Schon
als Kind haben mich die Lebensbeschreibungen vieler
Frauen und Männer fasziniert,
die „Heilige“ genannt
werden. Ich war von ihrer Entschlossenheit, ihrem
Eifer und ihrer Überzeugung, das Richtige,
zu tun fasziniert.
Ich glaube, dass die Heiligen
der Stimme ihres Herzens viel Raum gegeben haben;
das sie davon überzeugt
waren: hier spricht GOTT in mir! Sie haben mutig
in die Wagschale
geworfen, was sie in sich wahrgenommen haben:
· den Eifer für eine gerechtere Welt
· die Sehnsucht nach einer tiefen Verbundenheit
mit Gott
· das Bewusstsein, die von
Gott geschaffene Schöpfung weiter zu führen
· Betroffenheit über menschliche Not, menschliches
Elend
· den Drang, die Liebe Gottes an Menschen weiter
zu geben
· das Verlangen, dass das
eigene Verwundetsein Heilung erfährt …
Schauen wir stellvertretend für viel andere
auf einen Heiligen, der sehr weit von unserem Leben
entfernt zu sein scheint: auf das Leben des heiligen
Josef, dessen Gedenktag wir am 19. März feiern.
Josef aus Nazareth, Zimmermann, ein Mann im
heiratsfähigen Alter. Er hatte eine Verlobte,
die noch vor der Hochzeit schwanger wurde und - wie
die Bibel beschreibt -nicht von ihm. Ein Skandal,
der Josef tief verletzt haben muss.
Was soll er tun, sich umdrehen und gehen, Maria zur
Rede stellen, sie dem Gericht übergeben? Er
will gehen, da hat er einen Traum. Gottes Stimme
spricht zu ihm: Bleibe,
nimm Maria zur Frau, das Kind braucht einen Vater;
lass dich nicht von deiner Verletzung leiten. Josef
glaubt und traut seiner Wahrnehmung. Wir kennen den
weiteren Verlauf dieser Geschichte.
Für mich ist die wichtigste Botschaft dieser
Erzählung:
Lass dich
nicht von deiner Verletzung und von deinen negativen
Gefühlen
bestimmen. Entscheide dich für
das Leben! Trau der Stimme deines Herzens!
Wenn
es so ist, kann dann nicht jede und jeder von uns
auch heilig werden? Ja, davon bin ich zutiefst überzeugt.
Heilig bedeutet für mich immer mehr heil,
d.h. ganz werden. "Ganz", das schließt
nichts aus, dass unsere dunklen und unsere hellen
Seiten integriert werden. Alles darf sein, aber
das Lebensverneinende in mir bestimmt nicht mein
Denken und Handeln.
Ich spüre in mir eine Energie, die sich leidenschaftlich
für das Leben einsetzten will, nicht irgendwo
auf dieser Welt, sondern hier vor Ort, wo ich stehe
und wohin mich mein Lebensweg geführt hat.
Nicht große, außergewöhnliche
Taten beflügeln mich, sondern das Unscheinbare,
Gewöhnliche
und scheinbar Kleine im Hier und Jetzt.
Was ist es in Ihnen, das Sie treibt, nach dem Sie
sich sehnen, das Sie unruhig macht und Sie vielleicht
schon seit Jahren nicht mehr los lässt?
Trauen Sie der Stimme Ihres Herzens, die Ihnen
helfen will, Ganz zu werden?!
Sr. M. Josefa op
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