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Zwei
Stunden später bin ich allein unter Nonnen. Bei der
Mittagshore im Schwesternchor. Eine mütterlich-resolute
Klosterfrau dirigiert mich mit sanftem Stupsen durchs
Ritual. Gewisse Grundkenntnisse katholischer Formeln sind
bei Chorgebet und Rosenkranz durchaus von Nutzen. Wer
nie aus dem Gotteslob sang, muss sich so seltsam fühlen
wie bei einer animistischen Beschwörung.
Nach
der Religion werde keiner gefragt, betont der weltliche
Verwaltungsdirektor. Der Unique Selling Point der klösterlichen
Wellness-Anlage ist jedoch die Seelsorge. Und nach ihr
wird gefragt. Das merkt Martin Hofmeir, der Theologie
studiert hat und auch Psychologie und im Kloster "Gesprächsbegleitung"
anbietet. Er hört betrogenen Ehefrauen zu, und er
tröstet die Trauernden, um die sich niemand kümmert,
weil das Sterben aus dem Leben ausgeklammert ist. Zu Martin
Hofmeir kommt, wer unter Einsamkeit oder an Zukunftsangst
leidet. Es sind nicht die Alten, die kommen, es sind die
Jungen. Ob Gespräch oder Gebet - alles nur ein Angebot.
Keinem wird der Kontakt mit der Kirche verordnet.
Keiner
darbt in der Zelle, das Kloster hat Komfort und gute Küche
Aus
dem weltlichen Angebot habe ich mir für den Nachmittag
ein Crystalbad verschrieben. Reine Neugier. Nun bade ich
in warmem Wasser, im Duft von Heublumen, in einem Magnetfeld,
in Musik und farbigem Licht. Kleine grüne und gelbe
Blitze zucken sporadisch auf. Ich bilde mir ein, die Flöten-
und Harfenklänge erst im Bauch, dann im Rücken
und schließlich bis in Herz und Nieren zu spüren.
Ob und wie immer es auch wirken mag, es tut gut. Soll
es auch bei 18 Euro.
Die
Kosten für die Körperpflege sind moderat, die
Pflege der Seele ist all inclusive im Vollpensionspreis
ab 72 Euro. Das sind die Selbstkosten. Mit 70 Prozent
Auslastung rechnen die Nonnen voll Gottvertrauen - und
setzen aufs Internet. Arenberg steht beim Googeln unter
dem Stichwort "Kloster und Gesundheit" an vorderster
Stelle. Zu Weihnachten und zu Karneval waren die 99 Betten
ausgebucht. Die laufenden Ausgaben müssen reinkommen,
vor allem die fürs Personal. 75 Mitarbeiter müssen
bezahlt werden. Im Vitalzentrum könnten noch mehr
Anwendungen verkauft werden, gäbe es mehr Fachkräfte.
Nur
acht Nonnen arbeiten mit im gesamten Betrieb. Schwester
Angela zum Beispiel sitzt an der Rezeption. Schwester
Andrea, gelernte Masseurin und Physiotherapeutin, hat
lange Zeit in Krankenhäusern gearbeitet, jetzt ist
sie Chefin im Vitalzentrum. Vor Sonnenaufgang läuft
sie mit den Gästen durch den Tau, zappelt sich mit
ihnen ab bei der Morgengymnastik, massiert mit fester
Hand die Rücken, lässt das Wasser in die Wanne.
Schwester Wilhelma betreut die Bibliothek: 2500 Bände,
mehr als nur heilige Schriften, von Fontane und Thomas
Mann bis Konsalik und Paretti.
Schwester
Scholastika gehört mit ihren 39 Jahren zu den Jüngsten
im Verein. In ihrer sanften, klaren Stimme schwingt noch
immer der Klang ihrer Schweizer Heimat mit. Sie kommt
aus Rickenbach wie Schwester Cherubine Willimann, die
den Arenberger Orden gegründet hat. Schwester Scholastika,
die so schnell und lautlos durchs Kloster huscht, als
schwebe sie über dem Boden, sieht aus wie eine Studentin,
die mehr in die Bücher hinein- als Männern hinterherguckt.
In ihrem früheren Leben war sie Grundschullehrerin,
jetzt ist sie Seelsorgerin, leitet Kurse, ist für
die Besinnung zuständig, hilft beim Meditieren.
Ich
sitze im Kreis der Entspannungswilligen gespannt auf meinem
Stuhl. Schwester Scholastika kniet auf dem Boden, hat
sich nur eine winzige Fußbank unter den Po geschoben.
In der Mitte unseres Kreises brennen Teelichter auf einem
Wagenrad. Ein byzantinisches Kyrie dringt durch den Raum
und in die Seele. "Locker, ganz locker, alles fließt,
wir machen uns leer, alles Leere ist offen für Begegnung",
nur noch Bruchstücke von Schwester Scholastikas Beschwörungen
dringen zu mir vor. Ich habe die Augen geschlossen, döse
vor mich hin. "Wir konzentrieren uns auf die Mitte,
in unsere Mitte kommt Gott." Meine Gedanken driften
in Träume ab, für Leere ist da kein Platz. Immerhin
bin ich mehr als 15 Minuten so still gesessen, dass meine
Hände eingeschlafen sind.
Ich
kehre zurück in die Welt und spaziere durch den weitläufigen
Klosterpark. Arenberg ist weder eine mittelalterliche
Im Namen der Rose-Trutzburg noch ein alleluja-barockes
Juwel, sondern ein krankenhausähnlicher Backsteinzweckbau
mit hässlichen Nebengebäuden. Aber die Anlage
ist so groß und der Wald so nah, dass man gar keine
Lust verspürt, sich von Koblenz oder Bad Ems, vom
Rhein oder der Mosel dort unten im Tal ablenken zu lassen.
Das Kloster nimmt einen gefangen.
Ich darbe jedoch nicht in einer Zelle, sondern genieße
den Komfort eines kühl-elegant möblierten Hotelzimmers
mit Schreibtisch, Telefon, Internet- und TV-Anschluss.
Ans Kloster erinnert nur das kleine Kreuz an der Wand
und die Tatsache, dass am Sonntag, am Tag des Herrn, das
Bett nicht gemacht wird. Ich lasse mich fallen in einen
weichen weißen Ohrensessel - und in die erholsame
Stille. Es geht auch ohne. Ohne Radio, ohne Fernseher
und (fast) ohne Zigarette, weil das Rauchen nur in einem
kleinen stinkigen Kabuff erlaubt ist. Ruhe strömt
durchs ganze Haus. In der hellen, hohen Halle dämpft
man die Stimme beim Gespräch, jedes Mal schließe
ich die Tür so vorsichtig, als würde ich mich
heimlich davonstehlen, ganz automatisch schleiche ich
abends auf Zehenspitzen hinauf in mein Zimmer. Da ist
kein Platz für Kinder und lärmende Großgruppen.
Darum nehmen Mütter hier gern mal eine kleine Auszeit
von Familie, Alltagstrubel und Berufsstress.
"Man
fühlt sich geborgen vom ersten Augenblick an",
stellt beim Abendessen meine Tischnachbarin zufrieden
fest. Ich widerspreche nicht, sondern lasse mir noch eine
Tasse Kräutertee nachschenken. Im Speisesaal, der
trotz fröhlich-frischer Farben und locker verteilten
Tischen, ich weiß nicht warum, eben doch nicht wie
ein Restaurant wirkt, wird die Gratwanderung der Nonnen
zwischen katholischer Bildungsstätte und Verwöhnhotel
spürbar. Die Essenszeiten sind fest geregelt wie
in einem Kurheim, Frühstück von 7.30 bis 9 Uhr,
um 19 Uhr wird das abendliche Buffet geschlossen, sind
alle Serviettenmäppchen brav wieder in ihre Fächer
zurückgeräumt. Da kommt auch der Koch nicht
dagegen an, dessen Frühstücksmüslis und
Salate, Lammhaxen und Nudelvariationen mit jedem gehobenen
Ferienclub mithalten können.
Vor
dem Schlafengehen tauche ich noch einmal ab ins Schwimmbad,
ziehe ungestört meine Kreise. Im Fitness-Raum mit
all den nagelneuen Geräten zum Training von Rücken
und Bauch rackert sich eine junge Frau ab, die modisch
schlank und gestylt ist wie ein Model. Am nächsten
Morgen sitzt sie in der ersten Reihe der Gästekapelle
beim "Impuls in den Tag". Schwester Scholastika
liest ganz weltlich aus einem Brief von Anna an Gott vor,
predigt, pianissimo-pathetisch, mit ihrer beruhigenden
Stimme von der Wahrnehmung mit den Augen, mit dem Herzen.
Eine Viertelstunde später stehen 25 Leute im Kreis
vor dem Altar und singen im Kanon: "Die Herrlichkeit
des Herrn währet ewiglich." Ein bisschen wie
Kirchentag in die Jahre gekommen. Aber es klingt gut.
Und es ist nicht peinlich. Es sediert. In so einen sanft
begonnenen Tag kann keine schlechte Laune dringen.
Es
sei die Atmosphäre, sagt die Schöne aus dem
Fitness-Raum.
"Genau so was habe ich gesucht."
Information:
Anreise:
Mit dem Auto ist Koblenz über die A3 zu erreichen,
Ausfahrt Montabaur, dann auf der B49 Richtung Koblenz
oder über die A61/A 48, Ausfahrt Bendorf/Neuwied,
Richtung Vallendar, Festung Ehrenbreitstein, dann
weiter Richtung Niederberg. Mit der Bahn bis Koblenz.
Von dort mit dem Taxi oder dem Bus Nr. 9 nach Arenberg |
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Anwendungen:
Unter anderem Brandungsbad, Crystalbad, Fußreflexzonenmassage,
Solarium, Arm- und Fußbäder, Teil- und Vollgüsse,
Massagen, Heusack, Fangopackung
Auskunft:
Kloster Arenberg, Cherubine-Willimann-Weg 1, 56077 Koblenz,
Tel. 0261/64010, Fax 64013454, www.kloster-arenberg.de
Rheinland-Pfalz Tourismus, Löhrstraße 103-105,
56058 Koblenz, Tel. 0261/915200
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