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Rückenmassage nach der Andacht
Klosterurlaub - Die Dominikanerinnen in Arenberg bei Koblenz verbinden geistige Anregungen und Wellnessangebote

von Ulrike Lotze
Fotos: Kloster Arenberg


Auch für Gespräche mit den Besuchern ist immer Zeit.


Kraft aus dem Garten: Die Dominikanerinnen in Arenberg nuten die selbst angepflanzten Heilkräuter.

Traditionsreiche Heilstätte: In dem Gebäude des Klosters Arenberg befand sich früher ein Kneipp-Sanatorium. Jetzt leben und arbeiten hier Dominikanerinnen. In einem separaten Gästehuas werden Besucher aufgenommen.

Training für Körper und Geist: Im Kloster Arenberg finden die Gäste auch einen Fitnessraum mit den üblichen Geräten.

Müde, leer, ausgepumpt.
Die permanente Überforderung der letzten Jahre hat ihre Spuren hinterlassen. Und jetzt habe ich plötzlich die Chance, eine Woche auszusteigen. Ein Kurzurlaub ohne meine Familie. Aber wohin soll es gehen? Der Flughafen liegt vor der Tu, der schlechte Sommer macht einen Kurztrip in den Süden verlockend. Aber den ganzen Tag unter wildfremden, möglicherweise nervigen Pauschaltouristen verbringen? Klingt nur bedingt erholsam. Dann schießt mir eine ungewöhnliche Idee durch den Kopf:
Wie wäre es mit ein paar Tagen im Kloster? So ein Urlaub, bei dem auch die Seele nicht zu kurz kommt? Die präsentiert mir unter dem Stichwort "Urlaub + Kloster" ein eindeutiges Ergebnis: Dem Kloster Arenberg in Koblenz gehören die ersten drei Treffer. Denn es hat
nicht nur eine professionelle Internetseite, sondern auch große Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden. Kein Wunder, die Dominikanrinnen in Koblenz sind Trendsetter: Sie kombinieren als erstes katholisches Kloster den klassischen Kloster-Urlaub mit Wellness.

Ein wenig misstrauisch bin ich, trotz der schönen Fotos :.und der positiven Berichte. Aber die Neugier überwiegt, ich buche eine knappe Woche Aufenthalt. Und meine Skepsis ist schnell zerstreut, als ich dann auf das Klostergelände einbiege. Das ist ja wirklich schön hier! Schon auf den ersten Blick fällt es mir wohltuend ins Auge, dass sich die Schwestern professionell haben beraten lassen. Und den Mut hatten, 15 Millionen Euro in ein neues Gästehaus zuinvestieren~
Bereits beim Eintritt in die sonnendurchflutete hohe Eingangshalle wird klar, wie wichtig eine gelungene Architektur für die Erholung ist. Noch mehr über-
zeugt das geschmackvoll eingerichtete Zimmer und der riesige Klostergarten. Oder der schöne Innenhof . Oder der große Kräutergarten. Oder die schlichte und stilvoll eingerichtete Kapelle im sechsten Stock des Gästehauses im sechsten Stock. Oder der Balkon vor der Kapelle, der einen phantastischen Blick von den Höhen des Westerwaldes - in. denen das Kloster liegt - herab auf die Rheinschleife bietet.

Eine der 75 Angestellten des Klosters, die an der Rezeption zusammen mit. einer Dominikanerin arbeitet, zeigt mit mein Zimmer, erklärt mir freundlich alle Angebote. Und sie
spricht von "Wir', wenn sie das Kloster meint. Die Tage verlaufen sehr angenehm. Den ganzen Tag kann ich machen, worauf ich Lust habe - was für ein Luxus! Morgenandacht oder Walking in der Frühe, Wirbelsäulengymnastik am Vormittag, eine Rückenmassage am Nachmittag, diverse Gesprächskreise und geistliche Impulse am Abend - das Angebot im Kloster ist groß, aber für niemanden verpflichtend.
"Wenn die Menschen nur halb so viel Sorgfalt darauf verwenden würden, sich gesund. zu erhalten, wie sie unbewusst Mühe verwenden, krank zu werden - die Hälfte der Krankheiten bliebe ihnen erspart" - dieser Satz von Sebastian Kneipp steht als Leitmotiv auf der Internetseite des Klosters. Die Schwestern setzen auf eine ganzheitliche Erholung. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung, ich kann mich bei den drei Mahlzeiten am Büfett bedienen, das Essen ist gesund und schmeckt gut.
Körperliche Ertüchtigung ist im kleinen, aber feinen Schwimmbad möglich oder im Fitnessgeräteraum oder bei Spaziergängen und Joggingtouren im angrenzenden Wald.
Auch die Seele kommt nicht kurz: Der Meditationsraum im Gästehaus, die Andachten in der Kapelle, die Gesprächsangebote -das gehört für die Schwestern auch zur Erholung und grenzt ihr Angebot von dem esoterischen Trend in der heutigen Wellness Szene ab.

Ein Theologe und Psychologe wurde eigens für die geistliche Betreuung der Gäste eingestellt, diese Aufgabe teilt er sich mit Schwester Scholastika. Lange habe ich nicht mehr alleine Urlaub gemacht - aber hier fühle ich mich auch als Einzelreisende wohl. Das geht offensichtlich auch anderen Frauen so, etliche kommen allein, aber auch Paare bevölkern das Gästehaus. Man kann Kontakte knüpfen, wenn man es möchte, oder auch für sich bleiben. Wie exotische Tupfer wirken in den Speiseräumen die Nonnen aus anderen Klöstern: Bei einem Mittagessen unterhalte ich mich sehr angeregt mit einer Augustinerin aus Köln. Sie macht hier ebenfalls Urlaub und genießt die lockere Atmosphäre
Hier. Viele Nonnen aus anderen Orden kommen auch, um dieses völlig neue Konzept zu prüfen: Wie funktioniert das, wenn sich ein Kloster so stark der Welt öffnet? Es funktioniert offensichtlich gut. Auf Monate hinaus sind die besseren Zimmer ausgebucht, obwohl das Gästehaus erst im Juli 2003 eröffnet hat. Nur noch wenige Besucher gehören dabei zum klassischen katholischen Publikum.
Das war natürlich eine große Umstellung für die 65 Dominikanerinnen. Die meisten haben einige Zeit gebraucht, um sich mit dem neuen Konzept anzufreunden, erzählt mir an einem Abend eine der Schwestern. Und sie berichtet mir, warum sich die Nonnen in dieses Abenteuer gestürzt haben. Es waren nicht nur finanzielle Gründe. Klar, die gab es auch, das Kloster war 50 Jahre lang ein Kneipp-Sanatorium, aber dieses Angebot wurde immer weniger genutzt und war damit unrentabel. Aber es sei auch die Frage gewesen, wie die Frauen den Menschen heute dienen könnten. Denn die klassische Sozialarbeit habe nun mal immer mehr der Staat übernommen. Deshalb gingen die Schwestern das Wagnis ein und steckten ihre Ersparnisse in das Projekt - ohne finanzielle Hilfe der Kirche oder des Staates.
Heute bietet das 140 Jahre alte Kloster Platz für insgesamt 100 Gäste. Und hat im vergangenen Jahr immerhin eine Auslastung von~ 85 Prozent erreicht. Der Rückzug aus dem Alltag, aus der Hektik fliehen und hinter Klostermauern zur Ruhe kommen, das eigenen Leben neu überdenken - die Schwestern haben es kurz und treffend in ihrer Broschüre zusammengefasst: Erholen, begegnen, heilen.
Dazu gehört auch die Spiritualität, die Beziehung des Menschen zu Gott. Die meditativ gestalteten Impulse für den Tag, die Stundengebete - ich empfinde sie als wohltuend. Einfach in der Gegenwart Gottes schweigen, leise Musik hören, einen Psalm im Wechsel beten: Das ist Entspannung ~der ganz anderen Art. Habe ich anfangs vermutet, dass bei solchen Angeboten die Nonnen mit einigen streng gläubigen Katholiken unter sich bleiben, werde ich schnell eines Besseren belehrt:
Hier finden sich die unterschiedlichsten Gäste ein - auch solche, die mir erzählt haben, dass sie normalerweise mit der Kirche wenig im Sinn haben.
Die Zeit verfliegt viel zu schnell: Ein paar Krimis lesen, etliche Runden durch den Wald laufen, meditieren, schwimmen, ein Shopping-Ausflug nach Koblenz, im Klostergarten spazieren gehen, Wirbelsäulengymnastik mit Schwester Andrea, eine wohltuende Rückenmassage - schon sind die fünf Tage vorbei. Seltsamer weise fühle ich mich schon wenige Wochen nach meinem Klosterbesuch wieder so müde und ausgepumpt. Ich glaube, ich muss bald wieder nach Arenberg.

Für weitere Informationen, Angebote und Buchungen:
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rufen Sie uns an: 02 61 - 6401 -2090
oder
schreiben Sie uns:
info@kloster-arenberg.de

 

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