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Relaxen hinter Klostermauern
Wellness in ganzheitlichem Sinn: Am Rhein bieten mehrere Klöster ein Wohlfühlprogramm für Körper, Geist und Seele.

Text: Petra Altmann
Fotos: Gregor Lengler, Andre Zelck, Hartmut Naegele


Oase der Ruhe: Der Klostergarten ist
ein perfekter Raum Zur Entspannung


Angebote für Leib und Seele

Kloster Arenberg

Viele Ordensschwestern haben eine Fachausbildung...

...und sind mitgesundheitsfördenden Anwendungen vertraut.

Gruppenräume

"WIR WOLLEN DEN HEUTIGEN BEDÜRFNISSEN DER MENSCHEN ENTGEGENKOMMEN UND IHNEN EIN GANZHEITLICHES ANGEBOT OFFERIEREN".....Schwester Scholastika

Am Empfang summt ein Computer. In dem kleinen Shop mit Souvenirs schauen sich Besucher um, andere haben es sich auf den Sitzgruppen bequem gemacht. Auf den ersten Blick wirkt der Eingangsbereich des Gästehauses wie ein x-beliebiges Hotel -wenn nur das Personal nicht wäre: Hinter dem Rechner sitzt Schwester Angelina in ihrer weißen Ordenstracht, den Laden betreibt Schwester Marina, und auf einem der Sofas erklärt Schwester Scholastika gerade einem Gast den Ablauf der Wanderexerzitien, den Meditationen unterwegs in der Natur.
Willkommen im Kloster Arenberg, Heimat von 64 Dominikanerinnen, gelegen oberhalb von Koblenz. Von hier schweift der Blick über den gemächlich dahinfließenden Rhein, das Kloster selbst umgibt ein 50000 Quadratmeter großer Park mit Feuchtbiotop, Obstbäumen, einem Kräutergarten und ganz viel Ruhe.
Bereits in den 50er-Jahren eröffneten die Ordensfrauen hier ihr Kneipp-Sanatorium. Doch irgendwann wurde der Zuspruch der Gäste merklich spärlicher - Ausstattung und Angebot erwiesen sich als nicht mehr zeitgemäß. Nach langem Hin und Her beschlossen die Nonnen, ihr Gästehaus vollständig zu renovieren und zu erweitern. Gleichzeitig wurde nebenan ein neues Vitalzentrum gebaut. "Wir wollten einfach den heutigen Bedürfnissen der Menschen entgegenkommen und ihnen ein ganzheitliches Angebot offerieren", sagt Schwester Scholastika. Die quirlige Schweizerin - mit gerade mal 40 Jahren eine der jüngeren Ordensfrauen in Arenberg - hat das neue Konzept wesentlich mitentwickelt. "Die Gäste sollen hier spirituelle Betreuung finden, also Gesprächs- und Einkehrmöglichkeiten. Gleichzeitig sollen sie aber auch etwas für ihren Körper tun können", sagt sie.
Das Vitalzentrum kann es mit jeder hochklassigen Wellnessabteilung eines Komforthotels aufnehmen. Hallenbad, Fitnessraum, Sauna, Solarium gehören unter anderem dazu, daneben Aromatherapie, Heusackanwendungen, ein Brandungs- und ein Crystalbad, bei dem Farblichteffekte und Schwingungen auf den Körper einwirken.
Angeschlossen ist eine physiotherapeutische Abteilung. Hier führt Schwester Andrea Regie. Die zupackende Mittvierzigerin ist ausgebildete Physiotherapeutin und Masseurin. Sie beherrscht die Atem- und Entspannungstherapie genauso wie die Fußreflexzonenmassage. Ihr Hobby ist Nordic Walking, für das sie sogar ihr Ordensgewand ablegt. ‚.Jeder Mensch", sagt sie, "sollte mindestens 15 Minuten pro Tag bewusst etwas für seinen Körper tun."
Zum ganzheitlichen Konzept im Kloster Arenberg gehört eine ausgewogene Ernährung, angelehnt an die Kneippsche Methode mit Rohkost, Müsli, Vollkornprodukten, Säften und Tees aus eigener Produktion. Auch die Kräuter kommen aus dem Klostergarten. Unter sachkundiger Anleitung von Schwester Josefa können die Gäste die Wirkungsweise von Heilkräutern erlernen.
Wen es trotz des vielfältigen Angebots hinauszieht aus dem Kloster, der kann von hier aus zahlreiche Schlösser und Burgen am Mittelrhein erkunden - nicht zu vergessen natürlich die Lorelei. Rheinabwärts lockt das Kloster Maria Laach. Von Andernach aus, knapp 20 Zugminuten von Koblenz entfernt, geht es hinauf auf die Vulkaneifel. Dort ist die zwischen 1093 und 1220 erbaute romanische Abteikirche mit dem dahinter liegenden Klosterkonvent schon von weitem zu sehen, umgeben von Feldern und großen Waldflächen, davor der Laacher See. Etwa zwei Kilometer breit und drei Kilometer lang ist die Wasserfläche, die Ukrlinie blieb unbebaut. Im Sommer ein idealer Platz zum Schwimmen und Bootfahren, im Winter zum Wandern. Wer hier Urlaub macht, sucht Ruhe - und wird sie finden.
58 Benediktiner leben im Kloster, zu dem Gärtnerei, Buch- und Kunsthandlung, Schmiede, Bildhauerei, Glockengießerei, Fischerei und Obstbau gehören. Die Ordensmänner verfügen über rund 40 Gästebetten. Die Zimmer sind einfach ausgestattet, dafür haben sie keinen festen Preis - jeder zahlt, was er möchte oder kann. Meist kommen Einzelbesucher, die am klösterlichen Tagesablauf teilnehmen und einfach Abstand von ihrem Alltag gewinnen möchten. Die Mönche bieten ihnen Einzelgespräche an, und das Interesse daran stieg in den letzten Jahren stetig.
Wer Glück hat, kann gleich hinter den Gewächshäusern der Gärtnerei einen Blick in das Atelier von Frater Lukas werfen. Der 77-jährige Mönch hat an den Kunstakademien in Berlin und München studiert und war Schüler des "Brücke" - Malers Karl Schmidt-Rottluff, bevor er in den Orden eintrat.

Er betreut ein Obdachlosenprojekt in Köln und ist nur jede zweite Woche in Maria Laach. Sein Atelier ist voll von eigenen Ölgemälden, zudem hat Frater Lukas 19 Kinderbücher illustriert: .‚Das Malen ist für mich ein Ausgleich zur Arbeit auf der Straße", sagt er.
Frater Lukas formt auch Objekte aus Keramik. Einige von ihnen sind im Seehotel Maria Laach zu bewundern. Wer mehr Komfort wünscht, als die schlichten Gästezimmer im Kloster bieten können, sollte dort übernachten. Der erste Bauabschnitt des Hotels wurde 1865 als Gästehaus des Klosters errichtet. Das heutige Viersternehaus verfügt über 69 Zimmer, einen großen Garten, einen Wellnessbereich und seit kurzem sogar über ein eigenes Standesamt. Denn die berühmte Abteikirche ist wegen ihrer einzigartigen Atmosphäre für kirchliche Trauungen sehr beliebt. Und so kann am Ort gleich beides - standesamtliche wie religiöse Zeremonie - stattfinden.
Ausflugsmöglichkeiten bietet Maria Laach zur Genüge, in das Eifelmuseum auf der Genovevaburg bei Mayen beispielsweise, in den nahe gelegenen Vulkanpark oder in das Römerbergwerk Meurin. Für Motorsportfreunde liegt der Nürburgring direkt vor der Haustür. Und wer eine zünftige Einkehrgelegenheit außerhalb des Hotels sucht, findet diese etwa im historischen Felsenkeller des Vulkan-Brauhauses in Mendig, das noch sein eigenes Bier herstellt.
Von Maria Laach zurück an den Rhein und flussaufwärts nach Andernach: In Ockenheim, oberhalb von Bingen-Gaulsheim, liegt das Kloster Jakobsberg über dem Rheintal. Es ist von den Bahnhöfen Ockenheim oder Bingen-Gaulsheim per Taxi oder in einer Stunde Fußmarsch durch die Weinberge zu erreichen. Vom anderen Ufer schauen das Hildegard-Kloster Rüdesheim-Eibingen und das berühmte Niederwalddenkmal herüber.
Der Jakobsberg ist ein traditioneller Wallfahrtsort, doch Kloster und Beherbergungsbereich wurden Anfang der 80er-Jahre neu erbaut. Er besteht aus einem Jugendhaus mit 34 Betten und einem Erwachsenentrakt mit
37 modernen Gästezimmern. Das Kloster, in dem noch elf Benediktiner leben, bietet ein umfangreiches Seminarprogramm an, darunter Zen-Meditationen mit dem aus Vietnam stammenden Pater Augustinus. Sehr gefragt sind die von Prior Pater Aurelian geleiteten Heilfastenwochen. Sie dienen der Reinigung und Entschlackung des Körpers, begleitet von An- und Entspannungsübungen, der so genannten Eutonie, Gruppengesprächen, Meditation und Wanderungen.
Wer das Kloster im Herbst besucht, kann möglicherweise bei der Traubenernte mithelfen. Den Ordensleuten gehören Weinberge, die allerdings mittlerweile verpachtet sind. Im Angebot ist eine Sorte, die die Mönche kreiert haben, als ihr Mainzer Bischof Karl Lehmann zum Kardinal ernannt wurde. "Unser Kardinal" heißt sie, und es gibt sie in zwei Geschmacksrichtungen: lieblich und trocken.

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