Leid, Schatten und Licht, Unscheinbarkeit und Bedeutsames, kennt fruchtbares Land und lebensverneinende Wüste, Oasen und Durststrecken.

Die ersten dreißig Lebensjahre Jesu und seiner Familie bleiben im Verborgenen. Was wissen wir von seinem Alltag? Er hat ein Handwerk erlernt, hat die Synagoge besucht, war Schüler, ein Lernender, so wie wir. Er kannte sich aus in den Strassen von Nazareth, war den Menschen vertraut. Für sie war er nichts Besonderes, einer von Ihnen, unscheinbar und unauffällig. Sie konnten ihn nicht erkennen. Geht es uns nicht auch so?

Und doch gibt es da diese besonderen Momente mitten im Gewöhnlichen: Das Lächeln eines lieben Menschen, ein ermutigendes Wort, der Duft des frischen Morgens, ein Vogelgezwitscher, ein herrlicher Sonnenuntergang, zwei Augen, die mich anblicken und mir ins Herz schauen….
Jeder dieser Augen-Blicke macht den Alltag zu einem Geschenk, zu einem besonderen Tag. Und in so einem Augenblick mögen wir die Wirklichkeit der Worte Jesu tief ins uns spüren: "Ich bin alle Tage bei euch, bis zum Ende der Welt!"

Sr. M. Josefa o.p.

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