"Mein
Herz mir so stille und wird nicht untergehen."
(Eichendorff) |
Je
mehr der nervzerrüttende Lärm in unseren
Ohren gellt, umso mehr spüren wir die Lebensnotwendigkeit
der Stille. Früher oder später dämmert
uns, dass es nicht äußere,
sondern vor allem innere Stille ist, nach der wir uns
sehnen.
Immer mehr Menschen, lassen ihr Innenleben von der
Stille befruchten. Gottsuchen ist die treibende Kraft
im Menschenherzen. Und wer in sich die göttliche
Lebensmitte
aufspürt, findet Stillung. Gerhard Teerstegen,
ein Dichter, der inmitten des Alltags Stille verwirklichte,
fasste das Herzensanliegen aller, die sich gleich ihm
darum bemühen,
in
eine einzige Zeile zusammen:
| "Gott
ist in der Mitte! Alles in uns schweige." |
Über
Stille darf zuletzt nur Dichtung reden. Nur die Worte
der Dichter brechen das Schweigen nicht, sondern
lassen es vielmehr zu Wort kommen.
Jedem guten Gedicht merkt man an, dass es aus der
Stille stammt und in die Stille zurückführen
will. So, wenn Eichendorff singt:
"Und
meine Seele spannte weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande, als flöge
sie nach Haus." |
Es
ist kein Zufall, dass wir eines der gelungensten
Gedichte zum Thema Stille im ersten Teil von Rilkes „Stundenbuch“ finden.
Ist nicht die Stille der Lebensatem jedes Menschen?
Und wetterleuchtet nicht in jedem Menschenherzen
manchmal die Sehnsucht nach tiefem Atemholen in Stille.
Diese
Sehnsucht wird in Rilkes Gedicht zum Gebet.
Wenn
es nur einmal so ganz stille wäre. Wenn
das Zufällige
und Ungefähre verstummte und das nachbarliche
Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so
sehr verhinderte am Wachen –
Dann
könnte ich in einem tausendfachen Gedanken bis
an
deinen Rand dich denken und dich besitzen nur ein
Lächeln
lang, um dich an alles Leben zu verschenken wie einen Dank. |
Die
erste Strophe gipfelt in dem Wort „Wachen“.
Nur Stille ermöglicht uns ein solches Wachen,
das weit mehr ist als bloßes Wachsein.
Wachen ist Hellhörigkeit,
ein Hinhorchen, für das Stille nicht nur
Voraussetzung ist, sondern Inhalt. Wer wirklich
wacht, horcht auf die Stille selbst – und
schaudert. Wir schaudern, weil alle, die auf die
Stille horchen, Gott hören.
Wir schaudern, weil alle die in Stille eintauchen,
Gott angehören. Da solches Angehören
immer gegenseitig ist, kann Rilke sich danach
sehnen, in der Stille Gott zu „besitzen“,
wenn auch „nur ein Lächeln lang“.
Gottes guter Segen begleite Sie !
Schw. M. Andrea o.p. |