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13. Juni 2008
Eintauchen in eine andere Welt
Kloster Arenberg bietet seinen Gästen selten Gewordenes:
Hinter Klostermauern können sie ihren Alltagsstress
ablegen
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Auf
der Suche nach Ruhe und Abstand vom Alltagsstress
kommen jährlich Tausende Besucher ins Kloster
Aren berg in Koblenz. Hier finden sie Stille und Gebet,
aber auch ein breit gefächertes Wellness- und
Sportangebot.
Text und Fotos: Anna Wirth |
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| Für
Sabine Funk der Höhepunkt des Tages: Gerne hilft
sie den Schwestern bei ihrer Arbeit im Kräutergarten.
Bei warmem Wetter genießt sie das Ernten, vor
allem aber die Gespräche mit den Dominikanerinnen.
Die freiwillige Arbeit ist für sie Teil eines
jeden Aufenthalts im Kloster. Mit einigen der Schwestern
verbindet sie mittlerweile sogar eine Freundschaft. |
Trotz
Arbeit immer fröhlich:
Schwester Irmingard (links)
und
Schwester Modesta (Mitte) zeigen
Sabine Funk,
wie der selbst angebaute
Tee
abgefüllt und verpackt
wird |
Sabine
Funk nutzt auch die Zeit in ihrem Zimmer zum Abschalten.
Ruhe findet sie beim Lesen. |
| ARENBERG. Es ist erst kurz nach Sonnenaufgang,
als im Park des Klosters Arenberg langsam der Tag
erwacht.
Wenn sich hier, um sieben Uhr morgens die ersten Sonnenstrahlen über
die Wiese ergießen, begrüßen die Vögel
mit lautem Gezwitscher bereits die Teilnehmer des Tautretens
zwischen saftig blühenden Pflanzen und Bäumen
auf der Wiese vor dem Hauptgebäude. |
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„Das ist einfach eine
wunderschöne Art, den Tag zu beginnen", sagt
Sabine Funk, legt Schuhe und Strümpfe ab und spaziert
gedankenverloren durch das taunasse Gras. Funk hat
sich für vier Tage im Kloster eingemietet. Hoch über
der Stadt Koblenz will sie Abstand vom stressigen Alltag
gewinnen.
Für die zehn Teilnehmer des Morgenprogramms gehört
zur Entspannung auch die Bewegung. Nach dem Tautreten,
das zum einen ein Gefäßtraining darstellt,
zum anderen positiv auf die Psyche wirken soll, heißt
es ran an den Speck. Drei Runden walken die Frühaufsteher
unter Anleitung durch den weitläufigen Klostergarten,
vorbei an idyllischen Teichen und durch kleine Wäldchen,
immer begleitet vom Gesang der Vögel, die den
erwachenden Sommerankündigen. „Das ist alles
so friedlich hier", sagt Sabine Funk und bringt
damit auf den Punkt, was sie schon seit Jahren immer
wieder ins Kloster Arenberg zieht. |
| Der Tag im Kloster beginnt für
Sabine Funk (vorne rechts) und ihre Freundin Agathe
Plattek sportlich.
Um 7 Uhr machen sich die beiden Frauen zum Walken durch
den idyllischen Klostergarten auf. Vogelgezwitscher
und warme Sonnenstrahlen begleiten sie an diesem Morgen. |
| Vier
Jahre ist es nun her, seit sie ihren ersten Aufenthalt
im Kloster buchte. „Ich
habe nach einer Möglichkeit gesucht, Abstand vom Alltag zu gewinnen",
erzählt sie auf dem Weg in die kleine Kapelle im Turm des Gästehauses.
Eine kurze Predigt lässt den Tag auch für jene Gäste beginnen,
die es nicht zum Tautreten aus den Betten geschafft haben. Als sich die Tür
des Fahrstuhls im siebten Stock öffnet, kehrt Stille ein. Die Kapelle soll
ein Ort der Ruhe und des Gebets sein. Das Sprechen ist hier oben untersagt. So
genießen die Gäste den morgendlichen Ausblick auf den Rhein, bevor
Theologe Martin Hofmeir mit seinem Morgenimpuls beginnt, der, so scheint es,
junge wie alte, gläubige wie nichtgläubige Menschen vereint. Hofmeir
spricht von der Kraft zu verzeihen. Sein Publikum lauscht gespannt.
Beim
anschließenden Frühstück im Speiseraum
des Klosters planen Sabine Funk und Agathe Plattek,
eine Freundin, mit der sie dieses Mal gemeinsam
anreiste, den kommenden Tag. Nur wenige Meter weiter
verstummen die G espräche. In einem der beiden
Frühstückssäle können die Gäste
in Ruhe speisen. In diesem zweiten, gut gefüllten
Raum, hingegen gilt das Gebot der Stille
Funk
und Plattek aber tauschen sich aus, sprechen über
den Alltag im Kloster und über den Glauben. „Ich
denke, man kann hier auch einen Aufenthalt machen,
ohne gläubig zu sein", sagt Funk. „Dem
religiösen Angebot kann man völlig aus
dem Weg gehen, wenn man das will", ist sie
sich sicher. Und tatsächlich ist dies das
Konzept: Hier soll jeder aufgenommen werden, gleich
welcher Konfession oder Glaubensrichtung. Ziel
der Dominikanerinnen ist es, den Menschen in ihren
Bedürfnissen zu begegnen. In der Regel ist
das der Wunsch nach Ruhe, wie bei Funk, auch wenn
die 46-Jährige vor allem die Gespräche
mit den Nonnen genießt.
„Die Schwestern sind so beeindruckend", gerät sie ins Schwärmen
und berichtet von endlosen Gesprächen im Kräutergarten. Schon kurze
Zeit später sitzt sie mit Schwester Modesta und Schwester Irmingard bei
einem Gläschen Kräuterbowle zusammen und hilft dabei, selbst angebauten
Tee zu verpacken. Laut lachend unterhalten sich die Frauen über
das Leben in Arenberg. Für die beiden Nonnen ist Sabine Funk längst
Teil des Klosteralltags. Danach machen sich die Frauen auf zur Kräuterernte. „Man
glaubt gar nicht, was das für ein Glück sein kann, hier zu stehen
und Lindenblüten zu pflücken", berichtet Funk begeistert.
Ein zufriedenes Lächeln umspielt ihre Lippen, während die sanfte
Mittagssonne ihr blondes Haar glänzen lässt. Ab und an wiegt der
Wind die langen Blütenstauden hin und her. Wer mit der Sehnsucht nach
Ruhe ins Kloster kommt, findet sie vor allem hier im wunderschönen, idyllisch
gelegenen Kräutergarten, fernab vom Alltag. |
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Die
Klosterkapelle im siebten Stock des Klosters bietet
Raum für Stille.
Zum morgendlichen Impuls ist
der kleine Raum immer gut gefüllt.
Die Gäste
nutzen die Zeit zum Beten und Nachdenken. Eine kurze
Predigt
von Martin Hofmeier
leitet den Tag ein und gibt den Teilnehmern erste
Gedanken
mit auf den Weg. Die Teilnahme steht jedem offen,
gleich
welchen Glaubens.
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Schwester
Beatrix kümmert sich
um die Anliegen der Gäste
im
Kloster Arenberg. |
Schwestern begegnen der Not der Zeit
Im Kloster bewältigen Gäste Trauer und Schmerz
- Willkommen ist jeder, gleich welchen Glaubens Schwester
Beatrix kümmert sich seit 2004 gemeinsam
mit zehn weiteren Schwestern und zahlreichen Angestellten
um das Wohl der Gäste in Arenberg.
Wie kam es dazu,
dass das Kloster ein so breites Angebot für Gäste hat?
Im Jahr 2000 stand die Einrichtung vor dem Ruin.
Wir stellten uns die Frage: Wollen wir hier unseren
Untergang verwalten oder Zukunft gestalten? Also
versuchten wir der Not der Zeit zu begegnen und entschieden
uns dazu, unser Angebot auszubauen.
Was ist die Not der Zeit?
Menschen haben andere Probleme als früher, etwa
Mobbing, Beziehungsprobleme und Alltagsstress. Wir
fragen den Menschen hier nicht, ob er katholisch,
evangelisch oder freikirchlich ist. Wir wollen für
jeden etwas tun.
War die Öffnung des Klosters im Jahr 2000 für
die Schwestern ein Problem?
Im Kloster hat es immer Veränderungen gegeben.
Stillstand bedeutet Rückschritt. Es gab schon
Zweifel bei den älteren Schwestern, etwa wie
das aussehen könnte, wenn Gäste und Klosterbewohner
gemeinsam beten. Aber heute ist man froh über
die Öffnung.
Warum ist gerade
das Wellness-Angebot im Kloster so vielfältig?
Nur in einem gesunden Körper steckt ein gesunder
Geist. Das gehört einfach dazu.
Ist das Gästeangebot für sie auch eine
Möglichkeit, den christlichen Glauben nach außen
zu tragen?
Es ist schön, dass uns die Menschen hier noch
in unserem Weltbild begegnen. Es kommen durchaus
viele Menschen zu uns, die mit Kirche eigentlich
gar nichts zu tun haben, unser Leben mit Gott erleben
und das anregend finden. Auch so kann Gott wirken.
Welche Wirkung hat ein Klosteraufenthalt auf die
Menschen?
Der Mensch kann hier genau so sein, wie er ist. Viele
sagen, sie fühlen sich hier zu Hause. Manche
kommen in tiefer Trauer her und können hier
zum ersten Mal wieder durchatmen, einfach weil wir
für sie da sind.
· Die Fragen stellte Anna Wirth
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Hintergrund
Sport und Spiritualität im Programm
Das Angebot im Kloster Arenberg beruht auf den fünf
Säulen des Priesters Sebastian Kneipp: Natur,
Spiritualität, Wasser, Bewegung und Ernährung.
So können die Gäste im Kräutergarten
mithelfen oder Ruhe bei Meditation, Gebet, Morgenimpuls
oder Gesprächskreis finden und ein Seelsorgeangebot
nutzen. Das Vitalzentrum bietet Schwimm-, und Fitnessmöglichkeiten,
eine Sauna oder Massage. Bei den Mahlzeiten wird auf
die Zusammensetzung der Lebensmittel geachtet. Außerdem
bietet das Haus eine Vielzahl verschiedener Kurse an.
Gäste können sich ab 82 Euro pro Nacht in
einem der 99 Zimmer einmieten, Erwünscht sind
mindestens zwei Übernachtungen.
Reservierungen
montags bis freitags 9 bis 17 Uhr unter Tel. 0261/640
120 90 oder unter E-Mail: reservierung@kloster-arenberg.de. |
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