Das neue Vitalzentrum ersetzt den ehemaligen
Kurbetrieb
Im lichtdurchfluteten Foyer begrüßt
Schwester Annuntiata die Gäste meist freundlich,
aber bestimmt mit dem Ratschlag „Kommen Sie erst
einmal zur Ruhe.“ Bei der resoluten Schwester klingt
das fast wie ein Befehl.
Die Gäste lassen sich auf den Terrakotta farbenen
Sofas nieder. Hier ist es weder laut noch hektisch. Eine
Glasfront öffnet den Blick auf einen mit Buchsbaumrabatten
bewachsenen Innenhof, in dem ein kIeiner Springbrunnen
sachte vor sich hin-sprudelt.
In einer Ecke des Raumes schwingt eine alte Standuhr ihr
Pendel gemächlich hin und her. Wenn ihre sanften
Glockenschläge ertönen, ist wieder eine halbe
Stunde vergangen. Vor zweieinhalb Jahren haben die Dominikanerinnen
ihr altes Backsteingemäuer komplett umgebaut. Bis
zu diesem Zeitpunkt hatte es als Kneipp-Sanatorium gedient.
Doch der Kurbetrieb rentierte sich nicht mehr. „Wir
mussten uns entscheiden, ob wir den Untergang verwalten
oder den Neubeginn gestalten“, sagt Oberin Schwester
Maris Stella. Die Ordensfrauen setzten alles auf eine
Karte und investierten ihr über Jahrzehnte gespartes
Vermögen von rund 15 Millionen Euro in die Neugestaltung
des Hauses.
Seitdem gibt es hier ein „Vitalzentrum“, das
außer dem Fitnessraum noch ein helles, modernes
Schwimmbad, eine Sauna und ein Solarium beherbergt. Neben
Kneipp-Anwendungen können die Gäste sich nun
mit ~Aromamassagen oder, Brandungsbädern verwöhnen
lassen.
Wer möchte, kann den Tag im Kloster früh beginnen.
Bereits um sieben Uhr versammelt sich eine kleine
Gruppe auf der Wiese vor der Pforte:
Tautreten steht auf dem Programm. Für viele Gäste
ist das zunächst gewöhnungsbedürftig. Der
feuchte Rasen fühlt sich kalt und glitschig an.
Doch als die Füße wieder warm und trocken in
den Sportschuhen stecken, kribbeln sie angenehm warm.
Dann ist „Walken“ angesagt: drei Runden durch
den Klosterpark. Danach ist alle Müdigkeit verflogen.
Wer möchte, kann sich anschließend im wahrsten
Sinne des Wortes dem Himmel nähern. Im siebten Stock
des Neubaus liegt die wohl einzige Kapelle mit Fernblick
auf die Mittelgebirge Westerwald, Hunsrück und Eifel.
„Hier wird nicht moralisiert, und
niemand wird missioniert“
Hier lädt Seelsorger Martin Hofmeir
zum „Impuls in den Tag ein, einer besonderen Form
der Morgenandacht. Es geht um das Thema Verzeihen. Hofmeir
liest eine Geschichte aus einem Buch und zitiert Bibelstellen.
Wer damit nichts anfangen kann, dem steht es frei, in
dieser Zeit auszuschlafen oder schwimmen zu gehen. „Unser
Erfolg ist die Offenheit“, sagt Verwaltungsdirektor
Bernhard Gruflau. „Hier wird nicht moralisiert,
und niemand wird missioniert.“
Nach Weltanschauung oder Familienstand wird im Kloster
niemand gefragt. Die Gäste bestätigen das. „Es
ist nichts übertrieben fromm“, sagt Annemarie
Stein. „Man kann sich völlig frei zwischen
den Angeboten entscheiden.“
Die Besucher haben die Wahl zwischen Rückengymnastik,
Körperzonentraining, Meditation, Aqua-Fitness, Entspannungstraining
oder Nordic Walking. Ein normaler Wellness-Urlaub ist
ein Aufenthalt im Kloster Arenberg dennoch nicht, sagt
Iris Landen.
Die 35-Jährige ist bereits zum zweiten Mal bei den
Schwestern zu Gast. „Ich habe auch schon Urlaub
im Wellness-Hotel gemacht. Da geht es nur ums Äußere.
Hier wird auch die Seele angesprochen.“
Wer etwas für die Sinne sucht, wird im Kloster ebenfalls
fündig. Im Kräutergarten duftet es nach Thymian,
Lavendel und Minze. In einem Holzhäuschen neben den
Beeten schenken die Schwestern Tee aus, der aus frisch
gepflückten Kräutern aufgebrüht wird. Hier
werden auch Heilkräuter-Seminare gegeben.
Jeden Tag geht Schwester Irmingard durch den Garten und
pflückt einen Korb voll Pfefferminze, Salbei, Thymian,
manchmal auch Spitzwegerich, Johanniskraut oder Malve.
Der Tee schmeckt jeden Abend etwas anders, denn je nach
Laune ändert die Ordensfrau die Rezeptur von Tag
zu Tag.
Offenbar sind die Dominikanerinnen mit ihrem Konzept in
eine Marktlücke gestoßen. Rund zweieinhalb
Jahre nach der Eröffnung ist ihr Gästehaus zu
70 Prozent ausgelastet. „Davon können derzeit
viele Hotels nur träumen“, stellt Verwaltungsdirektor
Grunau zufrieden fest.
Vielleicht sind die Koblenzer Ordensfrauen ja sogar Trendsetter.
Schon sind Delegationen anderer Klöster nach Arenberg
gereist, um sich über das erfolgreiche Konzept zu
informieren.