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IMPULS FÜR DEN MONAT JULI 2009

Momente der Stille

01.07.2009

"Mein Herz mir so stille und wird nicht untergehen."
(Eichendorff)

Je mehr der nervzerrüttende Lärm in unseren Ohren gellt, umso mehr spüren wir die Lebensnotwendigkeit der Stille. Früher oder später dämmert uns, dass es nicht äußere, sondern vor allem innere Stille ist, nach der wir uns sehnen.

Immer mehr Menschen, lassen ihr Innenleben von der Stille befruchten. Gottsuchen ist die treibende Kraft im Menschenherzen. Und wer in sich die göttliche Lebensmitte
aufspürt, findet Stillung. Gerhard Teerstegen, ein Dichter, der inmitten des Alltags Stille verwirklichte, fasste das Herzensanliegen aller, die sich gleich ihm darum bemühen, in
eine einzige Zeile zusammen:

"Gott ist in der Mitte! Alles in uns schweige."

Über Stille darf zuletzt nur Dichtung reden. Nur die Worte der Dichter brechen das Schweigen nicht, sondern lassen es vielmehr zu Wort kommen.

Jedem guten Gedicht merkt man an, dass es aus der Stille stammt und in die Stille zurückführen will. So, wenn Eichendorff singt:

"Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus."

Es ist kein Zufall, dass wir eines der gelungensten Gedichte zum Thema Stille im ersten Teil von Rilkes „Stundenbuch“ finden. Ist nicht die Stille der Lebensatem jedes Menschen? Und wetterleuchtet nicht in jedem Menschenherzen manchmal die Sehnsucht nach tiefem Atemholen in Stille. Diese Sehnsucht wird in Rilkes Gedicht zum Gebet.

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre. Wenn das Zufällige
und Ungefähre verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so
sehr verhinderte am Wachen –

Dann könnte ich in einem tausendfachen Gedanken bis an
deinen Rand dich denken und dich besitzen nur ein Lächeln
lang, um dich an alles Leben zu verschenken wie einen Dank.

Die erste Strophe gipfelt in dem Wort „Wachen“. Nur Stille ermöglicht uns ein solches Wachen, das weit mehr ist als bloßes Wachsein. Wachen ist Hellhörigkeit, ein Hinhorchen, für das Stille nicht nur Voraussetzung ist, sondern Inhalt. Wer wirklich wacht, horcht auf die Stille selbst – und schaudert. Wir schaudern, weil alle, die auf die Stille horchen, Gott hören.
Wir schaudern, weil alle die in Stille eintauchen, Gott angehören. Da solches Angehören immer gegenseitig ist, kann Rilke sich danach sehnen, in der Stille Gott zu „besitzen“, wenn auch „nur ein Lächeln lang“.

Gottes guter Segen begleite Sie !

Schw. M. Andrea o.p.


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