Manchmal
hat man eine tiefe Intuition, eine verrückte
Idee, die sich gut anfühlt, aber
unrealistisch erscheint und als „Schnapsidee“abgetan
wird.
In dem Film „Die Herbstzeitlosen“ wird
eine solche Schnapsidee in die Tat umgesetzt. Die betagte
Martha, eine Schneiderin, die sich schon in jungen
Jahren eine eigene Lingerie-Boutique auf den Champs-Élysées
wünschte, versucht
ihren Traum im
Schweizer Heimatdorf zu verwirklichen. Der Widerstand
der Dorfbewohner lässt dies jedoch nicht zu; ihr
Geschäft wird boykottiert. Ermutigt
und tatkräftig unterstützt von den Freundinnen
kann sie ihre Ware (Unterwäsche mit Alpen-Motiven) schließlich
im Internet verkaufen.
Auch im wahren Leben haben es verrückte Ideen
oft schwer, ernst genommen und in Angriff genommen
zu werden. Da sind zum einen die Widerstände von
außen
und zum anderen ist da auch die eigene Unsicherheit,
ob man diesem Impuls trauen darf.
Wie im Film lässt sich die ursprüngliche
Idee oft nicht direkt verwirklichen, muss sich
mehrfach wandeln (und von Freunden unterstützt
werden), bis sie schließlich eine realistische
Gestalt findet.
Angeregt durch den Film, den ich zusammen mit Schweizer
Freunden sah, fragte ich mich, ob ich vielleicht
auch so eine Schnapsidee in mir trage. Spontan kam
mir in den Sinn: einen Tag in der Woche mich ausklinken
aus Beruf und Familie, in die Einsamkeit gehen, in
der Stille auftanken, meditieren, beten, lesen, Vergangenes
reflektieren und Neues in mir entstehen lassen. Da
ich kurz zuvor einen solchen Tag auf der Alp des
Schweizer Einsiedlers Niklaus von Flüe verbringen
durfte, bekam die Idee den Namen „Bruder-Klaus-Tag“.
Jede Woche lässt sich dieser Tag (noch) nicht
realisieren, aber einmal im Monat sollte er möglich sein.
Die Freunde bestärkten mich und teilten auch
ihre eigenen „Schnapsideen“ mit. Dabei
entstand in unsrer Runde eine sehr frohe, ansteckende
Atmosphäre
und die Zuversicht, das Eigene auchumsetzen zu
können.
Martin Hofmeir
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