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Wellness mit Gottes Segen
Im Koblenzer Kloster Arenberg sorgen die
Dominikanerinnen für Leib und Seele ihrer Gäste
Text:
Britta Ellerkamp
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„Vorsicht,
treten sie bloß nicht auf die kleinen Frösche“,
ermahnt Schwester Everilde die Spaziergänger
im Park. Freundlich, aber bestimmt bringt die 70-jährige
Ordensschwester die Gäste des Klosters auf
den rechten Weg. „Ich mag fast alles, was
kreucht und fleucht, aber vor Schnaken ekele ich
mich“, erzählt die Dominikanerschwester
und lacht.
Hier
in der Parkanlage des Klosters Arenberg in Koblenz
genießen viele Gäste die grünen
Wiesen mit Obstbäumen, den großen Gartenteich,
den Kräutergarten, in dem es nach Lavendel,
Thymian, Melisse und etlichen Heilpflanzen duftet.
Doch Kloster Arenberg bietet seinen Besuchern mehr
als nur eine schöne Landschaft. „Erholen,
Begegnen, Heilen“, so lautet das Motto des
Klosters, das in Deutschland mit seinem ganzheitlichen
„Wellness-Konzept“ genau den Nerv der
Zeit trifft. Und das ist den Schwestern und Mitarbeitern
des Gästehauses wichtig.,, Wir müssen
einfach mit der Zeit gehen, auch wenn wir nicht
einem Modetrend unterworfen sind“, sagt Schwester
Beatrix (66), die gemeinsam mit dem Diplom Betriebswirt
Bernhard Grunau (40) die Hausleitung innehat.
Auf
zu neuen Ufern
Für die Ordensfrauen war das Projekt ein großer
Schritt nach reiflicher Überlegung. Dem Dienst
am Nächsten
widmeten sich die Schwestern schon seit Gründung
des Klosters Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie leiteten
z. B. Krankenhäuser, kümmerten sich um
junge und alte Menschen und erweiterten in den 50er-Jahren
das Kloster um ein Kneipp-Sanatorium und Gästehaus.
Doch was damals der Renner war, fand gerade in den
letzten Jahren weniger Zuspruch. Die Ausstattung
des Sanatoriums war nicht mehr zeitgemäß,
die Zahl der Kuren rückläufig und somit
das Sanatorium auch wirtschaftlich nicht länger
tragbar. Abbruch oder Aufbruch? Vor dieser entscheidenden
Frage standen die Dominikanerinnen. Statt notdürftig
Reparaturen vorzunehmen, haben sie ein Konzept erstellt,
das Spiritualität und
körperliches Wohlbefinden in Einklang bringt.
Ganz
nach dem Kneipp‘schen Vorbild haben sie ein
modernes Gästehaus geschaffen, das den Menschen
in seiner Ganzheit von Körper, Geist und
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Seele
ansprechen soll. Die Verwandlung des veralteten Gebäudes
in ein modernes und helles Haus mit 100 Betten kostete
einiges: Der 15 Millionen schwere Neubau, der mit
dem Altbau harmonisch zusammengeführt wurde,
musste bezahlt werden. Ohne staatliche oder kirchliche
Fördermittel, sondern allein aus Ersparnissen
der Schwestern und durch den Verkauf eigener Grundstücke
der Ordensgemeinschaft.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Im Juli 2003
öffnete das umgebaute Kloster seine Pforten.
Auch wenn manche Schwestern mit den Begriffen „Wellness“
oder „Vier-Sterne-Hotel‘ auf Kriegsfuß
stehen, fehlt es dem Gast in dieser Umgebung an nichts.
Dennoch hat der Aufenthalt nichts gemein mit Touristenanimation
oder einer All-lnclusive-Pauschalreise. „Wir
sind kein Wellnesstempel. Bei uns sollen sich Menschen
wohl fühlen, erholen und zur Ruhe kommen“,
betont Verwaltungsdirektor Grunau.
Kommt
man selbst in den Genuss, Kloster Arenberg zu erleben,
weiß man, was gemeint ist. Das Angebot von
körperlicher und seelischer Entspannung ist
vielfältig: Wer mag, kann gleich morgens um
halb sieben mit den sechzig Ordensschwestern des
Mutterhauses in der Kirche im Chorgestühl sitzen
und ihrem Psalmengesang lauschen - oder selbst mit
einstimmen.
Ein
einfaches, aber sinnliches Erleben ist das Tautreten
in aller Herrgottsfrühe. Mit anderen Frühaufstehern
kann man sprichwörtlich auf Rasen den Boden
unter den Füßen spüren. Eine Mitarbeiterin
ermuntert die Tautreter zu einer weiteren halben
Stunde Walking im Park mit anschließender
Frühgymnastik, bevor es dann zum reichhaltigen
Frühstücksbüfett geht.
Obwohl
es einen vollen Stundenplan gibt, ist jeder Gast
frei in seinen Entscheidungen. Einen Zwang gibt
es nicht, schließlich geht es darum, den Alltagsstress
loszulassen und neu aufzutanken. Dr. Martin Hofmeir
(41), Theologe und Psychologe des Hauses, bringt
es auf den Punkt: „Aufmerksam sein und trotzdem
zurückhaltend bleiben, das ist uns Mitarbeitern
wichtig“ Hier gibt es keinen, der die Gäste
zur Spiritualität nötigt. Blättert
man im Gästebuch, hat man es schwarz auf weiß:
Gäste loben immer wieder die Offenheit und
Herzlichkeit der Schwestern und Mitarbeiter. „Es
ist nicht wichtig, ob jemand Christ, Buddhist oder
konfessionslos ist. Und ob jemand Hausfrau, Manager
oder Krankenschwester ist, spielt auch keine Rolle,
Hier zählt der Mensch“, betont Schwester
Everilde, die bis vor kurzem noch als Krankengymnastin
im Vitalzentrum — früher nannte man das
Bäderabteilung — tätig war. Sie
schwärmt von den vielen Begegnungen.
Im
Kloster Arenberg treffen sich Menschen unterschiedlicher
Herkunft und Altersklasse. Was sie gemeinsam haben,
ist die Suche nach innerer Ruhe und Gelassenheit
in einer hektischen Gesellschaft. „Hier zwitschern
die Vögel lauter, und man kann den Wind hören“,
berichtet eine 50-jährige Krankenschwester
aus Düsseldorf. „Ich bin immer für
andere da, aber ich brauche auch mal etwas nur für
mich.“ Besonders begeistert ist sie vom Vitalzentrum:
Fitnessraum, Aromamassagen, Crystalbad, Brandungsbad,
Solarium und ein modernes Hallenbad mit Ruhezonen
stehen auf ihrem persönlichen Fünf-Tage-Plan.
„Für mich ist das eine Oase zum Auftanken“,
ergänzt sie begeistert.
Die
Besucher des Klosters kommen aus allen Himmelsrichtungen.
So berichtet eine 45-jährige Frau aus Bayern,
dass sie früher ihre Urlaube nur auf noblen
Schönheitsfarmen verbrachte:
„Irgendwann reichte mir das nicht mehr. Ich
habe etwas anderes gesucht und hier gefunden.“
Meditation, Gesprächskreise und Entspannungstraining
gehören hier zu ihren Lieblingsangeboten. „Und
wenn man möchte, kann
man auch seine Sorgen loswerden, ohne einen Seelenstriptease
zu machen“, erzählt sie.
Die
Seele wird nicht verkauft
Verwaltungsdirektor Grunau fasst es so zusammen:
„Die Menschen suchen nach körperlicher
und seelischer Erholung. Und wir bieten beides.“
Urlaub im Kloster also auch als clevere Geschäftsidee
und Marketingstrategie? Grunau wägt ab: „Einerseits
schon, da wir ein zeitgemäßes Angebot
geschaffen haben, das heute offenbar noch rar ist.
Andererseits ist das Gästehaus eine gemeinnützige
Einrichtung, das heißt: Falls Gewinne entstehen,
müssen sie gemeinnützig verwendet werden.
Doch trotz einer Auslastung von 70 Prozent arbeiten
wir noch nicht kostendeckend.“ Deshalb werden
die Angebote auf den Bedarf ausgerichtet. „Unser
Leitbild ‚Erholen, Begegnen, Heilen‘
- das Wohl des einzelnen Gastes — verlieren
wir allerdings nie aus dem Blick,“ betont
Grunau. |
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