Seit
dem Klosterfest im August liegt in unserer Kapelle
ein „Versöhnungsbuch“, in
das schon einige Gäste ihre Erfahrungen und Wünsche
hinsichtlich Versöhnung geschrieben haben. Kürzlich
las ich folgenden Eintrag:
Die innere Bewaffnung aufgeben sie Jesus Christus
zu Füßen legen frei werden
für die Liebe "Schwerter zu Pflugscharen!"
Beim
Aufenthalt im Kloster wird so manchem Gast bewusst,
dass er oder sie eine innere Rüstung
trägt. Diese Rüstung resultiert aus schmerzlichen
Erfahrungen, die oft bis in die Kindheit zurückreichen.
Sie bietet Schutz vor weiteren Verletzungen, schneidet
aber auch ab vom eigentlichen Leben, von der Liebe.
Oft braucht es einen langen Weg, um sich von dieser
harten Schale, vom Schutzschild und Schwert zu trennen.
Manch einer spürt hier im Kloster,
dass die Zeit gekommen ist, die Waffen niederzulegen
und neues Leben zuzulassen. Das Leben darf noch einmal
neu zu Tage treten wie bei den Kastanien, die von
ihrer stacheligen Schale befreit werden.
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Vielleicht
war es der gleiche Gast, der an das Kapellenkreuz
eine Kastanie legte. Diese Frau oder dieser Mann
wollte den persönlichen Neuaufbruch wohl auch
symbolisch zum Ausdruck bringen, wollte das Alte
und das Neue bewusst in Gottes Hände legen
bzw. dem zu Füßen legen, der weiß,
was es heißt, verletzt zu werden, zu leiden,
aber auch zu
verzeihen und darauf zu vertrauen, dass das Leben
durch jede Schale und jedes Kreuz hindurch zur Liebe
hin aufbrechen kann.
Martin Hofmeir |